Impressionen vom Fasnetsumzug Foto: Eibner-Pressefoto/Dimi Drofitsch

71 Gruppen und 6000 Zuschauer machen den Deckenpfronner Umzug am Samstag zum Fasnets-Epizentrum im Kreis Böblingen. Mit Party im „Hexenkessel“ bis morgens um vier.

Das Epizentrum des Fasnetstreibens im Kreis Böblingen am Samstag war Deckenpfronn. 71 Gruppen und von den Organisatoren geschätzte 6000 Zuschauer kamen am Nachmittag zum großen Umzug durch den Flecken. 1500 Hästräger, also traditionell Verkleidete, und weitere 2000 feierlustige Eintrittskartenkäufer folgten am Abend DJ Don Jogi im „Hexenkessel“ Halle und Festzelt bis morgens um vier.

 

600 Arbeitsdienste für drei Tage Narrentreiben

Groß war der Aufwand für die veranstaltende Freie Narrenzunft Deckenpfronn. 600 Arbeitsdienste zählten Zunftmeister Rainer Schneider und sein Stellvertreter Marko Reinhardt. Eingespannt waren nicht nur aktive und passive Vereinsmitglieder, sondern auch jede Menge Freunde und Bekannte. Dabei war der Samstag nur Abschluss und Höhepunkt der dreitägigen Deckenpfronner Fasnet. Auftakt war am Donnerstag der traditionelle Rathaussturm, bei dem Bürgermeister Daniel Gött von Rothexen, Habr-Brei-Wedlern und Bardarutschern kurzerhand seines Amtes enthoben wurde. Gefolgt von der ebenfalls bestens besuchten „Altweiberfasnet“ mit der Tanz- und Showband Prestige. Aber auch die Kinderfasnet am Freitagnachmittag konnte über mangelnden Besuch nicht klagen.

Der Schultes mittendrin

Endgültig zum Tollhaus aber wurde die Gemeinde am Tor zum Schwarzwald dann am Samstag. In Massen strömten die Fans und Anhänger der fünften Jahreszeit herbei und säumten in Fünfer-, Achter- oder sogar Zehnerreihen Gärtringer Straße und Marktplatz beim über zweistündigen Defilee der Fasnetszünfte und –gruppen. „Wir sind zwei Jahre eingesperrt gewesen, die Leute haben Nachholbedarf“, stellte Herbert Däuble, Ehrenzunftmeister der Freien Narrenzunft, ob des Andrangs hochzufrieden fest. Und auch Schultes Gött, gewandet als Rothexe unten, Habr-Brei-Wedler oben und ausstaffiert mit Bardarutscher-Tasche, beobachtete die friedlich-fröhliche Prozession durch seine Gemeinde mit Wohlgefallen.

Begrüßung per Narrenruf

Immer wieder warfen Hexengruppen am Kommentatorenwagen vor dem Rathaus auf Kommando die Besen zur Seite und bauten sich in bis zu sechsstöckigen menschlichen Pyramiden auf. Dabei „Riesenhaufen mit wunderschönen Masken und Häs’“, die selbst Zunftmeister Rainer Schneider und Narrenzunft-Schriftführerin Melanie Hack an ihren Mikrofonen höchste Bewunderung und Respekt abnötigten. Farbenfrohe, selbst gebastelte Kostümierungen ließen erahnen, wie viel Mühe die teilnehmenden Vereine das ganze Jahr allein schon in die Vorbereitung der närrischen Wochen stecken. Per vorher bekanntengegebenem, meist dreimal vom Publikum lautstark zu skandierendem Narrenruf wurde jede einzelne Gruppe freudig begrüßt.

Schabernack mit Zuschauern

Der Kreativität und dem Einfallsreichtum kaum Grenzen gesetzt schien auch bei den Fahrzeugen. Die Bandbreite reichte von kleinen Mini-Schlepperle bis hin zum wahren Monster-Traktor samt Hexenhaus auf der Anhängerkupplung. Dass es dabei recht oft gar erbärmlich qualmte und stank, lag aber nicht an den wohl größtenteils recht umweltfreundlichen Gefährten, sondern an dem einen oder anderen grimmig befeuerten Hexenkessel. Dazu gab’s von den über den ganzen Zug verteilten Guggenmusikern sowie dem heimischen Musikverein Deckenpfronn kräftig auf die Ohren, wurden Kamellen und andere Süßigkeiten an die jüngeren Zaungäste verteilt, und immer wieder trieben schaurige Gestalten ihren Schabernack mit allzu neugierigen Zuschauerinnen und Zuschauern.