Eines der fünf Ferienhäuser im Tiny-House-Stil, die seit Mai 2023 auf dem Hundweilerhof am Bodensee stehen. Foto: Hundweilerhof

Tiny Houses liegen im Trend. Wer von einem träumt, kann schon mal ein sehr komfortables Minihaus auf Zeit testen – am Bodensee.

Himbeerfelder, so weit das Auge reicht. Sie wachsen hier überall und fast zu jeder Jahreszeit, da die eine von zwei Sorten eine späte ist, die bis weit in den September hinein die süßen roten Beeren trägt. Auch andere Beeren sowie Äpfel und Pflaumen wachsen auf den Feldern, aber die Himbeere dominiert alles. Und doch musste eines dieser Felder weichen. Denn hier stehen nun Häuser statt Himbeeren.

 

Wer nun denkt, dies ist eine Geschichte über Zersiedelung, der irrt. Denn zum einen wurden die Himbeeren nur umgesiedelt, zum anderen wurde auf dem Hundweilerhof bei Markdorf durch diesen Eingriff so gut wie keine Fläche versiegelt: Die Häuser stehen lediglich auf Punktfundamenten. Das vermeidet eine vollflächige Versiegelung und schont die Fauna.

Zum anderen geht es darum, einen Hof, der in vierter Generation betrieben wird, zukunftsfähig zu machen. Und dazu gehören hier Himbeeren – aber eben auch Häuser. Denn diese werden seit Mai vergangenen Jahres an Urlauber vermietet. Die Idee für dieses Projekt hatte Jan-Philipp Braun, Sohn der Hofbetreiber Heidrun Braun-Widemann und Thomas Braun. „Meine Eltern gehen in rund zehn Jahren in die Rente, und ich habe mir überlegt, wie ich den Hof weiterentwickeln kann“, sagt Braun, der BWL studiert hat und in der Schweiz als Financial Business Analyst arbeitet.

Die einmalige Lage das Hofes brachte ihn auf die Idee, Ferienhäuser anzubieten: „Von hier aus sind es nur drei Kilometer zum Bodensee. Meersburg, Hagnau und Immenstaad und der Gehrenberg sind gut erreichbar.“

Doch es sollten nicht irgendwelche Ferienhäuser sein, sondern schicke kleine Wohnobjekte. Viel der Besucher nennen sie Tiny Houses, Braun spricht lieber von „Ferienhäusern im Tiny-House-Stil“, denn für tatsächliche Tiny Houses sind die Häuser fast schon zu groß: Auf fast 60 Quadratmetern bietet jedes Haus Platz für bis zu vier Personen. Dennoch wird durch die geringe Größe der Häuser der ökologischen Fußabdruck pro Gast klein gehalten.

Über Solaranlagen wird viel der Energie für Strom und Wärme selbst erzeugt

Generell achtete Braun auf Nachhaltigkeit, ihm war es zudem wichtig, dass „die Häuser in die Natur reinpassen“: Durch die Verwendung von Holz sowohl in der Außenverkleidung als auch im Interieur sind die Häuser langlebig. Rund um die Häuser ist ein Begrünungskonzept entstanden, welches sich natürlich in die Umgebung eingliedert. Über die hofeigenen Solaranlagen wird der größte Teil der Energie für Strom und Wärme selbst erzeugt.

Bis es soweit war, dass die Häuser standen und vermietet werden konnten, war es allerdings ein weiter Weg. Zwar stand das Baugesetz dem Vorhaben nicht entgegen, da der Paragraf 35 regelt, dass Bauen im Außenbereich erlaubt ist, „wenn das Vorhaben in einem räumlich-funktionalen Zusammenhang mit dem Betrieb steht“. Dafür haben politische Überlegungen, eine nahe gelegene Bundesstraße zu verlegen, sowie die Coronapandemie das Projekt zeitlich immer wieder zurückgeworfen.

Doch dann ging es letztlich relativ schnell: Die fünf Häuser sind Fertighäuser der Firma Letniskowo aus Polen, die auf den jeweiligen Bedarf hin konfiguriert werden können. „Sie wurden am Stück ausgeliefert“, sagt Braun. Die sogenannte Hofheimat stand endlich – inklusive eines Fahrradraums, einer Grillstelle für alle Gäste und einer kleinen Sauna. Die Inneneinrichtung hat Brauns Partnerin Isabelle Walliser übernommen, die viel Wert auf Details und hochwertige Qualität gelegt hat.

Das kommt offensichtlich gut an. Im vergangenen Jahr waren die fünf Häuser fast durchgehend ausgebucht. Braun zufolge kommen fast alle Altersklassen: „Da ist von dreißig bis sechzig alles dabei. Es gibt allerdings eine Ausnahme: „Familien hatten wir noch nicht viele hier“, sagt Braun. Das liegt am Konzept: „Wir haben hier keinen Spielplatz gebaut, weil wir den Fokus auf Ruhe und die Landschaft legen wollten“, sagt Braun. Willkommen seien Familien mit Kindern aber trotzdem, man könne schließlich auch ein Babybett hinzubuchen. Generell koste aber die dritte und vierte Person im Haus extra, nur Kinder bis zwei Jahren sind kostenfrei.

Ein Bett im ehemaligen Himbeerfeld

Brauns Ziel ist es nun, die Hofheimat über die kommenden zwei bis drei Jahre stabil ins Laufen zu bringen, besonders ist es ihm ein Anliegen, dass künftig auch die Monate März und Oktober besser angenommen werden: „Der Oktober ist mit der Apfelernte eigentlich der schönste Monat am Bodensee.“ Himbeeren gibt es dann leider nicht mehr, aber dafür Himbeermarmelade, -gelee, -sirup, -likör und -essig aus familieneigener Herstellung im Hofladen. Und natürlich ein Bett im ehemaligen Himbeerfeld.