Die Kleidung wurde in Deutschland und im europäischen Ausland produziert. Foto: Käfer

Das Fellbacher Bauhofteam hat eine neue Arbeitskleidung, die fair produziert wurde. Bei der Vorstellung wurden auch die unwürdigen Arbeitsbedingungen in der Textilbranche angeprangert.

Fellbach - Die Idee kam mit der Einführung neuer einheitlicher T-Shirts für die Mitarbeiter des Fellbacher Bauhofs. Warum kann deren Arbeitskleidung eigentlich nicht in größerem Umfang aus nachgewiesen fairer Produktion stammen? In Fellbach zumindest ist das künftig der Fall, auf das T-Shirt folgten ein orangefarbener Pullover mit Reflektorstreifen, neue Arbeitshosen und -jacken sowie Winterjacken. Die Kleidung stellten vier Mitarbeiter der Bauhof-Leiterin Silke Wohlfarth am Donnerstag im Rahmen der zweiten Fellbacher Weltwochen an ihrem Arbeitsplatz vor. „Sie wurde ausschließlich in Deutschland und im europäischen Ausland produziert“, sagte Silke Wohlfahrt zu den rund 25 Gästen, darunter auch der Kreisrat Christian Hinrichsen (Die Linke) und der Stadtrat Michael Vonau (Die Grünen).

Kleinbauern werden gestärkt

Damit wurde einmal mehr deutlich, dass sich fair gehandelte Waren nicht auf die bekannten Fairtrade-Bananen beschränken. Immerhin profitieren weltweit etwa sechs Millionen Menschen von dem alternativen Handelssystem. Fair gehandelte Waren, wie sie in Fellbach beispielsweise im Weltladen erhältlich sind, stehen nicht nur für faire Preise, sonder auch etwa für umweltschonende Produktionsmethoden und die Stärkung von Kleinbauern.

Dass es gerade in der Bekleidungsindustrie noch massive Missstände gibt, berichtete Kinga Rudersdorf-Gyökössy von der Kampagne für Saubere Kleidung. Zu diesem Netzwerk haben sich bundesweit 22 Trägerorganisationen zusammen gefunden, darunter gewerkschaftliche und kirchliche Gruppen.

Versteckte Kamera in Textilfabriken

Rund 40 Textilfabriken hat die Ungarin in den vergangenen Jahren besucht und auch mit versteckter Kamera Aufnahmen gemacht: „Man muss schon einfallsreich sein, um hinter die Kulissen zu blicken.“ Die Eindrücke hat sie aufgrund ihrer Sprachkenntnisse vor allem in osteuropäischen Fabriken gesammelt, durch Kolleginnen weiß die 73-Jährige aber auch über die Zustände in asiatischen Fabriken Bescheid. Temperaturen um die 40 Grad Celsius, eine hohe Belastung durch Staubpartikel, Chemikalien sowie enormer Krach sind dort nach wie vor zu finden. „Wenn 200 bis 300 gewerbliche Nähmaschinen rattern, dann herrscht ein unerträglicher Lärm“, sagte Kinga Rudersdorf-Gyökössy. Hinzu kommen überlange Arbeitszeiten, wie die Referentin am Beispiel einer chinesischen Fabrik verdeutlichte. Dort summieren sich die zur regulären Arbeitszeit kommenden Überstunden auf durchschnittlich 42 pro Woche. Rigide Vorgaben herrschen mitunter auch während der Arbeitszeit. So berichtete Kinga Rudersdorf-Gyökössy etwa von viel zu wenig Toiletten. Dies habe zur Folge, dass die Näherinnen kaum trinken und oft an Nierenkrankheiten leiden.

Während die Endersbacherin einen Boykott nicht für sinnvoll hält, empfiehlt sie Verbrauchern, überlegt einzukaufen. Sie plädiert dafür, Gütesiegel zu beachten, langlebige Waren zu bevorzugen und in Weltläden einzukaufen.

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