Filderstadt-Bonlanden Schüler diskutieren über Fleischkonsum

Von Alessa Becker 

Schülerin Lucie stellt vor, was die Klasse am Vormittag erarbeitet hat. Foto: Alessa Becker
Schülerin Lucie stellt vor, was die Klasse am Vormittag erarbeitet hat. Foto: Alessa Becker

An der Realschule im Bildungszentrum Seefälle in Filderstadt haben sich Schüler in einem Workshop kritisch mit Massentierhaltung versus Tierliebe und Bioproduktion auseinandergesetzt.

Bonlanden - Chiara ist klar geworden, dass sie Bioprodukte besser findet als Nahrungsmittel aus konventioneller Landwirtschaft. Nico ist sich da nicht so sicher: „Biologische Produkte kann sich nicht jeder leisten.“ Jon dagegen interessiert sich für die Seite der Produzenten. „Ich möchte wissen, warum man Landwirt wird“, sagt der 15-Jährige.

Chiara, Nico und Jon gehen gemeinsam in die zehnte Klasse der Realschule Bonlanden. Dort behandeln sie im Fächerverband Erdkunde, Wirtschaft und Gemeinschaftskunde das Thema „Globalisierung und Nachhaltigkeit“. Um den Schülern das nachhaltige Wirtschaften in einer kritischen Auseinandersetzung nahezubringen, sind an diesem Tag Erik Schlegel und Theresa Fuchs vom Zentrum für angewandte Politikforschung nach Bonlanden gekommen. Im Rahmen des Projektes „Wa(h)re Werte – Die Wirtschaftsforscher!“, halten sie Workshops an Schulen ab. Initiiert wird der Workshop von den sogenannten Wirtschaftsforschern, einem gemeinsamen Projekt der PricewaterhouseCoopers-Stiftung, der Karl Schlecht Stiftung, dem Institut für ökonomische Bildung und dem Centrum für angewandte Politikforschung. In ganz Deutschland nehmen 21 Schulen das Workshop-Angebot wahr.

Zu ethischem und kritischem Denken ermutigen

„Wir möchten die Schüler zu ethischem und kritischem Denken ermutigen“, sagt Erik Schlegel. Dabei sei ihm wichtig, dass die Jugendlichen sich am Ende ihre eigene Meinung bilden. „In unserer heutigen Gesellschaft muss man Stellung nehmen und mit anderen diskutieren können.“ Theresa Fuchs studiert Politik. Die Arbeit als Teamerin beim Zentrum für angewandte Politikforschung ist ihr Nebenjob. „Es kommt gut an, wenn junge Leute auf Augenhöhe mit den Schülern sprechen“, sagt die 23-Jährige.

Nachdem sich die Realschüler einen ganzen Vormittag mit ihr über das Thema Fleischproduktion unterhalten haben, schreiben sie Argumente von Konsumenten, Produzenten und Politikern auf. Lohnt sich die Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf einen Biobetrieb? Am Mittag können die Schüler ihre neuen Erkenntnisse mit Vertretern aus der Landwirtschaft diskutieren.

Der Deutsche an sich isst 60 Kilo Fleisch im Jahr

Zu Gast im Klassenzimmer sind Florian Petschl, Landwirt aus Marbach am Neckar, Ida Hartmann vom Landesbauernverband und Heike Schäfer, Landwirtin in einem Biobetrieb im Zollernalbkreis. „Wir verkaufen das Fleisch unserer Kühe selbst und dabei wird alles verwertet, was möglich ist“, sagt Schäfer. Florian Petschl gibt zu Bedenken: „Wenn jeder Landwirt auf Bio umstellen würde, könnten nicht alle satt werden.“

Der Fleischkonsum der Deutschen liegt bei etwa 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Um unter einem Biosiegel verkaufen zu können, müsse ein Hof erst mal zwei Jahre lang ökologische Landwirtschaft betreiben, erklärt Ida Hartmann. Die Schüler hören aufmerksam zu und schreiben die Begriffe „Tierliebe, Respekt und artgerecht“ auf ein Plakat.

Dann kann Jon endlich seine Frage stellen: „Wie wird man denn Landwirt?“ Florian Petschl hat die Antwort parat. Er ist in einem Familienbetrieb großgeworden. „Da habe ich schon mit sechs Jahren das Schlepperfahren gelernt und als ich wie ihr auf der Realschule war, wusste ich, dass ich den Hof meiner einmal Eltern übernehmen möchte.“ Nach seinem Landwirtschaftsstudium hat sich der 29-Jährige diesen Traum erfüllt. Jon ist beeindruckt. Und seine Mitschüler haben an diesem Tag noch viele weitere Fragen an ihre Diskussionspartner.

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