Erik Pelz mit einem Steppenadler auf dem Arm, der mit einem ­dicken ledernen Falknerhandschuh geschützt ist. Foto: Gottfried Stoppel

Erik und Gunter Pelz von der Stauferfalknerei in Lorch lassen ihr Publikum an der Welt der Greifvögel teilhaben. In der Flugshow kommen die Besucher den eindrucksvollen Tieren sehr nahe und erfahren, was die Vögel ausmacht.

Ein leichter Hauch ist zu spüren. Es fühlt sich an wie ein Luftzug, dann eine sanfte Berührung, bei der man nicht sicher ist, ob es wirklich eine war. Plötzlich sieht man die großen Schwingen. Der Rotrückenbussard fliegt über die Köpfe der Zuschauer und landet auf dem Arm des Falkners.

 

Man ist den Greifvögeln hautnah in der Vogelschau, die Erik und Gunter Pelz auf dem Areal des Klosters Lorch zeigen. Die beiden, Sohn und Vater, sind ein eingespieltes Team. Äußerst kurzweilig bieten die erfahrenen Falkner in der Flugshow einen Einblick in die Lebensweise von Greifvögeln. Wobei schnell deutlich wird, wie unterschiedlich diese ist – je nach Vogelart. Monty, der Rotrückenbussard aus Südamerika, „ein Profi“ in der Flugschau beispielsweise fängt seine Fleischportion spielend im Flug.

Chico, ein Falklandkarakara, dagegen ist ein Aasfresser. Karakaras sind also nicht darauf angewiesen, ihre Beute im Flug zu erlegen. Sie sind viel zu Fuß unterwegs – und so marschiert Chico durch die Bankreihen, schaut sich um und lässt sich dabei offensichtlich nicht aus der Ruhe bringen.

Die jüngsten Besucher dürfen den Vögeln eine kleine Aufgabe abverlangen

Erik Pelz hat dabei immer die Vögel im Blick, geht mit den Tieren auf dem Arm durch die Reihen, wirft sie auch mal in die Luft, ruft sie und lässt sie wieder auf seinem dicken ledernen Falknerhandschuh landen. Wie viel Einsatz und Einfühlungsvermögen nötig ist, bis ein Greifvogel in der Flugschau mitmachen kann, das kann man nur erahnen. „Der Greifvogel kommt nur, wenn er es will. Deshalb muss der Falkner sich ihm anpassen, nicht andersherum“, sagt Gunter Pelz. Und „ein Vogel geht mit dem Falkner eine Kooperation ein“, erklärt er. Es gehe viel um Vertrauen. Gunter Pelz unterhält die Zuschauer mit Informationen, mancher Anekdote und hat auch besonders die jüngsten Besucher im Blick. Sie dürfen am Schluss sogar mitmachen und den Vögeln eine kleine Aufgabe abverlangen.

Erik und Gunter Pelz bieten regelmäßig eine Greifvogelflugschau an, dazu aber auch eine Reihe von Seminaren, Kursen und Workshops, in denen die Teilnehmer noch mehr über die Welt der gefiederten Beutegreifer erfahren können. Wer eine Falknerei auf professionellem Niveau betreiben will, muss erst die staatliche Jagd- und dann eine Falknerprüfung ablegen.

Die Zeit während der Vorführung vor der malerischen Kulisse mit dem weiten Blick auf die Kaiserberge vergeht buchstäblich wie im Flug. Auch der Gebärdendolmetscher Thomas Adam von der evangelischen Gehörlosenseelsorge ist an diesem Nachmittag im Publikum und übersetzt seiner Gruppe, was Gunter Pelz zu den Vögeln erzählt. „Was nicht immer einfach ist, wenn es etwa um das Wort Rotrückenbussard geht“, sagt er und strahlt. Er muss sich immer wieder setzen und kann nur ausnahmsweise kurz im Stehen mit den Händen zu seiner Gruppe sprechen. Denn während der Schau gilt, sitzen bleiben, sonst könnte einer der Vögel womöglich einen neuen Landeplatz entdecken oder in seinem Flug gestört werden.

Der Weißkopfseeadler feiert bald sein Schwabenalter

Wow – manche Besucher halten den Atem an, als Erik Pelz ihnen mit „Alaska“ entgegenkommt. Alleine der Anblick dieses mächtigen Vogels ist eindrucksvoll. Er ist das Nationalsymbol der USA. Das US-Wappentier ist am markanten weißen Kopf und Schwanz, am mächtigen gelben, hakenförmigen Schnabel und den kräftigen gelben Klauen zu erkennen.

Der Weißkopfseeadler, 39 Jahre alt, thront auf dem Arm von Erik Pelz. „Manche haben schon geschätzt, dass er 60 Kilo wiegt“, sagt dann Gunter Pelz und lässt das Publikum raten. Der 7,5 Kilo schwere Vogel sei der älteste Kandidat in ihrer Falknerei. Sein Schwabenalter im nächsten Jahr müsste unbedingt gefeiert werden.

Die Stauferfalknerei befindet sich beim Kloster Lorch, ist aber ein eigenständiges Unternehmen. Das Kloster Lorch wurde von den Staufern im Jahr 1102 als Familiengrablege gegründet. Es gehört zu den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg und kann besichtigt werden. Auf dem großzügigen Areal finden verschiedene Veranstaltungen wie Führungen für Familien oder zu bestimmten Themen statt. Der historische Staufermarkt lädt beispielsweise am 16. und 17. September mit Marktständen, Gauklern und Co. ein.

Dass das Wetter mitmachen muss bei der Flugshow, das erfahren die Zuschauer eindrucksvoll. So erleben sie, wie stark die Segelflieger unter den Vögeln von der Thermik abhängig sind. Der Königsbussard suche die Thermiksäule manchmal auch über dem Dach des Klosters, da sich dieses schneller erwärme und daher für Aufwinde sorge, berichtet Gunter Pelz. Der Königsbussard könne über 1000 Meter hoch gehen. Man sieht den Vogel in der Weite am Himmel kreisen, bis er wieder zielgenau in sein Gehege fliegt.

Die familiengeführte Stauferfalknerei bietet auch Patenschaften an

Dass starker Regen oder Gewitter die Vogelschau ausbremsen, das kommt manchmal vor. Neulich an einem Samstag hatte Punkt 15 Uhr, genau dann, wenn die Flugschauen starten, starker Regen eingesetzt. Noch warteten die Falkner ab, ob die Gewitterwolken vorbeiziehen – vergeblich. Erik Pelz ließ es sich dann aber nicht nehmen, klitschnass im Dauerregen mit Weißkopfseeadler „Dakota“, der gelassen auf seinem Arm saß, vor das Eingangstor zu treten und den Besuchern ein Wiedersehen bei hoffentlich besseren Bedingungen zu wünschen.

Die familiengeführte Stauferfalknerei Lorch im oberen Remstal gibt es seit fast 20 Jahren. Übrigens bietet die Falknerei auch Patenschaften für einzelne Vögel an. Für den coolen Weißkopfseeadler „Dakota“, der so unaufgeregt im Dauerregen Tschüss gesagt hatte, haben sich laut Homepage der Stauferfalknerei schon Begeisterte gefunden und eine Patenschaft übernommen.

Infos zu Öffnungszeiten und Anreise

Die Stauferfalknerei
Die Greifvogelflugschau findet samstags, sonn- und feiertags, in den Schulferien zusätzlich mittwochs und donnerstags jeweils um 15 Uhr statt. Dauer etwa eine Stunde. Treffpunkt: Klosterstraße 2, 73547 Lorch. Tickets gibt es vor der Flugschau im Klostershop des Klosters Lorch. Weitere Infos unter: www.stauferfalknerei.de.

Das Kloster Lorch Erweiterte Klosteröffnungszeiten gibt es in den Schulferien bis 10. September: dienstags bis sonntags ist von 11 bis 18 Uhr offen, montags ist geschlossen.

Anreise Mit dem Regionalzug zum Bahnhof nach Lorch, dann mit Buslinie 268 zum Kloster oder ein kurzer, steiler Fußweg.