Für Hoeneß gibt es nach dem Bellarabi-Foul kein Halten. Foto: Getty Images/Bongarts

Sportlich läuft es für die Bayern. Drei Spiele, drei Siege – die Tabellenführung längst wieder übernommen. Und dennoch sorgen zwei Verletzungen für Sorgenfalten bei den Verantwortlichen. Und Bayern-Präsident Uli Hoeneß gibt verbal Vollgas.

München - Uli Hoeneß hatte etwas zu sagen. Das passiert nicht so häufig nach Spielen des FC Bayern. Meistens schreitet der Präsident mit einem Gruß vorbei an Kameras und Mikrofonen. Aber am Samstag blieb er plötzlich stehen. Natürlich ging es ihm nicht um den 3:1-Sieg der Münchner im Bundesliga-Spiel gegen Bayer Leverkusen, vielmehr wollte er das DFB-Sportgericht wissen lassen, welches Strafmaß er für Karim Bellarabi angemessen hält. Der Leverkusener hatte sieben Minuten nach seiner Einwechslung Rafinha von hinten rüde in die Hacken getreten und dafür Rot gesehen. Als „geisteskrank“ bezeichnete Hoeneß das Foul, bei dem sich der Münchner Außenverteidiger eine Innenbandverletzung im Sprunggelenk zuzog. „Das war vorsätzliche Körperverletzung, das gehört drei Monate gesperrt – und zwar für Dummheit“, sagte er. Nicht weniger heftig, aber in der Wortwahl leicht abgeschwächt, reagierte Trainer Niko Kovac. „Das war nicht Rot, das war Doppel-Rot.“ Unterstützung für Bellarabi gab es derweil aus Frankfurt, vom dortigen Sportdirektor Fredi Bobic, der sich an Hoeneß Aussage störte: „Die Wortwahl gehört sich nicht, weil Bellarabi kein Spieler ist, der so hart spielt.“

Zwei Verletzte vor Champions-League-Auftakt

Der Vorfall in der 80. Minute war der größte Aufreger in einem zwar einseitigen Spiel, mit dessen Ende aber beide Mannschaften haderten. Leverkusen, weil die dritte Niederlage den schlechtesten Bundesligastart in der Klubgeschichte bedeutet und die Kritik an Trainer Heiko Herrlich nun noch lauter werden wird. Die Bayern, weil Rafinha nicht der einzige Verlust war vor dem Champions-League-Auftakt am Mittwoch bei Benfica Lissabon. Bereits kurz vor der Pause hatte es Corentin Tolisso erwischt – und sogar noch schlimmer als den brasilianischen Teamkollegen. Der Franzose zog sich seinem Kreuzbandriss zu und wird den Münchnern mehrere Monate fehlen. Allerdings – und da enden die Parallelen mit Rafinha – war der Blessur kein gegnerisches Foul vorausgegangen, sondern Tolisso erlitt sie bei einem von ihm selbst initiierten regelkonformen Zweikampf.

Dennoch wiederholten die Bayern ihren Vorwurf, dass die Gegner nun eine härtere Gangart wählen würden. „Es ist erst der dritte Spieltag und ich habe das Gefühl, dass wir Freiwild sind“, sagte Kovac. „Langsam reicht es mir.“ Beim Auftakt gegen Hoffenheim hatte sich Kingsley Coman nach einem rüden Foul von Jung-Nationalspieler Nico Schulz schwer verletzt. Immerhin gaben die Bayern zu, dass am Samstag Bellarabi die unrühmliche Ausnahme war. „Das Spiel war ansonsten okay, das war normale Bundesliga-Härte, nur die Szene von Bellarabi war komplett unnötig“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Bayer-Coach Herrlich: Attacke war „unglücklich“

Es liegt in der Natur der Sache, dass Bayer eine etwas andere Sichtweise hat. Trainer Herrlich fand die Attacke von Bellarabi lediglich „unglücklich“, hielt aber immerhin den Platzverweis für berechtigt. „Die Rote Karte kann man geben.“ Auf den Ausgang des Spiels hatte sie ohnehin keinen Einfluss mehr. Die Bayern führten zu diesem Zeitpunkt bereits. Leverkusen war zwar früh durch Wendell in Führung gegangen, der einen Handelfmeter verwandelt hatte. Danach verteilten die Rheinländer aber „Geschenke und die auch noch schön verpackt mit einer Schleife“, wie Sven Bender zugab. Vom ersten Präsent profitierte der später so schwer verletzte Tolisso, als er eine Unordnung in der Bayer-Defensive zum schnellen Ausgleich nutzte. Noch vor der Pause drehte Arjen Robben, dessen überragende Leistung angesichts der Verletzungen und Debatten etwas in den Hintergrund rückte, die Partie mit einem sehenswerten Treffer, begünstigt durch eine verkorkste Kopfballabwehr von Jonathan Tah. Leverkusen hatte nun Glück, dass der FC Bayern mit Blick auf die kommenden Englischen Wochen nach der Führung das Tempo drosselte, erst in Überzahl fiel der dritte Treffer von James Rodriguez.

Hoeneß legt gegenüber Leverkusen nochmal nach

Der Titelverteidiger hat sich oben in der Tabelle schon wieder bequem eingerichtet, als einzige Mannschaft mit drei Siegen nach drei Spielen. „Die Mannschaft hat es sehr souverän nach Hause gespielt“, so Hoeneß. Er hätte sich aber gewünscht, „dass die anderen zwischendurch auch mal versuchen, ein Tor zu schießen“, sagte er in Richtung des Gegners. Auch das musste Hoeneß noch loswerden an diesem aufregenden Samstag.

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