Ist hier wirklich die Polizei am Telefon? Die echte Polizei fürchtet eine neue Betrugswelle. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Die Trickbetrüger, die sich als Polizisten ausgeben, gehen wieder verstärkt auf Opfersuche. Eine junge Frau mit auffälliger Urlaubsbräune gibt sich als verdeckte Ermittlerin aus. Und macht fette Beute.

Stuttgart - Bricht nun wieder eine neue Welle von Trickbetrügereien los? Die falschen Polizisten, die ihre Opfer mit ihrem Täuschungsmanöver um Zehntausende Euro bringen, sind gerade wieder verstärkt in und um Stuttgart aktiv. Dabei werden nicht nur ältere Menschen im höheren Rentenalter abgezockt – eine 50-jährige Frau aus Feuerbach wurde nun eines der jüngsten Opfer.

Offenbar seit Dienstag war die Frau von unbekannten Tätern telefonisch unter Druck gesetzt worden. „Alles nach klassischem Muster“, sagt Polizeisprecherin Monika Ackermann. Es trifft auch vergleichsweise jüngere Opfer, die von der Masche offenbar noch nichts gehört haben. Dabei gingen die Täter, die in diesem Fall mutmaßlich aus einem Call-Center in der Türkei die Fäden gezogen haben, nach dem üblichen Muster vor: Man habe Einbrecher festgenommen und bei den Tätern einen Notizzettel mit dem Namen der 50-Jährigen gefunden, wird vorgegaukelt. Sie schwebe in höchster Gefahr. Sie solle zu ihrem eigenen Schutz ihre Ersparnisse einer verdeckten Ermittlerin der Polizei übergeben.

Wer ist die sonnengebräunte Unbekannte?

Offenbar ohne andere Menschen ins Vertrauen zu ziehen, folgt die betroffene Feuerbacherin den Anweisungen der angeblichen Polizisten. Sie hebt auf der Bank mehrere Zehntausend Euro ab und übergibt den Beutel mit dem Geld zur Mittagszeit an ihrer Haustür der angeblichen Kripobeamtin. Erst als sich die 50-Jährige ein paar Stunden später über Notruf 110 bei der echten Polizei meldet, fliegt der Schwindel auf. Zu spät.

Die Abholerin und Komplizin der Betrüger hat ein wenig auffälliges Äußeres. Nach Informationen unserer Zeitung soll sie etwa 25 Jahre sein, hat lange, lockige, braune Haare, und eine auffällig sonnengebräunte Hautfarbe. Bei der Geldübergabe sprach sie Deutsch ohne Akzent. Hinweise an Telefon 07 11 / 89 90 - 57 78.

Die Alarmmeldungen häufen sich

„Wir vermuten die Hintermänner in der Türkei“, sagt Polizeisprecherin Ackermann, „die Handschrift ist eindeutig.“ Anders ist das am 21. August gewesen, als ein 90 und 84 Jahre altes Stuttgarter Paar mehr als 100 000 Euro an Betrüger übergab. Hier hatten die Täter mit einem Mix aus Enkeltrick und falschen Polizisten gearbeitet, was auf Betrügerkreise mit Sitz in Polen hindeutet.

Im Großraum Stuttgart scheint gerade wieder eine neue Welle loszubrechen: „Allein am Donnerstag haben sich in Stuttgart 13 Betroffene gemeldet, die von falschen Polizisten angerufen wurden“, sagt Polizeisprecherin Ackermann. Ähnliche Alarmsignale gibt es im Rems-Murr-Kreis und darüber hinaus: „Es scheint uns eine Welle derartiger Betrugsversuche erreicht zu haben“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen am Freitag. Zwischen Dienstag und Donnerstag wurden im Zuständigkeitsbereich 40 Fälle gemeldet. Dabei gab eine Betroffene 1000 Euro und ihren Schmuck her.

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