Erst fahren die Trecker auf die Waage, dann geht es in den Wettkampf auf das von den Traktorreifen und den Anhängern malträtierte Stoppelfeld. Weitere Eindrücke zeigt unsere Fotostrecke. Foto: Götz Schultheiss

Es dürften 4000 Gäste gewesen sein, die das Spektakel am Sonntag mitverfolgt haben: ein Kräftemessen der besonderen Art. Die Landwirte erklären hier, warum sie der Trecker Treck in Filderstadt-Sielmingen reizt und wie man gewinnt.

Sielmingen - Ein kräftiger Regenguss in der Nacht zum Sonntag hat das Stoppelfeld beim Sielminger Rohrbachhof aufgeweicht. Gegen 11 Uhr haben die stark profilierten Reifen schwerer Traktoren den Acker in eine Schlammwüste verwandelt. 80 Traktoren in neun Gewichtsklassen 1500 Kilogramm bis 13 000 Kilogramm messen ihre Kräfte beim 14. Trecker Treck der Landjugend. Auf zwei 100 Meter langen Bahnen ziehen die Traktoren je nach ihrem Eigengewicht zwischen 20 und 30 Tonnen auf Anhängern. Sie fahren so weit, bis sie buchstäblich im Acker feststecken. „Die Last, die wir auf die Anhänger laden, hängt vom Wetter ab. Heute Morgen war der Boden nass, da haben wir weniger Gewicht gebraucht als ab dem frühen Nachmittag, als den Boden trockener geworden ist. Wenn es nass ist, macht der Schlamm das Reifenprofil zu. Da kommt man kaum vorwärts“, sagt Frank Alber, der am Startgebäude die Ergebnisse aufnimmt. Über den Zuspruch der Gäste freut er sich: „Es könnten 4000 Menschen sein, die gekommen sind.“

Gute Reifen sind wichtiger als Pferdestärken

„Es kommt nicht so sehr auf die PS-Zahl an“, sagt Tobias Alber. Der Lokalmatador in der Gewichtsklasse bis 2000 Kilogramm hat soeben den Wettbewerb als Sieger beendet. „Gute Reifen mit viel Griff und der richtige Reifendruck sind wichtiger als Pferdestärken“, sagt der Nebenerwerbslandwirt aus Sielmingen. Sein Trecker habe nur 38 PS: „Meine sechs Konkurrenten hatten jeweils zwischen 63 und 68 PS. Trotzdem habe ich mit meinem Know-how mit 39 Metern Fahrweg etwa fünf Meter Abstand zum Zweitplatzierten herausgefahren.“ Der 37-Jährige gehört zu den Gründern des Trecker Treck vor 14 Jahren. Sein Traktor ist ein unverändertes Serienmodell für den täglichen Einsatz auf dem Feld: „Nichts ist getunt“, sagt er. Die einzige Veränderung für den Wettbewerb ist ein Metallgestell hinten, an dem zwei kleine Räder angebracht sind. Das ist ein Steigbegrenzer. Wenn die Last auf dem Anhänger zu hoch ist und die Räder durchdrehen, kann der Traktor steigen. Die Konstruktion verhindert, dass er sich rückwärts überschlägt“, sagt der Industriemechaniker. Darauf angesprochen, dass es unter den Fahrern viele Industriemechaniker gibt, sagt er lapidar. „Man muss sich halt mit der Technik auskennen.“

Die große Waage ist ein Eigenbau

Der Mann mit dem Überblick über die Schwergewichte heißt Thomas Alber. Er sitzt in einem Unterstand vor der Waage, auf der die Traktoren vor dem Wettkampf gewogen werden. „Die Obergrenze sind 13 000 Kilo Gewicht inklusive Fahrer. Aber heute ist der Boden sehr nass. Er bleibt in den Reifen hängen. Deshalb haben wir 100 Kilogramm Toleranz.“ Die Waage ist ein Eigenbau der Sielminger Landjugend. „Wir haben sie zusammengeschweißt. Jedes Jahr wird sie geprüft“, sagt Alber.

Der Mann, der seit drei Jahren dafür sorgt, dass die von den Reifen aufgerissenen Bahnen wieder geglättet werden, kommt aus Vollmaringen bei Nagold, weshalb er nicht wie bei einem Sielminger zu erwarten, mit Nachnamen Alber, sondern Maier heißt. Max Maier fährt einen knallroten Traktor der Marke Massey Ferguson mit Allradantrieb und 160 PS. Wie viel Last auf den Anhänger mit dem eisernen Abzieher geladen worden ist, weiß er nicht so genau. „Ein paar Tonnen sind es schon. Ziehen kann der Traktor 20 bis 25 Tonnen“, sagt er schmunzelnd. Mittlerweile sind die Temperaturen wieder gestiegen, und Max Maier hat es warm in seiner Kabine. Plötzlich taucht auf dem Trittbrett Niels Mutwill von der Sielminger Landjugend auf und reicht ihm zwei Flaschen Limonade. Nach der Beteiligung in all den 14 Jahren Trecker Treck gefragt, sagt Mutwill: „Sie ist unterschiedlich, weil sie immer davon abhängt, wie die Landwirte Zeit haben.“

Mit dem Turbolader auf 300 Pferdestärken

Plötzlich ertönt lauteres Motoren-Geknatter als eh schon. „Jetzt startet die 3500-Kilogramm-Sportklasse mit getunten Traktoren“, sagt Mutwill. Schon bald fährt mit erhobener Siegerfaust Lars Valentin ins Ziel. Seinen in der Serie 160 PS starken, laubfroschgrünen John Deere-Traktor hat der Fahrer aus Eberdingen bei Vaihingen an der Enz auf 300 PS getunt. „Ich habe einen Turbolader, eine andere Einspritzpumpe und Ladeluftkühlung eingebaut“, sagt der Industriemechaniker. Bis zum Tag vor dem Rennen habe er noch Probleme mit der Kupplung gehabt. „Der Sieg ist eine Erleichterung, nachdem ich Tag und Nacht geschraubt habe.“ Auf die Frage, was ihn sein Hobby kostet, antwortet er kryptisch: „Andere haben ein Pferd. Damit muss man gleich zum Tierarzt, wenn ihm etwas fehlt. Den Trecker kann ich aber mal zwei Jahre lang einfach stehen lassen.“

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