In Weil der Stadt haben 50 000 Zuschauer die Straßen der historischen Altstadt gesäumt, um den Gardemädchen zujubeln Foto: factum/Granville

Die Narren in Wernau (Kreis Esslingen) versammelten sich am Samstagnachmittag zum Umzug. Angeführt vom Wernauer Till und vom Stadtbüttel zogen 60 Gruppen an den rund 25 000 Besuchern vorbei. Manche Wagen beeindruckten die Zuschauer sichtlich.

Wernau/Esslingen - Die Narren in Wernau (Kreis Esslingen) versammelten sich am Samstagnachmittag zum Umzug. Angeführt vom Wernauer Till und vom Stadtbüttel zogen 60 Gruppen an den rund 25.000 Besuchern vorbei. Manche Wagen beeindruckten die Zuschauer sichtlich, wie etwa das Gefährt der Narrenzunft Leutkirch mit einer überdimensionalen Katze. Ganz zum Schluss kamen wie immer die Wernauer Narrengruppen.

Schlägereien hielten die Polizei in Atem

Im Anschluss an den Zug ist es zu einem größeren Polizeieinsatz gekommen. Gegen 16 Uhr mussten die Einsatzkräfte der Polizei immer öfter Handgreiflichkeiten schlichten, die zweimal in heftige Schlägereien ausarteten, bei denen zwei Verletzte ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Urheber der Gewalttaten war eine größere Gruppe von jungen Männern aus Esslingen, die auffällige schwarze Jacken trugen. „Wir wissen noch nicht, ob es sich dabei um die Black Jackets handelt“, sagte ein Polizeisprecher. Die Jacken hätten nicht deren typische Aufnäher gehabt, aber es sei möglich, dass sie umgeändert worden seien. Die Polizei sprach 30 Platzverweise aus und nahm mehrere Körperverletzungsdelikte und Diebstähle zu Protokoll.

Übergriffig, allerdings nur im närrischen Sinn, ist es tags darauf auch in Neuhausen (Kreis Esslingen) zugegangen. Besonders gefährdet waren am Sonntag junge, vorzugsweise blonde Zuschauerinnen, die das närrische Geschehen auf den Fildern auch noch unvorsichtigerweise in der ersten Reihe verfolgen wollten. Die Wahrscheinlichkeit, dass deren aufgesteckte Hasenohren oder Teufelshörnchen von frecher Narrenhand geraubt wurden, lag bei gefühlten 100 Prozent. Wer nicht körperlich entführt worden ist, den haben die 60 Narrengruppen immerhin für eine paar Stunden mental aus dem komplizierten Alltag in eine andere Welt geführt. „Narri“ statt Winter-Melancholie und „Narro“ statt Stress im Büro.

Altstadt in Hexenkessel verwandelt

In der alten Reichsstadt Weil der Stadt (Kreis Böblingen), einer närrischen Enklave in der eher pietistisch geprägten Region Leonberg, haben am Sonntag 66 Gruppen und Wagen die pittoreske Altstadt in einen wabernden Hexenkessel verwandelt. Im wahrsten Sinn des Wortes. Denn Hexen waren im Umzug überall dabei. Und haben ihre Freude daran gehabt, junge Mädchen einzufangen und in überdimensionale Strohkörbe zu werfen, deren Verkleidung zu stibitzen oder sie einfach mit dem Besen zu jagen.

Besonders die Hausherren, die Hexen der Weiler Narrenzunft AHA, setzten närrische Maßstäbe. An einem überdimensionalen Kranwagen schwebten die gruseligen Weiber über dem narreten Volk: wohl dem, der den Besen entgeht. Ansonsten blieb am Sonntag alles friedlich: Die rund 50 000 Zuschauer feierten fröhlich und ohne Krawall.

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