Das Heilbronner Landgericht beschäftigt sich derzeit mit einem Familiendrama in Vaihingen. Foto: dpa

Dem 40-Jährigen, der im Februar seine beiden Söhne getötete haben soll, geht es laut seinem Anwalt besser. Denkbar ist, dass der Angeklagte auch vor Gericht aussagen wird. Bisher konnte er sich nicht erinnern.

Vaihingen an der Enz - Für Marc Müller fühlte sich der Tod eiskalt an. „Man kann das nicht beschreiben“, sagte der vierfache Familienvater, der eigentlich anders heißt, am Dienstag vor dem Heilbronner Landgericht. Aber er sei sich ganz sicher gewesen, dass die beiden Jungen, die er am Abend des 18. Februar dieses Jahres berührte, tot waren. Es sei eine ganz andere Kälte gewesen: „Als wenn man im Winter von draußen hereinkommt. Das ist, als ob sie in ein Tiefkühlfach greifen.“

Wie die beiden vier und fünf Jahre alten Kinder, die Müller an jenem Samstagabend in einem Haus im Vaihinger Stadtteil Aurich fand, zu Tode kamen, versucht derzeit die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Heilbronn herauszufinden.

Auf der Anklagebank sitzt der Vater der beiden Buben. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft Heilbronn vor, den Kindern mit einem Backstein auf den Kopf geschlagen und sie anschließend erstochen zu haben. Er soll aus Verzweiflung über seine Lebenssituation und unter Einfluss einer Überdosis Psychopharmaka gehandelt haben.

Zwei Nachbarn schließen den Angeklagten im Haus ein

Als direkter Nachbar in Aurich sei er einer der ersten am Tatort gewesen, als die 35-jährige Mutter, die kurz zuvor ihre beiden leblosen Söhne entdeckt hatte, schreiend aus dem Haus gerannt kam, sagte Marc Müller am Dienstag den Richtern. Nach Absprache mit dem Rettungsdienst, den eine andere Zeugin bereits angerufen hatte, seien er und ein weiterer Nachbar ins Haus gegangen, um nach den Kindern zu sehen. Dort sei er die Treppe in den ersten Stock hinaufgestiegen und habe die Jungen im Wohnzimmer gefunden, beide im Schlafanzug und offenkundig tot. Trotzdem habe er sie am Bauch berührt, um ganz sicher zu gehen. Die Körper seien eiskalt gewesen, sagte Maier. Noch heute würden ihn diese Bilder nachts verfolgen.

Der Angeklagte habe derweil auf dem Bett im Schlafzimmer gehockt, er sei nicht ansprechbar gewesen. Auch ein weiterer Zeuge bestätigte, dass der 40-Jährige „apathisch, wie verstört“ gewirkt habe. Weil er als ehemaliger Feuerwehrmann sah, dass jede Hilfe für die Kinder zu spät kam, habe er das Haus wieder verlassen, erklärte Marc Müller. Die Haustüre habe er hinter sich und dem zweiten Nachbarn abgeschlossen. Bis die Polizei eintraf, habe er das Haus bewacht, damit der Angeklagte nicht flüchten konnte. Diesen Einsatz des Aurichers nannte der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth am Dienstag „alles andere als selbstverständlich“. Schließlich habe Müller sich selbst in Gefahr bringen können: „Wir können uns nur bei ihnen bedanken.“

Dem 40-Jährigen geht es psychisch besser

Minuten später trafen an dem Abend dann die ersten Polizisten ein. Mit voller Schutzausrüstung sei man in den ersten Stock gestiegen, erklärte eine Beamtin vor Gericht. Im Flur seien sie dem Angeklagten begegnet. Weil der sich zunächst nicht auf den Boden gelegt habe und später auch nicht, wie befohlen, die Hände hinter dem Rücken verschränkte, habe man einen Polizeihund losgelassen. Der verletzte den 40-Jährigen am Kopf und an der Schulter. Schließlich konnten die Beamten dem Angeklagten Handschellen anlegen.

Bedeutend für den Prozess, in dem am 12. Dezember ein Urteil fallen soll, dürfte eine Erklärung des Verteidigers vom Dienstag sein. Laut Matthias Sigmund geht es seinem Mandanten inzwischen deutlich besser, er könne jetzt „mehr zu dem Abend sagen“. Es sei möglich, dass sein Mandant auch vor der Kammer aussagen werde. Bisher hatte der 40-Jährige behauptet, sich nicht an den Abend erinnern zu können.

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