Der Fellbacher Herbst zieht Tausende in die Stadt unter dem Kappelberg. Was konnten die Besucher alles erleben? Wir zeigen die schönsten Momente.
Das Riesenrad dreht sich bei blauem Himmel im Park der Schwabenlandhalle. Spätsommerliches Wetter begleitet das Erntedank- und Weinfest, das mehrere Tausend Besucher alljährlich anzieht. Der Fellbacher Herbst ist offensichtlich eine Marke, die zieht. Am Samstagmittag war kaum ein Durchkommen auf dem Festgelände, es wurde gefeiert, man traf sich, genoss die Bandbreite an Essen und Trinken und den schönen Oktobertag.
Immer wieder gibt es Beifall aus dem Publikum für den bunten Festumzug
Viele Zuschauer strömten auch zum Festumzug, der durch die Innenstadt zog. Mehr als 50 Fußgruppen und Festwagen waren aufgefordert, das Motto des 74. Fellbacher Herbsts „In Fellbach bleibt Wein- und Obstbau bestehen, auf dass es die Bürokraten in Brüssel verstehen“ kreativ umzusetzen. Das Motto zielt auf die EU-Politik für den Weinbau ab. Rigide Verbote zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könnten die Existenz der Winzer bedrohen, so die Sorge, die nicht nur am Kappelberg herrscht. Mit ihren Fahrrädern, die mit großen Luftballon-Trauben dekoriert waren und einem Anhänger, auf dem mit Aktenordner und „Klappokrat“ symbolisch die Bürokratie in Brüssel auf die Schippe genommen wurde, griffen die Klappradradfreunde Schmiden das Motto auf. Sie holten sich auch einen Preis bei der Jury, die die kreativen Beiträge auszeichnet.
Es gibt akrobatische Kostproben mit Flickflack auf dem bloßen Asphalt
Immer wieder gab es Beifall aus den Reihen der vielen Zuschauer, die die Straßen säumten. Teilnehmer zeigten akrobatische Kostproben wie Räder und Flickflack auf dem bloßen Asphalt oder Taekwondo-Sportler das perfekte Zerschlagen eines Brettes. Für ausgelassene Stimmung sorgten Tanzeinlagen, Musik und farbenreiche Kostüme.
„Wo Glaube lebt, geht Gottes Sonne auf, da sind alle – auch Bürokraten besser drauf“ – so variierte der CVJM das Motto. Die Sonne in Form eines großen goldenen Balls prangte auf dem Festwagen – dazu ein zwischen Paragrafen sitzender Schreibtischmensch. Der Festwagen holte sich ebenso einen Preis. Dass es nicht ganz so einfach war, das Herbstmotto umzusetzen, das nahm die Wichernschule humorvoll auf die Schippe. „Früher war vieles besser, auch das Motto“, hieß es da – inklusive eines Rückblicks auf die bisherigen Slogans für den Fellbacher Herbst. Gabriele Zull zeigte in ihrer Ansprache vor der Schwabenlandhalle die möglichen Folgen der geplanten EU-Richtlinie auf. „Wird die Verordnung so umgesetzt, wie im ersten Vorschlag formuliert, würden wir auf einen Schlag unseren Weinbau verlieren, und die Obst- und Gemüseanbauflächen würden deutlich reduziert“, so die OB. Aus diesem Grund würden Wengerter, Bürgermeister, Landrat und Landtagsabgeordnete seit Wochen Alarm schlagen. „Und scheinen langsam auch Gehör in der Landesregierung sowie bei den EU-Parlamentariern zu finden“, sagte Zull und führte fort: „Unser Einsatz für den Wein- und Obstbau hier in der Region, in Baden-Württemberg und in Deutschland muss weitergehen.“ Zudem ging sie auf das drängende Thema des Klimawandels und die damit verbundenen Extremwetterlagen ein. „Erntedank heute – er hat meines Erachtens eine ganz neue Relevanz bekommen“, machte sie deutlich.
Auch auf die Rolle der Städtepartnerschaften ging die OB ein – im Festzug hatte sie in einem Renault Caravelle mit Tournons Bürgermeister Frederic Sausset Platz genommen anlässlich der 50 Jahre bestehenden Städtepartnerschaft. Auch andere Besucher kamen teils von weit her eigens angereist. „Immer wieder trifft sich eine Gruppe von ehemaligen Fellbachern aus verschiedenen Ländern bei uns, um den Fellbacher Herbst zu besuchen“, sagt Draginja Wegener-Nestorovic vom Hotel Eintracht. Auch Besucher aus Ungarn seien derzeit zu Gast.
Beim verkaufsoffenen Sonntag feiern einige Geschäfte beeindruckende Jubiläen
Zum Herbst gehört der verkaufsoffene Sonntag als wichtiger Magnet. Die Bummelmeile war erstmals verkürzt – erst ab der Maicklerstraße wurde die Bahnhofstraße zur autofreien Zone. Die Besucher konnten den stationären Handel erleben, viele Aktionen und Präsentationen zeigten das breite Leistungsspektrum, das der Branchenmix in Fellbach bietet. Doch leider gibt es auch Verluste – Leftis Trend Shop startete den Abverkauf wegen Geschäftsschließung, und die Tretkurbel, ein langjähriges Fachgeschäft für Fahrräder, hatte bereits Ende September geschlossen. Doch es wurden auch Jubiläen gefeiert. Das Haushalts- und Porzellangeschäft Zerweck besteht seit 125 Jahren, Zeljko Vukmirovic feierte das zehnjährige Bestehen seines Modegeschäftes V-Store und die K+M Confiserie ihr 100-Jahr-Jubiläum.