Beim Kreisjugendfeuerwehrtag in Filderstadt zeigte der Nachwuchs seine Fähigkeiten. Fachliche Kenntnis, Teamfähigkeit, Geschick und Ausdauer waren gefragt. Aber auch auf Schnelligkeit kam es an.
Die Uhr tickt. So oft wie möglich müssen die Mannschaften die schweren Beutel, in denen 30 Meter Seil verstaut sind, in den ausgelegten großen Reifen werfen. Nach dem Wurf wird nach vorne gesprintet, der Beutel geholt, zurück zur Wurflinie gesprintet und erneut geworfen. Wie lange zwei Minuten werden können, erfuhren Besucher und Aktive beim 31. Kreisjugendfeuerwehrtag im Filderstädter Teilort Sielmingen am Samstag aber nicht allein an dieser Station. An weiteren Stationen müssen große Schläuche geflochten, Wasserbehälter balanciert oder Erste-Hilfe-Produkte zugeordnet werden. „Der Spaß soll nicht zu kurz kommen“, betont die Kreisjugendfeuerwehrwartin Daniela Lohrmann.
Rund 400 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren aus dem ganzen Landkreis sind gekommen. Angereist wurde meist stilecht in einem Feuerwehrauto der jeweiligen Ortsgruppe. Die Jugendlichen treten in verschiedenen Altersklassen und gruppenweise gegeneinander an. Bei den Aufgaben gehe es um Teamfähigkeit, Feuerwehrtechnik und Geschicklichkeit, erklärt Lohrmann. Die Aufgaben sind aber stets an das Alter der Gruppen angepasst. Und die meisten Aufgaben waren vorab bekannt gegeben worden, sodass sich die Gruppen vorbereiten konnten.
Alle Spiele gehen auf Zeit
Immer ist Teamarbeit gefragt. An einer Station werden die Beine der Gruppenmitglieder miteinander verbunden. Dann bekommen sie ein Tablett mit Gläsern voller Wasser in die Hände. Anschließend muss ein Parcours abgelaufen werden. An einer anderen Station mussten sogenannte Saugleitungen, die im Einsatz zum Abpumpen von Wasser verwendet werden, möglichst rasch miteinander verbunden werden. „Alle Spiele gehen auf Zeit“, sagt Lohrmann. Immerhin muss es während einem echten Feuerwehreinsatz auch immer schnell gehen. Das müssen während des Wettbewerbs vor allem die älteren Teilnehmer, also die 15- bis 18-Jährigen, erfahren. Bei ihnen wird die Gesamtzeit gemessen. Sie mussten also nicht nur an den eigentlichen Stationen schnell sein, sondern auch noch von Station zu Station sprinten.
Zu den Teilnehmern gehören auch die Kreisjugendsprecher Anna (17) und Linus (16). „Wir sind demnächst dran“, sagt Linus, der der Jugendfeuerwehr Neckartenzlingen angehört. Die Vorbereitung habe gut geklappt. Ein wenig Nervosität stelle sich kurz vor dem Wettbewerb trotzdem ein. „Es gibt einige starke Konkurrenten“, hat er beobachtet. Er sei aber optimistisch, dass seine Gruppe ein gutes Ergebnis einfahren werde. Er sei seit 2017 bei der Feuerwehr, wo ihn vor allem die Autos und die Technik begeistern.
Für die Kreisjugendsprecherin Anna sind es dagegen eher die Kameradschaft und die gemeinsamen Aktivitäten, die das Engagement bei der Feuerwehr ausmachen. In der Familie gebe es mehrere Feuerwehrleute, sodass für sie der Weg zu den Floriansjüngern nicht weit war. Der Übertritt in die Einsatzabteilung Feuerwehr in Owen steht „natürlich“ demnächst bevor, wie sie sagt. Sie möchte dabeibleiben, vielleicht als Jugendleiterin. Beim Kreisjugendfeuerwehrtag geht es aber für sie nun erst einmal um wertvolle Punkte. „Die Aufregung ist da“, sagt sie.
Inklusion und Integration sind wichtige Themen
Knapp 18 Prozent der Jugendfeuerwehrleute sind derzeit Mädchen. Bei den Jüngeren sei der Anteil höher, berichtet Lohrmann. Im Jugendalter nehme der Mädchenanteil aber ab, hat sie beobachtet. Woran das liegt? Womöglich entwickelten sich andere Interessen im Jugendalter, meint sie. Und je weniger Mädchen dabei seien, desto schwieriger werde es, andere Mädchen zu begeistern. Ein wichtiger Punkt für viele Jugendfeuerwehrmitglieder ist, dass die gleichaltrigen Freunde ebenso mitmachen.
Wichtige Themen für die Jugendfeuerwehr seien Inklusion und Integration. So gebe es auch Möglichkeiten für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, sich bei der Feuerwehr zu engagieren, betont Lohrmann. Darüber hinaus finde im normalen Alltag der Jugendfeuerwehr wichtige Integrationsarbeit statt. Beim Team aus Neckartenzlingen ist auch der zwölfjährige Kyrylo dabei. Seit einem Jahr sei der Junge aus der Ukraine mit großer Begeisterung bei der Jugendfeuerwehr, so Lohrmann.
Ein bisschen nervös sei er schon, berichtet der Junge. Aber der Wettbewerb laufe „sehr gut“ für seine Gruppe. Mit der Mannschaft hätten sie schon viele Aufgaben an diesem Tag bewältigt. Für die Kinder aus Kriegsgebieten sei es wichtig, dass sie bei der Feuerwehr abseits des Alltags etwas erleben könnten und dabei noch etwas zur Kultur und Sprache in Deutschland erfahren würden, findet Lohrmann.
Einblicke in die Arbeit der Jugendfeuerwehr
Jugendfeuerwehr
Im Landkreis Esslingen gibt es aktuell 44 Jugendfeuerwehren, also in jeder Kommune eine. Die Jugendfeuerwehren sind wiederum in 54 unterschiedliche Jugend- und 16 Kindergruppen organisiert.
Sieger
Die Nase vorn hatte bei den 10- bis 14-Jährigen das Team aus Nürtingen (Stadtmitte). Bei den 15- bis 18-Jährigen belegte die Mannschaft aus Jesingen den ersten Platz.
Termine
Wer mehr über die Arbeit der Feuerwehren im Kreis Esslingen erfahren will, hat dazu beispielsweise am Sonntag, 18. Juni, ab 10 Uhr beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr Wendlingen (Schäferhauser Straße 8) Gelegenheit. Auch am Wochenende, 22. und 23. Juli, kann man beim Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Unterensingen beim Feuerwehrhaus (Kelterstraße 11) etwas über die Feuerwehr erfahren. Beginn ist am Samstag um 16 Uhr und am Sonntag um 10.30 Uhr mit musikalischem Frühschoppen, Mittagessen, Kinderunterhaltung und Fahrzeugschau.