Nachdem eine verzweifelte Mutter aus Fellbach ihre Wohnungssuche öffentlich gemacht hat, kann sie nun doch noch in ein neues Zuhause ziehen. Eine Sache freut sie dabei besonders.
So ziemlich in letzter Sekunde hat Sara T. die rettende Nachricht im Posteingang gehabt – ein Wohnungsangebot im Sportpark des TSV Schmiden. Zum 1. September musste die Frau aus Fellbach, die ihren richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, aus ihrer jetzigen Wohnung raus. Dort hatte sie mit zwei kurzen Unterbrechungen insgesamt zwölf Jahre gewohnt. Doch nun standen Renovierungsarbeiten an und der Mietvertrag endete.
Sie hat mehr als 100 Anfragen geschrieben, um eine Wohnung zu finden
Seit vergangenem Jahr wusste die alleinstehende Mutter, die in der Wohnung mit ihren zwei und sechs Jahre alten Jungs wohnte, dass sie aus ihrem Zuhause rausmuss. „Seitdem habe ich bestimmt 100 Anfragen geschrieben und versucht, einen Besichtigungstermin für eine neue Wohnung zu bekommen. Wir hatten sogar eine Zeit lang einen Makler engagiert“, erzählt sie. Doch bisher war keiner der Versuche von Erfolg gekrönt.
Die junge Frau macht ihre Not öffentlich – mit Erfolg
Doch nachdem die junge Frau beschlossen hatte, ihre Not öffentlich zu machen, um so vielleicht ein neues Zuhause für sich und ihre Kinder zu finden, gingen gleich mehrere Angebote ein – darunter auch das vom TSV Schmiden. „Eine Kollegin hat von Sara T. und ihrer verzweifelten Suche gelesen und mich darauf aufmerksam gemacht. Da wir eine Wohnung hatten, die just zum 1. September frei wurde, war für uns sofort klar, dass wir helfen wollen“, sagt der Geschäftsführer des TSV Schmiden, Andreas Perazzo. Absprachen und Besichtigungen folgten und Sara T. konnte endlich durchatmen und erleichtert die Umzugskartons für Schmiden packen.
„Die neue Bleibe ist nur vier Kilometer von der alten entfernt. Ich kenne also die Gegend gut. Die Wohnung hat mir sofort gefallen, und es ist sogar eine Küche drin“, sagt Sara T., die sich auch darüber freut, dass die 90-Quadratmeter-Wohnung über vier Zimmer, also auch über zwei separate Kinderzimmer verfügt. „Das hätte ich mir nie träumen lassen, und es wäre ja auch nicht so wichtig gewesen. Aber meine Jungs sind überglücklich, dass sie jetzt beide ihr eigenes Reich im neuen Zuhause haben.“
Ab dem 15. September läuft der neue Mietvertrag, und die 25-Jährige mit den italienischen Wurzeln ist schon aufgeregt, wie es werden wird, die erste Nacht im neuen Zuhause zu schlafen. „Es war alles so ungewiss, und die Aussichten waren schrecklich. Jetzt habe ich ganz andere Gedanken, und ich kann neu durchstarten und diese Chance mit meinen Kindern nutzen.“ Zuletzt war die zweifache Mutter nur noch verzweifelt. Ihre Familie konnte ihr nicht helfen, die Zeit rannte Sara T. davon, und sie hatte das Gefühl, jedem werde geholfen, nur ihr nicht. „Ich werde von der Stadt und den Behörden komplett im Stich gelassen“, sagte sie. Auf Nachfrage sagte Johannes Berner: „Sie ist bei Weitem nicht die Einzige, die in einer Notlage ist.“ Zu den Dezernaten des Ersten Bürgermeisters der Stadt Fellbach gehört auch das Amt für öffentliche Ordnung, das für Einweisungen bei drohender Obdachlosigkeit zuständig ist und mit dem Fall von Sara T. betraut war.
Die Fellbacherin hat einen Verdacht, woran die vielen Absagen liegen könnten
Die Fellbacherin hatte einen Verdacht, woran die vielen Absagen liegen könnten. Sie ist noch in Elternzeit, und deshalb zahlt momentan das Arbeitsamt ihre Miete. „Und dann bin ich noch alleinstehend mit zwei kleinen Kindern. Die Mischung schreckt wahrscheinlich jeden ab.“ Die Verantwortlichen des TSV Schmiden habe es aber nicht abgeschreckt. Dort habe sie gleich ein gutes Gefühl gehabt. „Die waren bei der Besichtigung sehr kinderlieb und hatten Verständnis für meine Situation.“
Jetzt will die 25-Jährige mit ihren Kindern im neuen Zuhause erst mal zur Ruhe kommen, ein bisschen renovieren und sich nach und nach gemütlich einrichten. „Der erste Schritt ist gelungen. Als Nächstes kümmere ich mich um eine Ausbildung“, sagt die zweifache Mama.