Einstimmig hat der Leonberger Gemeinderat das Leonpalooza für das kommende Jahr gekippt. Einigkeit besteht: Finanziell kann die Stadt die Veranstaltung in der aktuellen Form nicht mehr stemmen.
Wer in den vergangenen Jahren bei einem Besuch des Leonpalooza-Festivals die Ohren gespitzt hat, stellte wahrscheinlich schnell fest: Nicht nur Leonberger haben sich hier Tickets gekauft, sondern auch reichlich andere Gäste, die dafür extra angereist sind. Für Künstler wie Bob Geldof, Chris de Burgh– und nicht zuletzt Nena, die das Konzertgelände gleich zweimal bis auf den letzten Platz füllte – kamen die Menschen auch gerne mal von weiter her. Jetzt steht fest: Ein Besuchermagnet für die Stadt am Engelberg wird das Leonpalooza zumindest im kommenden Jahr nicht mehr sein.
Beraten hatte darüber der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung. Dass die Absage des Festivals eine Entscheidung ist, die der Rat größtenteils einhellig mittrug, zeigt sich bei Rückfrage unserer Zeitung allemal. „Ganz klar“ zufrieden sei man mit dem Ausgang, bestätigt etwa SPD-Fraktionsvorsitzender Ottmar Pfitzenmaier.
Stadthallensanierung und gestiegene Kosten
Als großes Argument für die Absage nennt die Stadt die nötige Sanierung der Stadthalle, deutlich wird aber auch, dass die hohen Kosten zur Entscheidung beigetragen haben. Als das Festival während der Coronapandemie ins Leben gerufen wurde, gab es für das Format noch Förderungen, 2023 hatte das Leonpalooza aber ein erhebliches Minus gemacht. Zwar kann nach Angaben der Stadt das Gesamtdefizit für das Leonpalooza 2023 noch nicht abschließend genannt werden, weil Auswertung und Aufarbeitung noch andauern, jedoch wird mit einem Defizit zwischen rund 250 000 und 290 000 Euro gerechnet. „Das Verhältnis zwischen den Kosten und dem, was man bekommt, hat nicht mehr gestimmt“, so Grünen-Fraktionsvorsitzender Bernd Murschel. „Die Stadt kann das nicht mehr finanzieren.“ Insbesondere dann, sagt er, wenn dafür Kleinkunst oder andere Kultur zu kurz kommt.
Denn: Wo bei mancher Veranstaltung alle Karten ausverkauft waren, sah es an anderen Tagen eher mau aus. Mit dem Marketing hatte man 2022 verspätet angefangen und das Weihnachtsgeschäft verpasst. Früher dran wäre man auch für ein Leonpalooza 2024 nicht – mit diesen Planungen hätte man schon anfangen müssen. Nachdem sich die Stadt im April in Unfrieden vom Ex-Stadthallenmanager Nils Strassburg getrennt hatte, der das Leonpalooza 2020 mit ins Leben rief, sprang aus der Not ein Team aus Rathausmitarbeitern in die Organisation ein. Der damals noch neue Kulturamtsleiter Florian Streib „wurde ins kalte Wasser geworfen“, so Axel Röckle, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. „Da ist auch viel anderes liegengeblieben.“ Hinzu kamen gestiegene Kosten – denn auch die Veranstaltungsbranche ächzt unter Personalmangel und Inflation.
Inflation und Corona schlagen in der Veranstaltungsbranche um sich
Gestiegen sind in erster Linie die Produktionskosten, erklärt Musikmanager Michael Menges, der bei der Organisation des Leonpalooza in diesem Jahr dabei war. „Durch Corona hat sich vieles nachhaltig verändert.“ Den Technikfirmen sei während der Pandemie das Personal abgewandert, wer übrig sei, wolle angesichts gestiegener Lebenserhaltungskosten mehr Gehalt. Gleichzeitig sorgt die Inflation auch bei Sponsoren für knappe Kassen. Und Künstler verlangen höhere Gagen, weil auch bei ihnen die Kosten gestiegen sind. Nena, so nennt Menges als Beispiel, war in diesem Jahr mit zwei Nightlinern in Leonberg. Und die würden inzwischen das Doppelte kosten. „Das ist ein großer Rattenschwanz“, so Menges. Ein Festival dieser Größe zu organisieren sei nicht aussichtslos – vor zehn Jahren aber noch leichter umsetzbar gewesen. Ohne ehrenamtliches Engagement und den Einsatz der Verwaltungsmitarbeiter ist das Leonpalooza 2023 nicht möglich gewesen, sagt er lobend.
Wann findet das Leonpalooza wieder statt?
Wenn das Leonpalooza nun also im kommenden Jahr nicht stattfindet – dann wenigstens im darauffolgenden? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht, sie hängt auch von der anstehenden Stadthallensanierung ab. Die Halle wurde in der Vergangenheit als Ausweichmöglichkeit genutzt, wenn das Wetter ein Konzert auf dem Bürgerplatz unmöglich gemacht hat. Ein Festival neben einer Baustelle? „Das halte ich für schwierig“, sagt Pfitzenmaier. Die Planung für das Leonpalooza 2025 müsste idealerweise schon im kommenden Sommer starten. Wie weit man dann mit einer Sanierung ist, kann keiner sagen, so Axel Röckle.
Immerhin, so der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, hat man nun Zeit zu überlegen, was man mit dem Festival in Zukunft machen will. Es gehe dann um „vernünftige Sachentscheidungen“. Ein allgemeines „Nein“ zum Festival sei die Leonpalooza-Absage für das kommende Jahr nicht. „Es ist nicht die Absicht des Rats, das Festival endgültig zu begraben“, so Röckle. Veränderung, das wünscht man sich in der Stadt – ein neuer Stadthallenmanager, dessen Stelle bald ausgeschrieben werden soll, wird sich dann auch Gedanken um das zukünftige Leonpalooza-Konzept machen, heißt es seitens der Stadtverwaltung. „Es muss etwas gravierend anders werden“, formuliert es Ottmar Pfitzenmaier.
Michael Menges wünscht sich, dass es weitergeht: „Ich fände es schön, wenn man das Leonpalooza 2025 wieder auf die Beine stellt“, sagt er. Für die Stadt und auch weit darüber hinaus sei das Festival zu einem „Leuchtfeuer der Kultur“ geworden.