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Ein seltener Anblick für Fastnachtsbegeisterte: Der Nachtumzug mit rund 2500 Narren des Viererbundes.

Oberndorf -­ Faszinierte Blicke fallen auf den Federahannes. Ein kurzer Anlauf und meterhoch fliegt die berühmte Rottweiler Narrenfigur mit dem bunten Kleidle mit den Füßen voraus in der Oberstadt von Oberndorf am Neckar durch die Luft. Einen ganz seltenen Anblick bietet der Nachtumzug mit den rund 2500 Narren des Viererbundes für die Fastnachtsbegeisterten im Südwesten. Nur alle drei bis fünf Jahre treffen sich Elzacher Schuttig, Rottweiler Federahannes, Überlinger Hänsele und Oberndorfer Hansel und Schantle und verlassen dabei ihre Stadtmauern.

Schon Stunden vor Beginn des Nachtumzuges strömen die etwa 15.000 Besucher den Berg hinauf in die historische Innenstadt von Oberndorf. In vielen Fenstern stehen rote Kerzen und sorgen für eine besondere Stimmung. Dicht gedrängt und gespannt warten die Narren in den Gassen auf den Umzug. Punkt 19 Uhr beginnen die Rottweiler Hästräger angeführt von den Rössle - das sind Narren in einem Pferdekostüm - und den Treibern den Umzug. Danach folgt einer langer Zug aus Federahannes, Geschell, Schantle und Biss - alles unterschiedliche Rottweiler Narrenfiguren.

Ihnen folgt die Narrenzunft aus Überlingen. In ihren bunten Flecklehäsern lassen sie die Karbatschen knallen, zeigen den Zuschauern ihren langen schwarzen Rüssel und necken sie dabei. Ihnen folgen die Gastgeber der Narrenzunft Oberndorf. Narros verteilen Brezeln, Schantle stecken den Zuschauern Würste in den Mund oder verteilen Orangen. Den Abschluss bilden die farbenfrohen Elzacher Schuttig. Ihre Fackeln lassen die roten Zottelkostüme hell leuchten. Die drei Saublodere (Schweinsblasen) landen mit lautem Krachen immer wieder auf den Köpfen der Zuschauer. Angeführt vom Teufelschuttig vollführen die Narren auf dem Schuhmarkt ihren Abschlusstanz um das meterhohe Feuer und werfen dabei ihre Fackeln in die Flammen.

Die vier Rebellenzünfte hatten sich von den übrigen Zünften der schwäbisch-alemannischen Fastnacht abgespalten, nachdem es in den 1950er Jahren einen heftigen Streit über die Wahrung der Traditionen gegeben hatte. Seit 1963 besteht der Viererbund in seiner heutigen Form. "Sie wollten eine saubere und anständige Narretei betreiben", erläutert der Oberndorfer Zunftpräsident Eberhard Schmid. Am Sonntag werden mehr als 5000 Mitglieder der Narrenzunft zum großen Umzug erwartet. In vier Jahren wird sich der Viererbund wieder in Elzach treffen. Bis dahin wird jede Zunft wieder innerhalb ihrer eigenen Stadtmauern feiern.

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