In Ludwigsburg sind sieben Stellen beim Vollzugs- und Ordnungsdienst unbesetzt. Wegen der Coronapandemie sind zusätzlich Aufgaben hinzugekommen, anderes bleibt hingegen auf der Strecke.
Ludwigsburg - Kostenlos parken in Ludwigsburg, das war einmal. Wer es zurzeit darauf anlegt und kein Ticket zieht, obwohl es geboten wäre, kommt aber womöglich ungeschoren davon. Dass bei der Rückkehr zum Fahrzeug nicht unbedingt ein Knöllchen hinter dem Scheibenwischer klemmt, hat einen Grund: die Stadt kommt beim Ahnden der Parkverstöße nicht immer hinterher. Denn es mangelt am Personal.
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Die Verwaltung versichert zwar, parkende Autos würden weiterhin kontrolliert. Dass dies bei sieben freien Stellen in den Bereichen, die dafür zuständig sind, allerdings schwierig wird, liegt auf der Hand. Der Städtische Vollzugsdienst (SVD) kümmert sich in Ludwigsburg hauptsächlich um den Verkehr, der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) um Sauberkeit und Sicherheit im Alltag. Es gibt aber auch Überschneidungen, Corona hat die Aufgaben noch stärker verzahnt.
Corona fordert den Ordnungsdienst
Seit Beginn der Pandemie sind die Mitarbeiter auch damit beschäftigt sicherzustellen, dass die deshalb erlassenen Regeln eingehalten werden. Dazu gehören neben Kontrollen auf der Straße, in Gaststätten und im Einzelhandel auch Besuche bei Menschen, die sich in Quarantäne befinden.
Zu Beginn der Pandemie hatte die Behörde auf Schwerpunktkontrollen gesetzt, inzwischen wird regelmäßiger kontrolliert. Und darunter leiden andere Aufgaben. „Ich habe das Personal ja nur einmal“, versucht Heinz Mayer, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, das Dilemma zu umschreiben. Allerdings möchte er nicht, dass man die Kontrollen der Coronaregeln und die parkender Autos gegeneinander aufrechnet. Beides sei wichtig, zurzeit habe die Bekämpfung der Pandemie aber oberste Priorität. Bürgermeister Sebastian Mannl hatte deshalb unlängst mehr Unterstützung für die städtischen Mitarbeiter durch die Polizei gefordert.
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Selbst wenn die Pandemie irgendwann vorbei ist, ist der Vollzugs- und Ordnungsdienst – Stand jetzt – dennoch unterbesetzt. Langfristig sind sogar noch mehr Mitarbeiter nötig. Für die Parkraumbewirtschaftung in der Süd- und Weststadt, die im vergangenen Jahr eingeführt wurde, war ein Bedarf von acht zusätzlichen Stellen berechnet und bewilligt worden – die fehlenden vier Stellen sollen bald ausgeschrieben werden. Dass sie schnell besetzt werden, ist allerdings mehr als fraglich.
Weniger geeignete Bewerber und eine lange Ausbildung
„Wir merken schon, dass das Personalangebot schlechter wird“, sagt Mayer, „früher haben wir uns leichter getan.“ Dass sich Personen, die wegen Corona ihren Job verloren haben auf einen sichereren Arbeitsplatz bewerben – wozu der öffentliche Dienst zweifelsfrei zählt –, diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Mitarbeiter aus anderen Kommunen abzuwerben, scheitert teils daran, dass die Dienstpläne in kleinen Gemeinden attraktiver sind – und das Aufgabenspektrum in Ludwigsburg wesentlich größer.
Bei Wind und Wetter, an Wochenenden und im Schichtdienst zu arbeiten, auch das macht den Beruf für Quereinsteiger nicht unbedingt attraktiv. Und: mehr und mehr Menschen nehmen es persönlich, wenn sie auf der Straße von den Uniformierten angesprochen werden. Gute Nerven sind da nötig.
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Einen weiteren Stein bei der Neubesetzung der offenen Stellen legt sich die Stadt gewissermaßen selbst in den Weg. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des SVD und KOD müssen an einem Lehrgang der Verwaltungsschule in Karlsruhe teilnehmen, der eineinhalb Jahre dauert. An dieser Praxis wird auch nicht gerüttelt. „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Mayer. Für ihn ist die Ausbildung „ein großes Plus“, das die Stellen eigentlich attraktiver mache. Die solide Ausbildung sei auch deshalb wichtig, weil das Tätigkeitsfeld sich längst nicht mehr nur darauf beschränke, zu kontrollieren, ob ein Parkschein abgelaufen ist.
Der Stadt entgeht Geld
Dass diese Kontrollen bares Geld bedeuten, das hatten zuletzt die Grünen vorgerechnet. Demnach gehen der Stadt in diesem Jahr 235 000 Euro durch die Lappen, wenn sie es nicht schafft, die offenen Stellen nachzubesetzen. Die Einnahmen seien bereits zurückgegangen, so Mayer. Allerdings würden die Bußgelder nicht erhoben, um die städtische Kasse zu füllen, sondern um die Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten.