Nach der Panne mit dem zu knapp kalkulierten Speisenangebot bei der Großen Weinprobe der Fellbacher Weingärtner weist der Gastro-Unternehmer Jörg Rauschenberger die Verantwortung weit von sich – und hat offenbar recht.
Für den kulinarischen Notstand bei der Großen Weinprobe sieht sich der Fellbacher Catering-König Jörg Rauschenberger nicht verantwortlich. Er spricht nach der peinlichen Panne bei der Bewirtschaftung der Schwabenlandhalle von einem Fehler der Fellbacher Weingärtner – und weist jede Schuld am viel zu knapp kalkulierten Speisenangebot weit von sich. „Wenn 230 Besucher mehr kommen, als eingeplant sind, ist doch klar, dass die Küche ins Schleudern kommt. Aber ich stehe jetzt da wie ein Trottel, der nicht rechnen kann“, ärgert sich der Gastro-Unternehmer.
Tatsächlich hatten essenstechnische Engpässe beim Publikum der Großen Weinprobe gewisse Zweifel an der kulinarischen Kompetenz geweckt. Obwohl beim inoffiziellen Auftakt zum Traditionsfest Fellbacher Herbst ohnehin nur kalte Speisen gereicht wurden, waren der Wurstsalat und die Kalbfleischküchle bereits ausverkauft, bevor Moderatorin Petra Klein in der Schwabenlandhalle zum ersten Mal zum Mikrofon gegriffen hatte. Die Käseauswahl war vergriffen, als die Landjugend den ersten Probeschluck vom Riesling ausgeschenkt hatte, bei Chardonnay und Kerner war bei der imageträchtigen Großveranstaltung nur noch ein im Weckglas servierter Salat mit Mozzarella und Tomate zu haben.
Lücken in der Speisekarte sorgen für Gesprächsstoff
„Danke, dass Sie trotzdem so nett zu mir sind“, sagte eine leidgeprüfte Servicekraft, die sich im Hölderlinsaal mit massiven Beschwerden konfrontiert sah. Der Wein jedenfalls geriet fast schon zur Nebensache, für Gesprächsstoff sorgten die Lücken in der Speisekarte. Und: Wie viel Hohn und Spott der für die Bewirtschaftung der Schwabenlandhalle zuständige Cateringbetrieb erntete, zeigt schon der Umstand, dass Besucher teilweise zur Selbsthilfe griffen – und kurzerhand zu einem nahen Supermarkt radelten, um ihre Tischnachbarn wenigstens mit Käsewürfeln zu beglücken. Gewitzelt wurde auch, dass der Lieferdienst vom Pizzaservice in der Schwabenlandhalle an diesem Abend gute Geschäfte gemacht hätte.
Kurz: Dass es trotz reichlich vorhandener Erfahrungswerte derart beim Essen haperte, wurde über den Fellbacher Herbst zum Stadtgespräch. In Abrede stellt der Catering-König Jörg Rauschenberger auch gar nicht, dass es bei der Großen Weinprobe statt einer reich gedeckten Tafel allenfalls spärlich bemessene Portionen gab. Doch die Schuld am küchentechnischen Fiasko sieht der Gastro-Unternehmer, am Tag danach telefonisch nicht für eine Stellungnahme erreichbar, keineswegs bei sich und seiner Firma.
„Bestellt war ein Speisenangebot für 600 Personen, das habe ich auch schriftlich. Aber wenn im Hölderlinsaal gut 230 Menschen mehr sitzen, geht das Essen aus. So einfach ist das“, sagt Jörg Rauschenberger. Er spricht von einer fehlerhaften Kommunikation beim Veranstalter, den Fellbacher Weingärtnern. Sein Team jedenfalls habe sich bei der Vorplanung des Events keinesfalls verkalkuliert.
Für die These vom Absprachefehler spricht, dass die lokale Genossenschaft noch wenige Tage vor der Veranstaltung mit einer Mitteilung auf freie Plätze hingewiesen hat. Die Werbung für die restlichen Tickets hatte tatsächlich Erfolg, auf den letzten Drücker sorgten offenbar viele kurzentschlossene Weinfreunde noch für ausverkauftes Haus.
Eine Kommunikationspanne soll schuld gewesen sein
Die Nachricht vom nachträglichen Run auf freie Plätze allerdings kam offenbar bei den Catering-Planern nicht mehr an. Florian Gruner, bei den Fellbacher Weingärtnern als Finanz-Geschäftsführer tätig, spricht auf Nachfrage von einer „inzwischen geklärten Kommunikationspanne“. Zumindest im kommenden Jahr müsste es demnach besser klappen mit dem Weinproben-Catering. Den Ende 2024 auslaufenden Pachtvertrag mit der Schwabenlandhalle hat Jörg Rauschenberger bekanntlich nicht verlängert, im Juli schloss mit dem Rückzug von Küchenchef Philipp Kovacs sein in dem Veranstaltungszentrum beheimatetes Zwei-Sterne-Lokal. Einen Nachfolger hat die Fellbacher Event-Tochter Feel bisher nicht präsentiert.