Vergangenen Sommer sind die Wasserproben entnommen worden. Ein Jahr später gibt es eine Lösung Foto: red

Dass die Qualität des Wassers im Feuersee zu wünschen übrig lässt, ist seit längerem bekannt. Nun möchte die Stadtverwaltung dem Problem beikommen – kurioserweise mit einer weiteren Schicht Schlamm.

S-West - Vom Gefühl her habe ich ein Problem damit, dass die Sedimentschicht im See bleibt“, sagt Sibel Yüksel, FDP-Bezirksbeirätin. So wie ihr geht es wahrscheinlich vielen bei der Vorstellung, dass die 28 Zentimeter dicke Schlammschicht auf dem Grund des Feuersees nicht abgetragen, sondern sogar noch mit einem speziellen Schlamm aufgefüllt werden soll – wenn auch nur um maximal fünf Millimeter. Denn diese Sedimentschicht klingt verdächtig nach der Ursache dafür, dass der See trübe aussieht und im Sommer ab und zu stinkt. Die Vorstellung, den Schlamm abzutragen und damit das Problem zu lösen, ist naheliegend. Die Schlamm- oder Sedimentschicht ist jedoch nicht die Hauptursache für den Zustand des Sees.Dies ist das Ergebnis der Untersuchungen, die im vergangenen Jahr durchgeführt worden sind. Mitarbeiter des Zentrallabors des Eigenbetriebs Stadtentwässerung hatten über mehrere Monate Wasserproben entnommen und untersucht.

Das Problem ist der Phosphor, der in der Sedimentschicht lagert und sich immer wieder ablöst. Dadurch enthält der See, der durchschnittlich nur 1,3 Meter tief ist, mehr Nährstoffe, als er braucht, was wiederum die Algenbildung begünstigt und das Wasser trübt. Das zweite Problem ist die zu geringe Frischwasserzufuhr. Dadurch ist der Wasseraustausch nicht ausreichend. Dieser ist nötig, um den freigesetzten Sedimentphosphor auszuspülen. Die Ergebnisse der Wasseruntersuchung des Feuersees hat der Gutachter Klaus-Jürgen Boos vom Büro für Gewässerkunde und Landschaftsökologie gemeinsam mit Jürgen Mutz vom Tiefbauamt vor einigen Wochen den Bezirksbeiräten präsentiert – und die gemeinsam gewählte Lösung gleich mit.

Der See wird immer gepflegt werden müssen

Das Entschlammen des Sees, erläutert Boos, wäre grundsätzlich eine Option. Allerdings sei dieses Vorhaben mit knapp 388 000 Euro sehr teuer, und außerdem baulich schwer umzusetzen. „Die Sohleabdichtung des Sees ist alt, und sie könnte beschädigt werden“, sagt Boos. Das möchten die Verantwortlichen nicht riskieren, würde es doch bedeuten, dass dann Wasser versickert.

Das Tonmaterial Bentophos, eine Art Schlamm, hingegen sei günstiger und effektiv. Es wird in einer Millimeter dünnen Schicht zu dem Sediment gegeben und verändert dieses so, dass es keinen Phosphor mehr freisetzt. „Der Organismus des Sees kann mit dieser Art von Schlamm umgehen“, sagt Boos. „Er ist nicht giftig.“ Die Kosten für die Behandlung mit Bentophos kosten etwa 50 000 Euro. Die Wirkung soll laut dem Gutachter zwischen zehn und 15 Jahren anhalten. „Es ist klar, dass es für den See immer einen Pflegeaufwand geben wird“, so Boos. „Aber wir hoffen, dass sich der See durch die erhöhte Wasserzufuhr reguliert.“

Kosten von 300 000 Euro veranschlagt

Die höhere Zufuhr von Frischwasser ist der zweite Punkt, der unbedingt geregelt werden muss – ganz gleich, welchen Lösungsansatz man wählen würde. Der Grund dafür ist die Leitung, die alt und undicht ist. Sie verläuft vom Hochwasserbehälter Wannen gegenüber dem Stadtbad Heslach unter dem Schwabtunnel hindurch und dann im Zickzack unterirdisch durch den Westen bis zum See. Vom Hochwasserbehälter aus sind es durchschnittlich zwei Liter, die pro Sekunde durch die Leitung rauschen. In den Feuersee tröpfeln aber nur 0,45 Liter pro Sekunde. „Wir erneuern nicht die ganze Leitung, werden sie aber sanieren“, sagt Jürgen Mutz. Die Verwaltung veranschlagt die Kosten mit rund 300 000 Euro.

Insgesamt stehen für die Maßnahme 500 000 Euro zur Verfügung. Das Geld ist bereitgestellt. Der dritte Teil der Lösung soll dann eine Bewirtschaftung mit Fischen sein. Der Fischereiverein nutzt den See seit Jahren als Aufzuchtstätte. Die Fische sind ebenfalls nicht ursächlich für die schlechte Wasserqualität, wirbeln aber das Sediment zusätzlich auf. „Es kommt auch darauf an, welche Sorte von Fischen es sind, und dass es kontrolliert wird“, sagt Mutz. Künftig wolle man vor allem Hechte aussetzen. Im Spätherbst soll der Feuersee abgefischt und nach der Behandlung mit dem Schlamm Bentophos 2014 wieder bestückt werden.

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