Vor allem die Bands aus aller Welt lockten viele Besucher an den Marienplatz. Foto: Nina Ayerle

Essen, Trinken und Musik: Das Marienplatzfest bietet vier Tage ein umfangreiches Programm. Lange Zeit stand das Fest auf der Kippe. Im vergangenen Jahr gab es zahlreiche Beschwerden hinsichtlich der Lautstärke. Der Bezirksbeirat blieb deshalb lange skeptisch.

S-Süd - Sommer, Sonnenschein und laue Temperaturen bis spät in den Abend, tausende Menschen, die fröhlich und friedlich bis Mitternacht zusammen im Freien feiern und entspannter Musik lauschen. Ein bisschen mediterranes Flair herrschte in den vergangenen vier Tagen im Stuttgarter Süden. Während es am Nachmittag jeweils gemütlich zuging, war abends auf dem Marienplatz ein Durchkommen kaum mehr möglich. Menschen jeden Alters und jeder Nationalität tummelten sich beim Marienplatzfest 2014.

Bereits der Auftakt am vergangenen Donnerstag war ein Erfolg. Am späten Nachmittag lockte bereits die Band „Mister and Mississippi“ aus den Niederlanden die Massen an. Mitveranstalter Reiner Bocka war begeistert: „Es ist Donnerstagnachmittag, und es sind so viele Menschen hier.“

Die Fußball-WM ist keine Konkurrenz für das Fest

Auch das Spiel der deutschen Nationalmannschaft am frühen Freitagabend machte dem Fest nicht viel Konkurrenz. „Es war trotzdem um sechs schon viel los“, sagte Bocka. Zudem habe parallel zum Spiel mit „I am in Love“ eine der besten Bands gespielt, sagte Bocka. Nach dem Sieg des deutschen Teams feierten Hunderte von Mesut Özils, Podolskis und Philipp Lahms den Einzug ins Halbfinale auf dem Marienplatz, entlang der Tübinger Straße und in den umliegenden Cafés und Kneipen.

Vor drei Jahren startete eine mehrköpfige Gruppe um Galao-Chef Reiner Bocka und Tobias Reisenhofer das Projekt Marienplatzfest. Auch um der einstigen Betonwüste wenigstens einmal im Jahr für ein paar Tage Leben einzuhauchen. Damals fanden sich nur wenige Menschen auf dem Marienplatz ein. Inzwischen ist das Marienplatzfest eine feste Institution innerhalb der zahlreichen Stuttgarter Stadtteilfeste geworden und weit über den Stuttgarter Süden hinaus bekannt.

Im kulinarischen Bereich sind längst auch die umliegenden Restaurants und Cafés mit im Boot wie das Arigato, das Madagaskar oder der Poffers-Stand. „Ich finde es klasse, dass es jetzt so ein Fest gibt“, sagt Corinna Möbius, die im Poffers-Wagen ihrer Schwester aushilft. Von Beginn an seien „Die Poffers“ bei dem Fest dabei. „Das belebt den Platz sehr“, sagte Möbius. Vor allem die Bands und das bunt gemischte Publikum gefallen der 23-jährigen Stuttgarterin. Auch Bocka ist mit der Musikauswahl zufrieden. Im vergangenen Jahr habe er die ruhigeren Bands auf das Ende gelegt, das habe er nun umgedreht. „Die Musiker abends gehen jetzt viel mehr ins Blut“, sagt der Mitveranstalter.

Ruhigere Klänge und Silent Disco ab 22 Uhr

Wichtig war den Veranstaltern auf ruhigere Klänge zu setzen. Im vergangenen Jahr stand das viertägige Stadtteilfest wegen der extremen Lautstärke in der Kritik. Lange stand auf der Kippe, ob die Veranstalter in diesem Jahr erneut auf den Marienplatz dürfen. Vor allem der Bezirksbeirat Süd blieb skeptisch. Um der Dauerbeschallung vorzusorgen, wählten die Veranstalter ruhigere Bands, legten immer wieder Pausen ein, und von 22 Uhr an gab es Kopfhörer für die Besucher, die auch noch bis Mitternacht Musik hören wollten.

Mit Kopfhörer Musik hören

Wer an den Marienplatz zieht, muss meiner Meinung nach wissen,

Laura Schumacher (20) Foto: nay
worauf er sich einlässt. Wen der Lärm solcher Feste stört, der sollte dann eher außerhalb wohnen. Die Idee mit den Kopfhörern wie bei einer Silent Disco, die es von 22 Uhr an gab, finde ich aber eine gute Kompromisslösung für alle.

Besonderes Stadtteilfest

Das Marienplatzfest ist jedes Jahr so schön und entspannt. Ich finde

Kai Ottenbacher (37) Foto: nay
es sehr schade, wenn andere Anwohner das nicht tolerieren können. Vier Tage im Jahr kann es auch mal etwas lauter sein. Das Konzept des Festes ist wirklich gut und hebt sich auch von den anderen Stadtteilfesten Stuttgarts ab.

Bezirksbeirat sollte sich mehr für Feste einsetzen

Ich finde das Fest richtig klasse. Ich habe auch wirklich noch nie ein Fest gesehen, bei dem währenddessen schon so auf Sauberkeit

Rainer Sommer (59) Foto: nay
geachtet wird. Die Lautstärke finde ich akzeptabel, das Heusteigfest war wesentlich lauter. Der Bezirksbeirat sollte sich viel mehr für solche Feste im Stadtteil einsetzen.

Keine Betonwüste mehr

Mich hat dieser leere Platz, diese Betonwüste früher am Marienplatz

Gina Sommer (55) Foto: nay
sehr gestört. Ich finde es schön, dass hier nun mehr Leben ist. Das Fest zieht alle Altersklassen an, Heslach wird dadurch richtig aufgewertet. Schade ist, dass endlich mal was los ist, und nun ist es vielen auch wieder nicht recht.

Chilliges und cooles Fest

Ich wohne am Erwin-Schoettle-Platz und bekomme von dem Fest und

Dennis Dogan (27) Foto: nay
der Lautstärke nichts mit. Aber die Feste dort finde ich auch mehr eine Bereicherung. Einmal im Jahr ist das völlig okay, man muss auch die anderen Menschen leben lassen. Für junge Leute ist das cool und total chillig hier.
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