Das Goldgelb-Festival in Aichwald startet nach der Coronazwangspause in seine zehnte Auflage. Am Eröffnungstag bleibt der ganz große Besucherstrom zwar noch aus. Doch am Wochenende locken zahlreiche Bands auf das Sonnenblumenfeld bei Krummhardt.
Es ist schon fast dunkel, als der Schriftzug „Goldgelb“ auf dem Krummhardter Wasserturm über einem Meer von Sonnenblumen erstrahlt. Ein dreijähriger Junge tanzt kurz nach 21 Uhr vergnügt vor der Bühne. Seine Mutter, die seinen einjährigen Bruder in einer Trage am Bauch trägt, sieht ihm lächelnd zu und feiert mit. „Ich tanze unglaublich gerne und deswegen freut es mich auch so, hier sein zu können“, sagt die 35-jährige Elaine Wollmann. Sie besucht zum zweiten Mal das Goldgelb und genießt den Abend sichtlich. „Das Fest hat für mich eine besondere Bedeutung, weil ich vor ein paar Jahren die Sonnenblumen des Goldgelbs als Blumenschmuck auf meiner Hochzeit hatte.“
Von der Bühne in den Ho-Chi-Minh-Pfad
Aber noch mal auf Anfang: Am Donnerstag startete die zehnte Auflage des Goldgelb-Festivals in Aichwald-Krummhardt. Veranstalter ist der Kulturverein Krummhardt. Gegen 18.30 Uhr füllt sich das Festivalgelände spürbar. Die Band Guacáyo aus Hamburg spielt bereits und heißt die Besucher mit karibischen Reggae-Klängen willkommen. Zwei Mutige wagen es bereits, der Einladung der Sängerin zu folgen, und beginnen zu tanzen. Die meisten Neuankömmlinge halten sich noch etwas verkrampft am ersten Getränk fest – erst mal ankommen und sich akklimatisieren.
Corona ist noch ein Thema. Man hört in Gesprächsfetzen, dass es für viele Besucher das erste größere Konzert ist, auf das sie seit Beginn der Pandemie gehen. „Alle mal tief einatmen und den ganzen Stress mit einem lauten Seufzer rauslassen – das braucht der Körper“, rät die Sängerin Sophie Filip zwischen zwei Liedern.
Diejenigen, denen die Musik zu laut ist, biegen vor dem großen Festplatz links ab. Schon ändert sich die Stimmung des Festivals. Die Band wird zur Hintergrundmusik für angeregte Unterhaltungen unter dem gelben Sonnenschutz des Rondells der Weinlaube. Entlang aller Wege sind zahllose Sitzgelegenheiten in Form von Heuballen aufgebaut. Wem das noch nicht privat genug ist, den lockt ein leuchtender Pfeiler in den „Ho-Chi-Minh-Pfad“ – so nennt Rolf Doll, der Vorstandsvorsitzende des Kulturvereins, ein gewundenes, enges Wegchen. Es führt durch den Blumen-Dschungel zu einer kleineren Lounge, blickdicht umschlossen von der Aushängeblume der Veranstaltung.
Hier trifft sich das jüngere Publikum fernab der Blicke der Eltern und Älteren. Darunter eine Gruppe Männer Anfang 20 aus Baltmannsweiler, die am letzten Abend vor ihrem gemeinsamen Kroatienurlaub zusammen ausgehen. Ihnen sei noch etwas zu wenig los, aber das liege wohl am Wochentag. „Wenn wir 2500 Karten verkaufen, dann ist das für einen Tag unter der Woche und wegen der schlechten Wetterprognose gut“, meint Doll am Donnerstag zu den Besucherzahlen. Letztlich seien nur ungefähr 1500 Besucher gekommen, sagt Anita Geyer, Vorstandsmitglied des Kulturvereins und Pressesprecherin des Festivals. Aber sie sei guter Dinge, da die Veranstaltung ja noch bis Montag weitergehe.
Weniger Besucher als erhofft
Verlässt man das Separee, erwartet einen im Kinderbereich eine erbitterte Heuschlacht zwischen einigen Kindern und ihren Eltern. Ein Vater versucht verzweifelt und erfolglos, mit seiner Hand seinen Bierkrug abzudecken. „Eigentlich hätte der Kinderbereich woanders sein sollen, aber hier sind die Sonnenblumen nicht so toll gewachsen“, sagt Doll. Er habe in diesem Jahr nicht damit gerechnet, dass die Blumen so schön werden. „Wobei sie inzwischen durch die anhaltende Hitze unten etwas welk werden.“ Das Dekorationsteam habe aber ganze Arbeit geleistet, das zu kaschieren.
Dies scheinen auch die Besucher zu würdigen. Immer wieder bleiben sie stehen und fotografieren sich mit den zahlreichen Strohpuppen, die überall auf dem Areal aufgestellt sind. Alles wirkt durchgeplant und professionell. Umso erstaunlicher, dass das Goldgelb von über 800 Ehrenamtlichen unter der Leitung vom Kulturverein Krummhardt organisiert wird. „Über 2500 Stunden Arbeit und Herzblut haben die Freiwilligen in zwei Monaten in den Aufbau investiert“, sagt Anita Geyer. Und diese Liebe zum Detail sieht man: Selbst der Gang zur Toilette wird zur spannenden Entdeckungsreise durch das mit T-Shirts geschmückte Blütenmeer. Die funktionierenden Waschbecken bei den Urinalen stoßen bei den jüngeren Festivalgängern auf positive Verwunderung. „Wow, auf dem Southside habe ich mir selten die Hände gewaschen“, sagt ein junger Mann mit langen Haaren lachend zu seinem Kumpel. Es ist eben kein typisches Festival, bei dem der Profit im Vordergrund steht. „Die Leute arbeiten gerne hier und sind stolz darauf, ein Teil des Ganzen zu sein“, sagt Geyer.
Rock zum Mitsingen
Bei der zweiten Band des Abends kommt Rock-Feeling auf. Inzwischen ist die Stimmung deutlich ausgelassener, erste Besucher torkeln Arm in Arm zur Bühne. Sie folgen dem Ruf der Cover-Band Claudia Cane, die mit bekannten Rocksongs aus den 80ern auf die Tanzfläche lockt.
Das letzte Lied des Abends, der 80er-Jahre Kult-Hit „The Best“ von Tina Turner, versinnbildlicht, was das Goldgelb zu etwas Besonderem macht: Es ist ein Fest der Generationen. Ältere Semester singen lauthals mit und schwelgen in nostalgischen Erinnerungen an ihre Jugend. Daneben tanzen die Jüngeren. Wahrscheinlich werden sie sich wiederum in einigen Jahren, wenn Tina Turner ihren Dauerbrenner im Radio schmettert, an diesen lauen Sommerabend in Aichwald zurückerinnern, als sie mit ihren Freunden hier zwischen den Sonnenblumen feierten.
Der Festivalablauf
Veranstaltungstage
Das Festival dauert insgesamt fünf Tage und endet am Montag, 22. August. Täglich spielen ab 18 Uhr Bands. Das Kinderprogramm startet am Samstag um 14.30 Uhr, am Sonntag um 14 Uhr und am Montag um 15 Uhr. Am Sonntag kann ab 11 Uhr zudem der Neuwieshof besichtigt werden, der neben dem Festivalgelände liegt. Programm und Line-Up der Bands gibt es im Internet unter www.goldgelb.eu.
Eintritt
Die Tickets kosten zehn Euro. Für Personen unter 16 Jahren ist der Eintritt frei. Sonntag ist Familientag, das bedeutet freien Eintritt bis 18 Uhr. Es sind noch für alle Tage Tickets an der Abendkasse erhältlich.