Auflagen verteuern das geplante Festival Draufsicht auf der Karlshöhe. Der Bezirksbeirat Süd springt mit zusätzlichen Mitteln ein.
Feiern auf der Karlshöhe – das ist im Sommer bei vielen Jugendlichen angesagt. Vor allem nach den Abiturprüfungen und Notenvergaben versammeln sich hier abends oft Hunderte junger Menschen. Nicht immer ging das in der Vergangenheit friedlich aus, von den hinterlassenen Müllbergen ganz abgesehen.
„Die Karlshöhe ist durch solche Ereignisse problembehaftet geworden“, sagt Tomma Profke von Team Tomorrow. Mit dem Festival Draufsicht, das vom 14. bis 16. Juli auf der Karlshöhe und in der Silberburganlage stattfinden soll, will der gemeinnützige Verein aus Stuttgart-Süd in Kooperation mit dem Projekt UrbanS des Internationalen Bund Süd (IB) nun unter anderem zeigen, dass an diesem Ort Jugendliche auch „in geregelten Bahnen“ feiern können. „Wir wollen die Karlshöhe positiv beleben“, betont Profke.
700 Teilnehmer sind angemeldet
Der Clou: Das Jugendbeteiligungsfest, zu dem 700 Teilnehmer angemeldet sind, soll möglichst selbstständig von jungen Leuten organisiert werden. „Es geht darum, dass Jugendliche anderen jungen Menschen Kulturangebote, Mitmachmöglichkeiten und Zugänge zur Stadtpolitik aufzeigen“, erklärt die Vorsitzende von Team Tomorrow. Profke ist eine der professionellen Helfer, die die Jugendlichen bei ihrer Arbeit unterstützen. Auf dem Programm des dreitägigen Fests stehen neben Livemusik auf zwei Bühnen Kunst- und Sportangebote, politische Diskussionen und Workshops im Park.
Das Bundesfamilienministerium fördert derartige Beteiligungsformate mit dem Programm „Zukunftspaket“. Im Falle des Festivals Draufsicht mit stattlichen 89 000 Euro. „Wir wollen Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, eigene Ideen zu entwickeln, um sie bei sich vor Ort auch umsetzen zu können“, betonte kürzlich Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne).
Nicht alle bürokratischen Hürden sind überwunden
Eine Lektion, die die beteiligten Stuttgarter Jugendlichen dabei ausgiebig erlernen, lautet: mit bürokratische Hürden umgehen. „Wir haben bis heute noch nicht das endgültige Go“, sagt Tomma Profke weniger als zwei Wochen vor dem Festivalstart. „Im April wollte das zuständige Garten-, Friedhofs- und Forstamt seine Zustimmung wegen der vielen Schlaglöcher, zu schmalen Wegen und dem topografischen Gefälle im Park zunächst gar nicht erteilen“, erzählt der zuständige Projektkoordinator beim IB Süd, Manuel Aßner. Den Durchbruch brachte erst eine Änderung der Festivalfläche.
Zwar erfolgte daraufhin Anfang Juni die Nutzungsüberlassung. Doch die bürokratischen Hürden waren damit noch längst nicht übersprungen. Im Gegenteil: Inzwischen ist klar, dass beispielsweise die denkmalgeschützten Mauern und der Brunnen in der Parkanlage während des Festivals genauso geschützt werden müssen wie die Grünanlage selbst. Den Machern des Fests schwante bald, dass das anfangs üppig erscheinende Budget knapp werden könnte.
„Allein die Bodenplatten zum Schutz des Untergrunds kosten 6000 Euro“, erklärt Profke. Hinzu kämen beispielsweise unvorhergesehene Ausgaben für die Verschalung der Brunnen und für folienbezogene Zäune, die die denkmalgeschützten Mauern vor Graffitisprayern schützen sollen. Zudem schlage nun auch die verstärkte Security zu Buche. Dass der Schutz der historischen Mauern und des Brunnens, der im Übrigen seit Jahren auf seine Sanierung wartet, im normalen Parkbetrieb kaum eine Rolle spielt, führte nicht nur bei den beteiligten Jugendlichen zu Kopfschütteln.
Vorgeschriebene Zäune können Biotope gefährden
Angesichts der auflagengetriebenen Kostenexplosion sah sich der Veranstalter Ende Juni gezwungen, beim Bezirksbeirat Süd um zusätzliche Mittel in Höhe von 5500 Euro zu bitten. Ob aktuell alle Auflagen erfüllt werden können, ist wenige Tage vor Festivalstart immer noch offen. „Inzwischen hat sich auch das Amt für Umweltschutz eingeschaltet“, berichtet Profke. Wie sich herausstellte, sind die Mauern zugleich auch Trockenmauerbiotope. Die zu ihrem Schutz eigentlich vorgesehenen folienbespannten Zäune könnten, so erklärt Profke, wiederum die Biotope gefährden.
Angesichts der bürokratischen Hindernisse spricht Aßner von einem „Fehler im System“, zumal auch das Beantragen der Bundesmittel zu kompliziert für die Jugendlichen war. „Da ist nirgendwo jemand, der einem die Hand reicht und sagt: Mega, ihr macht etwas für junge Menschen“, ärgert sich der Projektkoordinator. Aßner und Profke betonen, dass sie den Ämtern, die ihre Vorgaben hätten, keinen Vorwurf machen. „Man fühlt sich aber wie in Absurdistan. Wären die Jugendlichen auf sich gestellt, wären sie längst raus“, ist sich Aßner sicher.
Indes erklärt die Stuttgarter Stadtverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung, dass das Veranstalterteam „die positive Zusammenarbeit und den kooperativen Austausch mit dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt“ stets betont habe. Es seien durch Auflagen keine unvorhergesehenen baulichen Maßnahmen entstanden.