FC Bayern München Chefs statt Streihansl

Von Gunter Barner 

Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge (links)  und Dieter Hoeneß. Foto: Getty Images
Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge (links) und Dieter Hoeneß. Foto: Getty Images

„Der Rauswurf von Carlo Ancelotti“, kommentiert StN-Autor Gunter Barner, „löst zwar das Problem mit der Mannschaft, behebt aber nicht das Machtvakuum in der Clubführung des FC Bayern. Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge müssen sich zusammenraufen oder trennen.

Stuttgart - Porca miseria, was für ein Mist! Carlo Ancelotti und der FC Bayern trennen sich. Eine Überraschung ist das nicht. Wenn es stimmt, was die Münchner Spatzen im Sommer vom Dach der Allianz-Arena pfiffen, dann hätte Uli Hoeneß dem Italiener schon vor Saisonbeginn liebend gern „Ciao“ gesagt. Aus im Viertelfinale der Champions League, Niederlage im DFB-Pokalhalbfinale. Der Meistertitel allein war dem Aufsichtsratschef und Vereinspräsidenten entschieden zu wenig. Weil Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge aber unbeirrt an die Qualitäten des von ihm verpflichteten Signore glaubte, ging die Zusammenarbeit in die nächste Spielzeit. Ein Fehler, wie sich zeigte.

Tiefer Graben

Der Branchenprimus stolperte in die neue Saison. Stürmer Thomas Müller beklagte öffentlich seine Rolle als Bank-Angestellter, Torjäger Robert Lewandowski dachte im Interview ungefragt über die Transferpolitik des FC Bayern nach und Franck Ribéry dokumentierte seine Lust auf Ancelottis Spielverständnis damit, dass er vor laufender Kamera sein Trikot ins Eck pfefferte. Angeblich war der Graben zwischen Coach und Mannschaft zuletzt so tief wie die Partnachklamm.

Kalle oder Uli?

Aber der Autoritätsverlust des langmütigen Carlo Ancelotti und sein daraus resultierender Rauswurf sind nur eine Seite der Medaille. Die andere ist: Seit Uli Hoeneß nach seiner Geisterfahrt durch den Steuer-Dschungel in den Verein zurückkehrte, schwelt zwischen ihm und Rummenigge ein Machtkampf, der in der Führung des Clubs ein Vakuum hinterlässt, das wichtige Entscheidungen verzögert oder gar verhindert. Aber die Zeiten im Profifußball sind schwieriger denn je. Ganz gleich, wie der Trainer künftig heißen wird: Der FC Bayern braucht eine Strategie, mit der sich alle identifizieren können. Und Chefs statt Streithansl. Uli und Kalle müssen sich zusammenraufen – oder trennen. Alles andere wird nur zum Steilpass für die Konkurrenz.

gunter.barner@stzn.de

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