Ihre Liebe zu Pferden hat der schwere Unfall im September nicht geschmälert: Melanie Esnaf mit ihrem Hengst Celanto. Foto: Caroline Holowiecki

Melanie Esnaf hatte im September in Sielmingen einen schweren Reitunfall. Mehrere Menschen eilten ihr zur Hilfe. Mittlerweile geht es ihr besser. Jetzt ist sie auf der Suche nach vier Jugendlichen, die damals als Ersthelfer einsprangen.

Melanie Esnaf streckt ihren rechten Arm waagerecht aus und strahlt. Es ist eine einfache Bewegung, für die 31-Jährige aus Neuhausen ist sie aber so etwas wie ein kleiner Meilenstein. „Das hat zwei Monate gedauert“, sagt sie. Die Bewegungsfreiheit des Armes ist stark eingeschränkt. Ihn über den Kopf heben, das kann sie eher schlecht als recht. Sich damit am Rücken kratzen: ausgeschlossen. Das wird noch eine Weile dauern. Melanie Esnaf hatte Anfang September einen Reitunfall. Und von dessen Folgen hat sie sich noch längst nicht erholt.

 

Bänder und Sehnen rissen

Es war ein schöner Sommerabend, das weiß Melanie Esnaf noch genau. Gemeinsam mit einer zweiten Reiterin wollte die 31-Jährige mit dem Oldenburger-Hengst Celanto am Fleinsbach zwischen Bernhausen und Sielmingen eine Runde drehen. „Mein Pferd hat einen saftigen Freudensprung gemacht“, sagt sie. Dabei ist es geschehen: Melanie Esnaf stürzte mit ihrem kompletten Gewicht vom Pferd auf ihre rechte Schulter, zog sich eine sogenannte Schultereckgelenksprengung zu. Bänder und Sehnen rissen. Operation, zehn Tage Krankenhaus, Platte in der Schulter, Schmerz- und Physiotherapie. Bis heute, Monate später, ist Melanie Esnaf nicht wiederhergestellt. Im Haushalt braucht sie Unterstützung, reiten ist derzeit nicht möglich. Auch in ihren Job als Projektassistentin ist sie noch nicht zurückgekehrt. Im neuen Jahr wird sie eine zweite Operation über sich ergehen lassen müssen, „die Reha ist schon eingeleitet“. Ob sie wieder voll genesen wird? „Die Ärzte sind sehr zuversichtlich“, sagt Melanie Esnaf lächelnd.

Es passierte in Sekunden

Was genau bei dem Unfall passiert ist, das weiß sie nur aus Erzählungen. „Es passierte in Sekunden, es hat lang gebraucht, bis ich es verarbeiten konnte“, sagt sie rückblickend. Zwischenzeitlich war sie bewusstlos. Woran sie sich aber erinnert: Fünf Ersthelfer standen ihr zur Seite. Eine Gassigeherin beobachtete den Unfall und eilte zur Hilfe. „Sie hat mir die Hand gehalten und mich beruhigt. Sie hat wirklich meine Tränen abgewischt, das habe ich gespürt“, erzählt sie. Auch vier Jugendliche, die in der Nähe Fußball gespielt hatten, kamen, winkten den Notarzt herbei, hielten das Pferd fest und brachten es zurück zum Stall in Sielmingen.

Trotz des schlimmen Ereignisses: Melanie Esnaf ist voll des Glücks über die Menschen, die ihr nach dem Unfall geholfen haben: die fünf Ersthelfer – „meine Engel“, wie sie immer wieder sagt –, auch ihre Familie und die Notärztin, die ihr im Krankenwagen die Hand hielt. Bei der Gassigeherin, einer 50-Jährigen aus Bernhausen, konnte sich Melanie Esnaf Ende November persönlich mit einem Blumenstrauß und einer festen Umarmung bedanken. Die beiden Frauen haben sich über Facebook gefunden. Auch die Notärztin konnte sie mittlerweile ausfindig machen. „Sie war selbst früher mal Reiterin“, erzählt Melanie Esnaf. Die vier jungen Kicker sucht sie indes noch. So viel weiß sie: Zum Verein, der vor Ort ein Gelände hat, gehören sie nicht. „Ich habe mit allen Trainern und dem Vorstand gesprochen, die waren privat dort.“ Sie hofft, dass sich die vier Burschen noch im Reit- und Fahrstall Veit in Sielmingen melden, damit sie ihnen persönlich ihren Dank aussprechen kann.

Melanie Esnaf ist glücklich, dass so viele Menschen Zivilcourage bewiesen haben. „Das ist unheimlich wichtig. So oft gucken die Leute weg.“ In Filderstadt funktioniere das Miteinander noch, findet sie. „Es ist etwas Tolles, wenn wir so zusammenhalten.“ Sie freut sich darauf, wieder auf ihren Celanto zu steigen. Der Unfall hat ihre Liebe zu Pferden keinesfalls geschmälert. „Reiten ist für mich nach wie vor das schönste Hobby.“