Seite 2Filderdialog "Kritik an sich ist nicht unfair"

Von Michael Deufel 

Hat man Ihnen nicht richtig zugehört, oder müssen sich Kritiker einfach auch den Bedingungen beugen, die Sie formuliert haben?
Von allem etwas. Manche Dinge sind nicht an mich herangetragen worden. Bei manchen gab es auch ein Nichtakzeptieren von Entscheidungen, die getroffen worden sind.

Empfanden Sie die Kritik als unfair?
Kritik an sich ist nicht unfair. Hier war sie manchmal vermischt mit persönlichen ­Angriffen, was ich aber verstehen kann. Schließlich sind die Leute hochengagiert und wollen etwas bewirken.

Die Verknüpfung Fern-, Regional- und Nahverkehr mit dem Flughafen ist technisch und aus Sicht des Bahnbetriebs hoch kompliziert. Wie haben Sie sich vorbereitet?
Es ist nicht wichtig, dass ich Bahnexperte bin, die sprechen für sich selber. Ebenso bin ich kein Experte in Sachen Schutz der Filder. In Gesprächen mit den Dialog-Teilnehmern habe ich aber vorher versucht, die jeweiligen Sichtweisen zu verstehen. Ich habe mich über Alternativen kundig gemacht und mir bei einer Fahrt über die Filder einen Ortseindruck verschafft. Methodisch gesehen ist Übersichtswissen wichtig, sonst würde ich womöglich für eigene Lösungen kämpfen, und das ist nicht meine Aufgabe.

Wie sehen Sie Ihre Rolle beim Filder-Dialog?
Eines ist ganz klar: Ich bin nicht Schiedsrichter und nicht Schlichter, und ich fabriziere am Ende inhaltlich keine Lösung. Ich bin derjenige, der moderiert und einen Rahmen setzt, in dem Menschen miteinander sprechen können, im Plenum und in kleinen Gruppen. Ich könnte am Ende gut damit ­leben, wenn es kein Ergebnis gibt oder wenn sich zwei, drei beste Lösungen ergeben. Wichtig ist, dass im fairen Dialog gestritten wird, wo gestritten werden muss.

Interessen, etwa jene der Streckenanwohner, die der Lärm stört, und jene der Landwirte, die um ihren fruchtbaren Boden fürchten, lassen sich aber nicht beliebig austarieren.
Aus jeder Richtung kommen Impulse, und das Plenum entscheidet sich dann für die ­Variante, die diesen am nächsten kommt.

Werden Sie am Ende des Dialogs abstimmen lassen?
Das ist denkbar, aber vielleicht steht auch ein Konsens da. Auch ein Minderheits­statement ist möglich.

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