Im Juli stehen Jethro Tull, Nena und Chris de Burgh auch ohne den entlassenen Veranstaltungschef Nils Strassburg in Leonberg auf der Bühne. Doch für die Zukunft des Leonpalooza-Festivals bedarf es neuer Strukturen. Eine Analyse.
Der plötzliche und für die meisten unerwartete Abgang des Leonberger Veranstaltungsmanagers Nils Strassburg hat in der ganzen Region für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Steht doch sein Name für zwei Marken: erstens Elvis und zweitens Leonpalooza.
Nils Strassburg ist ein begnadeter Interpret des legendären King of Rock’n’Roll. Selbst Leute, die mit der Musik von Elvis Presley nicht so viel anfangen können, sind begeistert von der Inbrunst, mit der Strassburg sein Idol auf der Bühne wiederauferstehen lässt. Eine Performance der Güteklasse!
Coronagerechtes Festival im Kleinformat
Seine aktive Rolle im Showgeschäft hat dem Elvis-Interpreten wichtige Kontakte beschert. Verbindungen, die ihm besonders viel brachten, als er vor knapp drei Jahren in Leonberg anheuerte, um nicht nur die darbende Stadthalle mit neuem Leben zu erfüllen, sondern das komplette städtische Veranstaltungsangebot aufzumischen.
Corona bereitete zwar den kühnen Plänen ein jähes Ende, dennoch gelang Strassburg in dieser Zeit ein, man kann es so nennen, Geniestreich. Gemeinsam mit zwei, drei anderen Kreativen kreierte er ein coronagerechtes Festival im Kleinformat: Maximal 200 Gäste, viel Abstand, hohe künstlerische Qualität lautete die Erfolgsformel.
Schweigen über die Trennungsgründe
Aus Leonpalooza, dessen amerikanisches Vorbild für künstlerische Vielfalt steht, wurde ein Selbstläufer mit immer prominenteren Stars. Für diesen Juli sind unter anderem Jethro Tull, Nena und Chris de Burgh engagiert. Doch derjenige, der die Topacts gebucht hat, ist nicht mehr da. Die Stadt hat ihm gekündigt, über die Gründe schweigen sich beide Seiten aus.
Dass der Künstler Strassburg mit dem engen Korsett einer öffentlichen Verwaltung kaum zurecht kommt, war absehbar. Der Oberbürgermeister selbst hatte den Gegenentwurf eines Beamten angeheuert. Martin Georg Cohn wollte und will, dass in seinem Rathaus die Uhren in vielerlei Hinsicht anders gehen. Dass dieser Kurs nicht risikofrei ist, zeigt sich jetzt in deutlicher Weise.
Zumal Strassburg jedes Jahr beim Festival neue Maßstäbe setzen wollte: schneller, höher, weiter. Das kostet Zeit und Energie. Vor allem, wenn man parallel immer wieder als Elvis auf der Bühne steht. Der profane Alltag des Hallengeschäfts mit Tagungen, Vorträgen und Firmenevents kann da schnell in den Hintergrund geraten.
Trotzdem ist es schwer zu glauben, dass der Hallenmanager nur wegen seiner Elvis-Aktivitäten gehen musste; zumal er vom OB offenbar die Zusage hatte, seine künstlerischen Ambitionen zumindest teilweise ausleben zu können. Über die wahren Gründe aber, warum das Tischtuch zwischen den beiden, die einst so eng zusammenstanden, zerschnitten ist, kann nur spekuliert werden.
Schlagkräftige Truppe muss schalten und walten können
Für die Fans zählt allein das Festival. Leonpalooza wird stattfinden, verspricht der OB. Eine Taskforce um Nadja Reichert soll die Scherben kitten, die vorher zertrümmert wurden. Der kampferprobten Citymanagerin und ihren Mitstreitern ist das zuzutrauen.
Das aktuelle Festival zu organisieren, ist das eine. Für die Zukunft indes müssen grundsätzliche Überlegungen angestellt werden.
Die moderne Vermarktung einer Stadt – dazu gehören Kultur, Veranstaltungen, Handel und Gastronomie gleichermaßen - kann nur funktionieren, wenn eine schlagkräftige Truppe losgelöst von starren Verwaltungsfesseln schalten und walten kann. Das geht am besten in einer ausgelagerten Gesellschaft. Dafür braucht es gar nicht den Blick ins große Stuttgart. Auch kleinere Städte zeigen, dass es geht.