Rund 30 000 Besucher waren laut Veranstalter beim Umzug in Weil der Stadt dabei. Foto: Simon Granvill/e

Hexenalarm, italienisches Flair nach Art der AHA-Zunft und ein begeistertes Publikum: Rund 30 000 Menschen feiern beim großen Umzug in Weil der Stadt die Fasnet. Wir waren dort und haben die Bilder.

Erst hört man das noch leise Donnern der Trommeln, dann die ersten Töne der Bläser – und schon biegt er um die Ecke, der Büttel, der wie immer jeden Fasnetsumzug in Weil der Stadt anführt und damit signalisiert: Jetzt geht es los. Endlich! An diesem Fasnetsonntag bringt er aber auch ein paar Regentropfen mit, die sich den ganzen Umzug über mit ein paar wenigen Sonnenstrahlen abwechseln sollen.

 

Der Stimmung tut das Wetter derweil wenig Abbruch. An den Rändern der Strecke, die rund um die Altstadt führt, drängen sich gewohnt viele Menschen, jung und alt, aus Weil der Stadt und von außerhalb. Bevor es richtig losgeht, ist der Andrang dort, wo es Verpflegung gibt, am größten – das geht schon in Bahnhofsnähe los, wo Fasnetsgänger per Megafon zu einer provisorisch aufgebauten „Aral-Tankstelle“ geführt werden.

Eine kurze Fasnetsaison für die Narren

Für die Narren ist es in diesem Jahr eine außerordentlich kurze Fasnetsaison – so kommt es durchaus selten vor, dass der Leonberger Pferdemarkt, traditionell am zweiten Dienstag im Februar, erst nach dem großen Umzug in Weil der Stadt stattfindet. Bis zuletzt hatte die Weiler Narrenzunft AHA noch an den Wägen gebastelt, die fast alle jährlich neu konzipiert und gebaut werden und für die Zuschauer des Umzugs meist ein besonderes Highlight sind. Gelohnt hat sich die Arbeit allemal. Beeindruckend gefertigt, originell und mit ordentlich Lokalkolorit versehen sind die Wägen auch in diesem Jahr.

Alles Banane – nur bei der Fasnet in Weil der Stadt nicht

Da wäre etwa der überdimensionierte „Automat“, der auf großen Tafeln erklärt, wie viele Ökopunkte für diverse Bauvorhaben eingeschmissen werden sollen oder wie denn nun der „Parkomat“ funktioniert. Angelehnt ist das Design an die jüngst eingeführten Parkautomaten in Weil der Stadt, deren Konzept nach reichlich Frust und Fragezeichen von der Verwaltung noch einmal nachjustiert wurde. Das nach wie vor ungenutzte Hotel Krone Post dient den Narren als Vorlage für das „Crown Sisters Hospital“, dessen Besatzung die Zuschauer mit eigens bedruckten Pflastern „verarztet“. Dem Weiler Kino, das erst vor wenigen Wochen Jubiläum gefeiert hat, wird ein Wagen mitsamt waschechtem Filmprojektor gewidmet, die musikalische Untermalung steuern hier ein paar verkleidete „Minions“ bei, links und rechts wird der Wagen flankiert von Cruella de Vil und Pippi Langstrumpf.

Auch der langjährige Vereinsvorsitzende Michael Borger bekommt in flüssiger Form sein Fett weg: Ein überdimensionaler Bierkasten des „Borger Hofbräus“ dreht sich durch die Straßen, verteilt werden Bierdeckel mit seinem Gesicht darauf. Auf einem knallpinken Wagen tanzen Barbie und Ken, eine extrem große Frucht deklariert, dass auf der Welt gerade „Alles Banane“ ist. Und wo der Wagen „Bella ItaliAHA“ vorbeizieht, wird frische Pizza serviert.

66 Gruppen beim großen Umzug dabei

Insgesamt 66 Gruppen und Wägen sind in diesem Jahr dabei - passend, die Narren lieben schließlich Schnapszahlen. Den Vorrang hat die Weiler Narrenzunft wie so oft den Gästen von Auswärts gelassen, die die ersten zwei Drittel des Umzugs dominieren - aber nicht weniger unterhalten. Aus Leonberg ist nur der Schalmeienzug der Feuerwehr dabei. Die Waldhexen und andere Gruppen sind mit dem dortigen Rathaussturm beschäftigt.

Die Weiler Gruppen bilden den Schluss der Prozession – und rütteln die Zuschauer noch einmal ordentlich auf. Die Hexen hängen sich an die Gitter entlang der Strecke und binden Schnürsenkel, tunken den ein oder anderen Schaulustigen in einen riesigen Bottich mit Stroh oder fahren sie auf einer hölzernen Karre über das holprige Pflaster. Auch der Bürgermeister Christian Walter muss mehrmals dran glauben, scheint aber auch seine Freude daran zu haben. Neu ist der große Wagen der Weiler Steckentäler, die in diesem Jahr ihr 44. Jubiläum feiern und aus diesem Anlass ein Upgrade bekommen. Wo sie bisher Zuschauer auf eine kleine, mobile Schaukel setzten, gibt es jetzt eine Rutsche auf einem sehr viel größeren Wagen.

30 000 Besucher kommen für den Umzug nach Weil der Stadt

Über zwei Stunden dauert das wilde Fasnetspektakel, dass nach den Schätzungen vom AHA-Vereinsvorsitzenden Frank Gann in diesem Jahr rund 30 000 Besucher nach Weil der Stadt gelockt hat, etwa so viel wie im vergangenen Jahr. Auch die Polizei bestätigt diese Angabe und gibt zudem durch, dass es zumindest bis zum späten Nachmittag keine größeren Vorfälle gegeben hat.

Zufrieden ist Frank Gann mit dem Ablauf des Tages. „Die Stimmung war sehr gut, bisher ist alles super und friedlich gelaufen“, sagt er. „Das alles macht uns natürlich mega glücklich und stolz.“