Eine Hexenliesel der Ravensburger Narrenzunft in der Realschule Sankt Konrad in Ravensburg. Mit der Schülerbefreiung hat in Oberschwaben vielerorts die heiße Phase der Fasnacht begonnen. Foto: dpa

Schulen und Kindergärten werden „befreit“, bunt geschmückte Narrenbäume aufgestellt und Rathäuser gestürmt: Der „schmotzige Dunschtig“ist der erste Höhepunkt der Fastnacht im Land.

Stuttgart - Im Südwesten sind die Narren los: Bei nasskaltem Wetter sind am Donnerstag viele Zünfte in die heiße Phase der Fastnacht gestartet. Vielerorts waren die Mäschgerle, die Maskenträger, schon in aller Frühe unterwegs, um mit lautem Krach die Menschen zu wecken. In Meersburg zogen die „Schnabelgiere“ beispielsweise schon um fünf Uhr mit lauter Musik durch die Gassen. Auch in Konstanz, Pfullendorf, Bad Dürrheim, Waldshut und Offenburg waren die Narren schon im Morgengrauen auf den Beinen, um den „Schmotzigen Dunschtig“ zu feiern.

Traditionell übernehmen in den Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht die Narren auch das Regiment: Sie „befreien“ Schulen und Kindergärten, stellen bunt geschmückte Narrenbäume auf und stürmen Rathäuser. Den Schlüssel erhalten die Bürgermeister erst am Aschermittwoch wieder - solange haben die Mäschgerle das Sagen.

In Weingarten zieht der Schultes ins Wirtshaus

In Weingarten (Kreis Ravensburg) hatte Oberbürgermeister Markus Ewald dieses Jahr eine besondere Strategie: In den vergangenen Jahren hätten sowieso immer die Narren gewonnen, sagte er am Donnerstag. „Das ist doch Beschiss.“ Seine Konsequenz daraus: Er führte seine Mitarbeiter in einer Polonnaise durch die Straße - und dann schnurstracks ins nebenan gelegene Wirtshaus. „Hier ist der Schlüssel, bitte sehr, ich brauch ihn heute wohl nicht mehr“, rief er aus dem Fenster. „Lasst uns in Ruhe feiern. Und wenn ihr im Rathaus fertig seid: Das Amtshaus drüben steht bereit.“

In Ulm wollten am späten Nachmittag ebenfalls bis zu 250 Narren verschiedener Zünfte das historische Rathaus stürmen. Letztes Jahr klauten sie in Neu-Ulm den Rathausschlüssel, die Nachbarstädte an der Donau wechseln sich ab. Die Narren laufen dabei zunächst auf dem Marktplatz ein, während die Oberbürgermeister auf dem Balkon stehen - sie erhalten Unterstützung von Gemeinderatsmitgliedern und als Stadtsoldaten verkleideten Mitarbeitern. Dann wird um den Schlüssel gespielt: Narren und Politiker müssen etwa Sehenswürdigkeiten erraten oder mit Buchstaben auf dem Rücken Wörter bilden. Am Ende gewinnen aber auch hier immer die Narren: „Werden verzeifelt kämpfen und am Ende tapfer verlieren“, sagte die Stadtsprecherin Marlies Gildehaus.

In Schwäbisch Gmünd geht’s Schlagerfans gegen Rocker

Auch in Staufen bei Freiburg und in vielen anderen Orten stürmten Narren am Donnerstag die Rathäuser, entrissen den Bürgermeistern die Schlüssel ab und übernahmen so symbolisch die Macht. Die „Schelmenzunft“ in Staufen erklärte: „Jetzt regiert der Frohsinn.“ Erst am Aschermittwoch gehe alles wieder seinen gewohnten Gang. Den Rathaussturm in Staufen verfolgten mehrere hundert Zuschauer. Auch die Schüler profitierten von der Fastnacht: Schon am Morgen wurde der Nachwuchs aus den Schulen befreit. Anschließend zogen die Narren in Umzügen durch die Gemeinden.

In Schwäbisch Gmünd treten am „Schmotzigen“ dagegen traditionell um 16.16 Uhr dutzende Rathausmitarbeiter und Feuerwehrleute mit einstudierten Choreografien gegeneinander an. „Das Motto ist dieses Jahr Schlagerfans gegen Rocker“, sagte ein Stadtsprecher. „Ich seh aus wie Roberto Blanco.“ Erwartet wurden rund 200 Narren und 1000 Zuschauer.

Am Abend steht in Stockach am Bodensee die traditionelle Sitzung des „Narrengerichts“ auf dem Programm. Vor den närrischen Richtern muss sich in diesem Jahr Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verantworten. Der „Schmotzige Dunschtig“ vier Tage vor Rosenmontag ist einer der Höhepunkte der Fastnacht im Südwesten. In vielen Orten haben Geschäfte und Behörden an diesem Tag geschlossen.

Hier erfahren Sie mehr über die schwäbisch-alemannische Fastnacht

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