Stelldichein beim Fellbacher Herbst der Delegationen aus den Partnerstädten: Bei der Vergabe der Europasternschnuppen spielt das Jubiläum mit Tournon eine Rolle.
Freundschaften entstehen und leben vom Miteinander, vom Austausch. Fellbach pflegt dies schon seit vielen Jahrzehnten auch in seinen Städtepartnerschaften. Die erste Städtepartnerschaft entstand mit dem französischen Tain l’Hermitage im Jahr 1964. Der Fellbacher Herbst wird von der Stadt jedes Jahr zum Anlass genommen, Delegationen aus den fünf Partnerstädten - Tain l’Hermitage und Tournon-sur-Rhône in Frankreich, Erba in Italien, Pécs in Ungarn und Meißen in Sachsen – einzuladen und aus den beiden Städten Suhareke im Kosovo und Cariati im süditalienischen Kalabrien, zu denen enge freundschaftliche Verbindungen gepflegt werden, zu begrüßen.
Zwei besondere Momente
Dieses Jahr gab es zwei besondere Momente im Rahmen dieser Völkerfreundschaften. Am Freitag traf sich die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull im Centro Italiano mit ihrem Kollegen Cataldo Minò aus Cariati. Er ist seit Mai 2023 Bürgermeister der rund 10 000-Seelen-Gemeinde und ist zum ersten Mal in Fellbach, begleitet von einer zehnköpfigen Delegation des Gemeinderats und der Verwaltung. Die erste Begegnung mit Gabriele Zull war geprägt von viel Sympathie und dem Versprechen, die Freundschaft zwischen den beiden Städten weiter zu festigen. In Fellbach leben über 1000 Italiener, deren Familien ursprünglich aus Cariati stammen. Eine weitere, sechste Städtepartnerschaft strebe Fellbach mit Cariati jedoch nicht an, sagte Zull.
Francesco Santoro, rühriger Vorsitzender des Centro Italiano, stammt aus Cariati und engagiert sich in Fellbach sehr für seine Landleute und die Beziehungen zu seiner Heimat in Süditalien. Erstmals hat am Samstag eine Folkloregruppe aus Cariati am Umzug durch die Straßen Fellbachs teilgenommen. Keine Mühe war ihnen zu viel, nahezu einen Tag hat die Busfahrt von Süditalien nach Fellbach gedauert.
Auch Irmgard Beyerbach und Valina Faure saßen schon oft über viele Stunden im Bus, um den Weg von Tournon nach Fellbach und umgekehrt zurückzulegen. Sie haben die Partnerschaft zwischen den zwei Städten befruchtet, unterstützt und immer mit viel Herzblut begleitet. Dafür hat Fellbachs OB die beiden Frauen am Sonntag mit der Europasternschnuppe geehrt und ihnen für ihren Einsatz – die Verschwisterung mit Tournon wurde vor 50 Jahren besiegelt – gedankt. Für Irmgard Beyerbach sei es immer ein „besonderes Anliegen gewesen, Kinder und Jugendliche einzubeziehen und ihnen die Bedeutung von Städtepartnerschaften nahezubringen.“ Die jetzt Geehrte fuhr bereits als Mädchen mit der Turnabteilung des TSV Schmiden zu Wettkämpfen nach Frankreich, sie verbrachte ein Jahr in Paris, engagierte sich als Lehrerin für den Schüleraustausch zwischen Fellbach und den französischen Partnerstädten und ist seit 1990 im Städtepartnerschaftsverein Fellbach aktiv. Den Kinderkochkurs „Kochen wie in den Partnerstädten“ hat Irmgard Beyerbach mit initiiert.
Großes soziales Engagement
Valina Faure aus Tournon erhält die Europasternschnuppe, die Fellbach seit 2004 für Verdienste um die Städtepartnerschaften und Völkerverständigung verleiht, für ihr „großes soziales Engagements“. Seit 2014 sitzt sie im Gemeinderat von Tournon, seit 2020 ist sie als Stadträtin zuständig für Kultur, Tourismus und Städtepartnerschaften.