Der Wagen des Künstlers auf dem falschen Stellplatz am Fernsehturm Foto: privat

Weil der Sänger Matthias Reim einen Parkplatz belegte, der für Menschen mit Behinderung reserviert ist, bietet der SWR Freikarten an. Die betroffene Familie nimmt diese nicht wahr – freut sich aber dennoch.

Stuttgart - Familie Valérie Chapellière und Stefan Seiler hätten für sich und ihre beiden Kinder Marc und Alice Freikarten für den Fernsehturm Stuttgart haben können. Doch die Familie aus Schwäbisch Gmünd hat dankend abgelehnt. Das Angebot kam von der SWR Media Services GmbH, die den Turm betreibt, weil die Familie auf dem Turm zu Gast war, als vor rund vier Wochen einer der Behindertenparkplätze belegt war. Die drei und sechs Jahre alten Kinder sind auf Rollstühle angewiesen, die Familie damit auf die dafür reservierten Plätze. Sozusagen als Wiedergutmachung sollten sie die Freikarten erhalten. Auf dem Parkplatz stand der Wagen eines Promis, der in eine Livesendung geeilt war: der deutsche Schlagersänger Matthias Reim. Er habe in der Eile nicht auf das Schild geachtet, teilte er nach Bekanntwerden des Zwischenfalls mit und entschuldigte sich für seinen Fehler.

Matthias Reim entschuldigt sich für den Fehler

Damals hatte ein Passant mitbekommen, wie sich die Familie an der Kasse mit den Mitarbeitern über den belegten Parkplatz unterhalten hatte und den Vorfall öffentlich gemacht. Er hatte auch den Wagen fotografiert. Kenner des SWR-4-Programms hatten trotz des gepixelten Konstanzer Kennzeichens sofort erraten, dass es sich dabei um den mit „Verdammt ich lieb Dich“ berühmt gewordenen Sänger handelte.

„Das Angebot der SWR Media Services GmbH, uns einen erneuten Eintritt zum Fernsehturm Stuttgart zu spendieren, lehnen wir dankend ab“, teilten nun Valérie Chapellière und Stefan Seiler mit. Denn sie hätten damals auf dem zweiten Behindertenparkplatz parken können, somit seien sie beim Besuch des Turms nicht eingeschränkt gewesen. Sie haben sich dennoch gefreut, Entschuldigungen kamen vom SWR und vom falsch parkenden Schlagersänger. Denn die Familie erlebe es immer wieder, dass Behindertenparkplätze gedankenlos benutzt werden und die Autofahrer ohne Verständnis für die berechtigten Nutzer der Plätze seien. Ausreden wie „Ich war doch nur mal kurz Brötchen holen, ich hab’s eilig“, seien an der Tagesordnung.

Die Familie erlebt häufig Probleme bei der Parkplatzsuche

Mindestens einmal pro Woche, schätzt Stefan Seiler, stehe man vor dem Problem, dass der reservierte Parkplatz für Autofahrer mit der entsprechenden Berechtigung belegt sei. „Den meisten ist wohl nicht bewusst, dass man damit Probleme verursacht. Rollstuhlfahrer und Menschen mit anderen Einschränkungen sind auf diese Plätze angewiesen“, sagte Seiler. Das sei nicht nur für seine Frau und ihn mit den zwei Rollstühlen im Kofferraum so. „Auch ein Autofahrer, der selbst im Rollstuhl sitzt und eine Hebevorrichtung hat, mit der er aussteigt, braucht den Platz“, betont Seiler – und wirbt für mehr Verständnis.

Daran mangelt es offenbar vielen. In Stuttgart werden jährlich im Schnitt knapp 7000 Autofahrer verwarnt, die auf Behindertenparkplätzen parken.

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