Ist schon im WM-Fieber: Faustball-Nationalspieler Michael Marx Foto: DFBL

Der Vaihinger Michael Marx möchte mit der Faustball-Nationalmannschaft in Argentinien Weltmeister werden – und dann seine Karriere beenden.

Stuttgart - Im kollektiven Gedächtnis der Sportnation ist der Name der zweitgrößten Stadt Argentiniens nicht gerade mit Triumph und Jubel verknüpft. In Córdoba erlebte die deutsche Fußball-Nationalelf 1978 als Titelverteidiger ein Debakel – und schied nach einem 2:3 in der WM-Zwischenrunde gegen Österreich aus dem Turnier aus. Noch heute kramen sie in der Alpenrepublik jedes Mal wieder die alten Fernsehbilder vom „Wunder von Córdoba“ heraus, wenn es gegen den großen Nachbarn geht.

37 Jahre später spielt eine deutsche Nationalmannschaft erneut eine WM im Norden Argentiniens. Wieder ist jene deutsche Equipe der Titelverteidiger. Und wieder könnte Österreich einer der großen Widersacher auf dem Weg zum Titel sein. Bei so vielen Parallelen ist es sachdienlich, den augenscheinlichsten Unterschied noch im selben Atemzug zu erwähnen: Dieses Mal geht’s nicht um Fußball, sondern um Faustball.

Mit dabei im deutschen Team, das an diesem Sonntag gegen Gastgeber Argentinien erstmals ins WM-Geschehen eingreift, ist ein Mann aus der Region: Der frühere Stammheimer Michael Marx (31) war schon 2011 einer der Erfolgsgaranten, als die Auswahl der Deutschen Faustball-Liga (DFBL) sich im österreichischen Pasching zum Weltmeister krönte. Vier Jahre später soll das sagenumwobene Córdoba die persönliche Endstation des Faustballers aus Vaihingen/Enz sein – nach knapp 50 Länderspielen, zahlreichen nationalen und internationalen Titeln und 14 Jahren Faustball auf allerhöchstem Niveau wagt Marx einen harten Schnitt.

Auch Faustball-Spitzenkönner sind in der Regel lupenreine Amateure

„Ich möchte nach der WM mindestens ein halbes Jahr gar nichts mehr in Richtung Faustball machen“, sagt der Vaihinger: „Um ehrlich zu sein, will ich es genießen, meine Wochenenden planen zu können, ohne vorher auf den Faustballkalender schauen zu müssen.“ In der Randsportart, in der Marx aktiv ist, sind selbst die absoluten Spitzenspieler in der Regel lupenreine Amateure – und betreiben ihren zeitaufwendigen Sport nur als Hobby neben dem Vollzeitjob: „Während der Saison spielst du jedes Wochenende in der Bundesliga oder auf Turnieren. Und wenn der Spielplan dir einmal ein spielfreies Wochenende gönnt, stehen meistens die Auswahllehrgänge an. Es war eine unglaublich tolle Zeit. Aber irgendwann wird es einem dann doch zu viel.“ Bei seinem Heimatverein, dem TV Vaihingen/Enz, hatte Marx seinen Plan, nach der WM abzutreten, bereits zum Jahresanfang kundgetan. Und als die Feldrunde für seine Vereinskollegen im Juli 2015 nach der verpassten Qualifikation für die Meisterschaftsendrunde vorzeitig endete, schob Marx Sonderschichten auf dem Platz. Seine Motivation nach all den Jahren, nach einer Goldmedaille bei den World Games, zwei Europapokal-Siegen, vier deutschen Meistertiteln? „Ich will noch einmal Weltmeister werden!“

So schlecht stehen die Chancen dafür nicht: Als amtierender Welt- und Europameister ist das deutsche Team freilich der große Favorit, die Mannschaft ist im Vergleich zum WM-Triumph 2011 größtenteils zusammengeblieben. Jedoch warnt der Bundestrainer davor, die Konkurrenz auf die leichte Schulter zu nehmen: „Sportlich gesehen wird es bestimmt die anspruchsvollste und engste Faustball-WM, die es je gegeben hat“, mahnt Olaf Neuenfeld, der die Mannschaft schon 2011 betreute. Naturgemäß gehören die Schweiz und Österreich zu den heißen Anwärtern auf den Titel, auch Brasilien, Argentinien und Chile hat der Coach als Geheimfavoriten auf dem Zettel.

Für Michael Marx bedeutet das: Noch einmal alles in die Waagschale werfen, um den Traum vom Ende mit Titel wahr werden zu lassen. „Es soll der letzte Höhepunkt meiner Faustball-Karriere sein“, sagt er, „schließlich soll man ja dann aufhören, wenn’s am schönsten ist.“

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