Gute Haltungsnoten: Faustball-Spieler Niklas Ehrhardt vom TV Stammheim Foto: Baumann

Niklas Ehrhardt will mit den Faustballern des TV Stammheim zurück in die erste Bundesliga. Auch in Liga zwei träumt er von der Teilnahme bei der WM.

Stuttgart - Zurückblicken und bedauern liegt Niklas Ehrhardt (24) nicht. „Es hat ja keinen Nutzen, wenn ich mir überlege: Was, wenn wir letztes Jahr nicht abgestiegen wären?

Das wäre verschwendete Energie“, sagt der Faustballer vom TV Stammheim. Statt dem verpassten Bundesliga-Klassenverbleib nachzutrauern, schaut der Abwehrspieler lieber nach vorne, das Ziel seiner Mannschaft fest im Blick: zurück in Liga eins. Wie schon 2013, als die Stammheimer den direkten Wiederaufstieg schafften.

Positiv denken – das ist bei Ehrhardt mehr als die optimistische Lebenseinstellung eines Mittzwanzigers. Es ist vor allem eine Art Lehre, die der Sport-, Gemeinschaftskunde- und Wirtschaftsstudent verinnerlicht hat. Durch sein Lehramtsstudium an der Universität Stuttgart ist er mit den Grundlagen der Sportpsychologie vertraut. Er weiß, wie wichtig eine positive Einstellung zum Spiel sein kann.

"Wenn man zu sehr nachdenkt, verliert man die Spielfähigkeit"

Ein Kopfmensch ist er also. Das zeigt sich auch beim Training: Er experimentiert mit seiner Armhaltung, verändert den Winkel zum Körper, um so die Bälle Stück für Stück besser spielen zu können. „Ich mache keine halben Sachen. Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig“, sagt er und fügt hinzu: „Wenn man aber zu sehr nachdenkt, verliert man die Spielfähigkeit als Ganzes.“

Auf die richtige Mischung kommt es an. Und die scheint Erhardt, der Faustball spielt, seit er fünf Jahre alt ist, gefunden zu haben. 2009 wurde er mit der U-18-Nationalmannschaft Weltmeister in Namibia. Vergangenes Jahr gewann er mit dem Herren-Team den EM-Titel.

In Stammheim weiß man Ehrhardts Qualitäten zu schätzen. „Von der Einstellung her ist er ein Topsportler. Er ist voll konzentriert und versucht zu jeder Phase, Topleistung zu bringen“, sagt Trainer Jogi Bork. Dass seine Mitspieler zu ihm hoch schauen, ist für Bork selbstverständlich. „Als Nationalspieler muss er sich das auf die Fahnen schreiben lassen.“

"Super Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern"

Er soll den TV Stammheim zum Aufstieg führen. Dass das gelingen kann, davon ist Ehrhardt überzeugt: „Wir haben eine super Mischung aus jungen Spielern wie Ueli Reißner und Max Gayer und erfahrenen Spielern wie unserem Kapitän Philipp ­Kowalik.“

Neben dem Wiederaufstieg der Stammheimer schielt Niklas Ehrhardt auf die WM in Argentinien. Bei dem Turnier im November möchte er im Kader der Nationalmannschaft stehen. „Die WM steht im Fokus ­meiner Jahresplanung. Was die Uni betrifft, habe ich alles auf die WM abgestimmt“, erzählt er.

Für den TV Stammheim kann das zum Vorteil werden. „Bei unseren Spielen sind Scouts unterwegs. Wenn er bei der WM teilnehmen möchte, muss er jedes Spiel ­Leistung bringen,“ sagt sein Trainer.

Ein Wechsel zu einer anderen Mannschaft, etwa zu einem Erstligisten, kommt für den Studenten, der mit seinem Bruder und Mitspieler Jan in einer WG lebt, derzeit nicht infrage. „Es ist im Faustball nicht unüblich, dass Nationalspieler in der zweiten Liga spielen“, sagt er. Außerdem hat er ja vor, das Unterhaus nach der kommenden Saison wieder zu verlassen. In Richtung erste Liga.

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