Andere Kommunen im Rems-Murr-Kreis haben bereits einen Stadtjäger, in der Stadt am Fuße des Kappelbergs wird jetzt mit gleich vier Profis nachgezogen. Gibt es hier demnach besonders großen Bedarf?
Immer wieder diese invasiven Arten. Sie sind Rei’gschmeckte, wurden eingeschleppt, sind eine Plage, zerstören das hiesige Ökogefüge, machen einheimischen Tieren das Leben schwer oder zerstören gar deren Lebensgrundlagen. Überall, offenbarten auch diverse Zeitungsartikel in den vergangenen Wochen: In Kolumbien forciert man gar den „Kampf gegen Flusspferde“. Und am Grund des Schwäbischen Meers breitet sich die Quaggamuschel wie ein Krebsgeschwür aus: „Die Invasion am Bodensee ist nicht zu stoppen.“
Invasive Arten im Konflikt mit Menschen
Im Rems-Murr-Kreis sind es hingegen eher Waschbären. „Der Waschbär als größter Problembär“ lautete eine lokale Schlagzeile. Speziell in Fellbach waren es auf der Liegewiese des F3-Freibads und im Park vor der Schwabenlandhalle die Nilgänse, die Unruhe schürten und Konflikte mit den Menschen verursachten. Dem damaligen F3-Geschäftsführer, der den Vögeln im Wortsinn an den Kragen gegangen sein soll, kostete dieser „Gänsekrimi“ den Job.
Welche Kalamitäten die Waschbären bereiten können, war bei einer Fachveranstaltung in Plüderhausen erkennbar, als ein Betroffener, auf dessen Grundstück sich gleich 18 Waschbären tummelten, aufseufzte: „Es ist wirklich eine Katastrophe.“ Etliche Kommunen im Landkreis haben deshalb in den vergangenen Monaten Stadtjäger eingestellt, in Plüderhausen und Kernen sowie in Schorndorf und Weinstadt ein Duo.
Wildtiere verbreiten sich auch im Stadtgebiet
Jetzt hat auch Fellbach nachgezogen, und zwar gleich mit einem Stadtjäger-Quartett. Auslöser hierfür war ein Antrag, den die SPD-Fraktion im September 2022 gestellt hatte. Fraktionschef Andreas Möhlmann hob seinerzeit darauf ab, „dass sich auch in der Region Stuttgart zunehmend zugewanderte Wildtiere nicht nur im Wald, sondern auch im Stadtgebiet verbreiten – dies trifft in Fellbach unter anderem auf den Waschbären zu“. Eine Einschätzung, die von der für diesen Bereich zuständigen Baubürgermeisterin Beatrice Soltys geteilt wird. Demnach ist auch in Fellbach „die Waschbärenpopulation drastisch angestiegen“.
Mehrere entsprechend geschulte Experten haben einen Ausbildungslehrgang zum Stadtjäger absolviert und so vertiefte Erkenntnisse etwa über die „Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung und Konfliktpotenziale durch Wildtiere“ erhalten sowie „Möglichkeiten und Grenzen der Vergrämung und Bejagung einschließlich Fang und Erlegung“ ausgelotet.
Den Verwaltungsvorschlägen folgte der Gemeinderat einstimmig, sodass diese vier ausgebildeten Stadtjäger für Fellbach berufen wurden: Jürgen Friedel aus Stuttgart, Klaus Pretzler aus Weinstadt, Frank Beutelspacher aus Ditzingen und Volker Schwörer aus Fellbach. Der ehemalige Polizeibeamte Schwörer ist überdies in dieser Funktion auch in Weinstadt und Kernen tätig.
Vier Stadtjäger mit unterschiedlichen Qualifikationen
Das Quartett sei, so die Erläuterung von Rathaussprecherin Sabine Laartz auf Nachfrage, kein Indiz, dass es in Fellbach etwa besonders viele Fälle gebe und die Situation deutlich schlimmer sei als andernorts. Vielmehr bekämen die Bürger eine größere Auswahl, welchen Stadtjäger mit besonderer Qualifikation und Erfahrung sie für ihr spezielles Problem benötigten.
Inwieweit einer der Stadtjäger die Nilganspopulation auf dem Guntram-Palm-Platz reduzieren kann, hängt mit der Entwicklung in den kommenden Monaten zusammen. Zurzeit haben sich diese afrotropischen Vögel jedenfalls, so die Beobachtungen dortiger Winter-Spaziergänger, zurückgezogen. Das dürfte im Frühjahr wieder anders aussehen. „Mission impossible“ für die vier Stadtjäger? Oder doch Auftrag erfolgreich umgesetzt? Die Antwort gibt es spätestens im nächsten Sommer.