Das Feuerwehrwesen brauche eine höhere Finanzspritze des Staates, sagt der Landesfeuerwehrverband. Foto: dpa

Die Zahl der Einsätze und der Heraus­forderungen für die 1098 kommunalen Feuerwehren im Südwesten steigt. Sie fordern deshalb auch mehr Geld vom Land.

Stuttgart - Mit schönen Worten will sich die Feuerwehr im Land nicht abspeisen lassen. Angesichts der guten Steuereinnahmen müsse auch die Feuerwehr besser ausgestattet werden, forderte der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, Frank Knödler, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Deshalb sind wir der Meinung, dass die Landesregierung den Kommunen einen größeren Teil zur Förderung des Feuerwehrwesens zur Verfügung stellen sollte.“ Die Einnahmen aus der Feuerschutzsteuer reichten nicht. In den vergangenen Jahren waren das rund 50 Millionen Euro im Jahr. Weitere zehn Millionen Euro jährlich fließen an die Landesfeuerwehrschule in Bruchsal. Den Hauptteil der Kosten für die Feuerwehr tragen die Kommunen – sie belaufen sich auf etwa eine halbe Milliarde Euro pro Jahr.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) räumte am Dienstag ein, dass es zwischen den Anträgen der Feuerwehren und den bewilligten Summen eine Lücke gebe – diese werde aber kleiner, weil mehr Feuerschutzsteuer fließe. „Der Bedarf an Feuerwehrfördermitteln ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen“, sagte er. Die Ausstattung der Feuerwehren habe sich deutlich verbessert. Er sehe kaum noch Löschfahrzeuge, die älter als 25 Jahre seien.

Ausstattung hat sich verbessert

Im laufenden Jahr reichten die Feuerwehren beim Land Anträge im Umfang von 59,6 Millionen Euro ein, 2011 ging es noch um 27,6 Millionen Euro. Auch die Zahl der Fahrzeuge hat zugenommen, von 8951 im Jahr 2011 auf 9209 im Jahr 2016. Es sei erfreulich, dass die Gemeinden ihre Feuerwehren gut ausstatteten, sagte Strobl. „Damit wird in die Sicherheit vor Ort investiert.“ In den nächsten Jahren rechnet er mit weiteren Investitionen vor allem bei den Feuerwehrhäusern.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Einsätze in Baden-Württemberg deutlich angestiegen. Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbands rückte die Feuerwehr 2016 insgesamt 147 940 mal aus. 114 538 dieser Einsätze leisteten die Gemeindefeuerwehren, fast ein Viertel mehr als vor zehn Jahren. Besonders zugenommen haben Einsätze zur technischen Hilfeleistung – etwa nach Verkehrsunfällen – und im Umweltschutz. Gleichzeitig stieg auch die Zahl der Fehlalarme – von 24 704 Fällen 2014 auf 30 328 Fälle 2016.

Früher Bürger, jetzt Feuerwehr

Markus Kramer vom Landesfeuerwehrverband führt die steigende Zahl der Einsätze auch auf mangelnde Eigenverantwortung der Bevölkerung zurück: „Die Fähigkeit zur Selbsthilfe lässt nach, bei jeder Kleinigkeit ruft man die Rettungskräfte an“, sagt er. „Früher, wenn zum Beispiel Wasser im Keller stand, hat man es selbst beseitigt. Heute ruft man die Feuerwehr.“ Dazu komme unsachgemäßer Umgang mit Elektrogeräten. Auch Unternehmen, die bei der Technikwartung sparen wollten, trügen zur Belastung der Feuerwehr bei. Während in anderen Bundesländern die Feuerwehren über Nachwuchsmangel klagen, verzeichnen die baden-württembergischen Wehren steigende Mitgliederzahlen. Insgesamt gibt es 178 549 Feuerwehrleute im Land. Bei den 1098 kommunalen Feuerwehren engagieren sich rund 172 000 Personen, darunter sind rund 2150 Berufsfeuerwehrleute. Dazu kommen noch 6220 Männer und Frauen in Werkfeuerwehren. Zu den Freiwilligen zählen auch die Mitglieder der Jugendfeuerwehren – ihre Zahl ist seit 2010 um rund 2900 auf 30 085 gestiegen – darunter mehr als 5000 Mädchen.

Aus Sicht von Landesfeuerwehrpräsident Knödler sind mehr Mittel notwendig, um den Nachwuchs zu schulen und neue Herausforderungen zu meistern. An der Landesfeuerwehrschule gebe es monatelange Wartezeiten für Lehrgänge, die Schule müsse erweitert werden, fordert er. Minister Strobl will die Situation prüfen.

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