Matthias Sammer ist zurückgetreten. Foto: imago

Der zurückgetretene Sportdirektor des FC Bayern München, Matthias Sammer, hat die Mannschaft in den vergangenen Jahren immer rechtzeitig wachgerüttelt. Er hinterlässt deshalb eine große Lücke, kommentiert Thomas Haid.

Stuttgart - Der FC Bayernwäre nicht der FC Bayern, wenn er seinen Kader vor dieser Saison nicht noch einmal verstärkt hätte. So wurden der deutsche Nationalverteidiger Mats Hummels und der portugiesische Europameister Renato Sanches verpflichtet. Dennoch hat der deutsche Rekordmeister jetzt vor der Partie an diesem Mittwoch in der Champions League gegen Eindhoven große Probleme, in Tritt zu kommen. In den vergangenen drei Pflichtspielen (Atlético Madrid, Köln, Frankfurt) blieb die Mannschaft ohne Sieg – eine negative Serie, die in München absoluten Seltenheitswert besitzt. Die Bayern stecken für ihre Verhältnisse also in der Krise.

Dabei war im Sommer neben dem Trainer Pep Guardiola (zu Manchester City), den Carlo Ancelotti ersetzte, nur noch ein weiterer Abgang zu verzeichnen: Der Sportdirektor Matthias Sammer trat nach vier Jahren aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück. Manchmal erkennt man den Wert eines Mitarbeiters erst dann, wenn er nicht mehr da ist – eine Erfahrung, die gerade womöglich auch die Bayern machen.

Mit Spott überschüttet

Mit wie viel Spott wurde Sammer während seiner Zeit in München bisweilen überschüttet – etwa von dem damaligen Dortmunder und heutigen Liverpool-Trainer Jürgen Klopp, der sagte, dass die Bayern ohne Sammer keinen einzigen Punkt weniger hätten. Aktuell haben sie in der Bundesliga nach sieben Spieltagen 17 Zähler und in der Champions League nach zwei Begegnungen drei Zähler auf dem Konto. Zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr waren es 21 beziehungsweise sechs Punkte. Noch Fragen?

Oder anders ausgedrückt: Wie sehr fehlt Sammer? Ein Verdienst des in seiner Außendarstellung gelegentlich etwas spröde wirkenden Sportchefs war es mit Sicherheit, dass er es verstanden hat, die Mannschaft mit öffentlich geäußerter Kritik aufzurütteln – wenn er das Gefühl hatte, dass die Spieler zur Bequemlichkeit neigen und die Dinge aus dem Ruder laufen könnten. Für solche Strömungen innerhalb der Gruppe hatte er immer ein gutes Gespür – im Übrigen auch schon in der Saison 2004/05 als Trainer beim VfB Stuttgart. Damals hatte das Team bis fast ganz zum Schluss die Chance, den Titel zu holen. Am Ende stand dann der fünfte Platz. Sammer musste trotzdem gehen – in der darauf folgenden Runde kam der VfB nur auf Rang neun.

Bayern schwächeln

Nun schwächeln die Bayern. Der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bemängelte nach dem 2:2 am vergangenen Samstag in Frankfurt die Einstellung der Mannschaft und versuchte, seine Profis mit einem Appell in die Pflicht zu nehmen – eine Rolle, die in den Jahren zuvor Sammer ausgefüllt hatte. Wäre er noch auf seinem Posten, hätte er vermutlich früher als Rummenigge erkannt, dass die Entwicklung in die falsche Richtung geht. Zumindest hat es drei sieglose Bayern-Spiele unter seiner Regie so gut wie nicht gegeben. Fest steht deshalb, dass Sammer eine große Lücke hinterlassen hat.

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