Die Fahrlehrer um Chris Böckle (vorne, Mitte) haben klare Forderungen an den Tüv. Foto: avanti/Ralf Poller

Die Fahrlehrer im Landkreis Ludwigsburg sind sauer. Der Tüv Süd hat ihre Prüfungstermine zusammengestrichen. Deshalb kamen sie zu einer Demo im Tammerfeld.

Fahrschule machen und dann ewig auf den Prüfungstermin warten müssen? Einem jungen Mann aus dem Bottwartal erging es dieser Tage genau so. Er wollte sich zur Theorieprüfung anmelden. Beim Tüv in Ludwigsburg hätte er am 11. März einen Termin bekommen und damit mehr als einen Monat warten müssen. Für den knapp 17-Jährigen hat sich das Dilemma schnell gelöst. Seine Fahrschule organisierte ihm einen Termin beim Tüv in Heilbronn – der ist schon am 12. Februar.

 

Das Problem mit den Wartezeiten auf Prüfungstermine in Ludwigsburg könnte sich aber in Zukunft drastisch verschärfen. Das ist jedenfalls die Befürchtung der Fahrlehrer, die deshalb den ganzen Donnerstag lang vor dem Tüv-Service Center im Tammerfeld demonstrierten.

„Lassen nicht alles mit uns machen“

Es war keine riesige Demo, die da im Nieselregen des Gewerbegebiets anberaumt war. Zwei Handvoll Fahrlehrer standen am späten Vormittag auf dem Gehweg vor dem Tüv. Da die Demo den ganzen Tag ging, verschwanden immer wieder Beteiligte und Neue kamen hinzu. „Wir wollen dem Tüv zeigen, dass wir nicht alles mit uns machen lassen“, sagt Chris Böckle von der Fahrschule ABC mit mehreren Standorten im Landkreis.

Was war geschehen? Tüv Süd ändert die Buchungssystematik für das Marktgebiet Stuttgart, zu dem Ludwigsburg gehört, von kommender Woche an. Zu festen Terminen kommen laut Tüv-Sprecher Vincenzo Lucà Zusatztermine, die mit einem vierwöchigen Vorlauf beantragt werden können. Zudem wurden die festen Buchungsplätze der einzelnen Fahrschulen „angepasst“, wie es beim Tüv heißt. Das gilt auch für die praktischen Fahrerlaubnisprüfungen. „Aufgrund der Erfahrungen mit dem tatsächlichen Bedarf der Fahrschulen haben wir die Anzahl der festen Prüfungsplätze der einzelnen Fahrschulen angepasst.“ Denn man habe „bei einigen Fahrschulen vereinzelt einen Überhang festgestellt, der nicht genutzt wurde“.

Für Chris Böckle bedeutet das, dass seiner Fahrschule „weit über 50 Prozent der Prüfplätze gestrichen wurden“. Bislang seien es bei der Theorieprüfung zwei Tage gewesen. Immer dienstags und donnerstags konnte die Fahrschule ABC ihre Prüflinge zum Tüv schicken. Jetzt ist es nur noch ein Tag. „Und bei der Praxisprüfung ist es das gleiche Spiel“, sagt Böckle.

Dass die Termine von den Fahrschulen nicht ausgenutzt werden – wie es der Tüv andeutet – kann Böckle nicht nachvollziehen. „Wir haben die Termine immer voll gehabt. Im Gegenteil: Es waren sogar noch mehr Termine gefragt.“

Von jetzt an werden sich die Termine aus seiner Sicht also immer weiter aufstauen, zeichnet der Fahrlehrer ein Szenario. „Wenn das so weitergeht, werden wir irgendwann Prüfungstermine in sechs oder zwölf Monaten anbieten müssen.“

Termine um die Hälfte reduziert

Seine Kollegen, die um ihn herum vor dem Tüv im Tammerfeld stehen, nicken. Fahrlehrer Olaf Post von der Fahrschule Janzen in Sachsenheim sagt, dass sich auch bei ihm die Termine um die Hälfte reduziert haben. Er bemängelt zudem die Organisation beim Tüv in Ludwigsburg. „Wenn man anruft, ist keiner erreichbar, auch wenn man 20 bis 30 Mal durchklingelt.“ Was auch kein Wunder ist, findet Muhammet Desteki von MyDrive in Oberstenfeld. Das neue Marktgebiet Stuttgart von Tüv Süd ist für 257 Fahrschulen zuständig. „Wie soll denn das gehen?“

Ganz klar geht die Kritik der Fahrschulen nicht an das ausführende Personal, betont Chris Böckle. Das steht auch in dem offenen Brief, den die Fahrlehrer an diesem Tag beim Tüv abgaben. „Die Leute sind supernett“, sagt Olaf Post. „Alle Ergebnisse sind fair und menschlich ist das in Ordnung. Die Organisation dahinter ist aber katastrophal.“

Zumindest personell will man beim Tüv aufstocken. „Im Marktgebiet Stuttgart wurden 2023 so viele Fahrerlaubnisprüfungen durchgeführt wie noch nie zuvor“, informiert der Pressesprecher Vincenzo Lucà. Dieses Angebot an Prüfungsplätzen werde man aufrechterhalten. „Im Sommer 2024 werden neue, derzeit in der Ausbildung befindliche Mitarbeitende für weitere Prüfungskapazitäten sorgen.“ Bis dahin wolle man wie im vergangenen Jahr mit zusätzlichen Prüfungsterminen an Samstagen und der Unterstützung von Fahrerlaubnisprüfern aus anderen Marktgebieten in Baden-Württemberg eventuell entstehenden Mehrbedarf abfedern. Die neue Buchungssystematik ist für das erste Halbjahr, bis einschließlich Ende Juli, geplant.

„Das Thema ist gesellschaftlich relevant“, betont Böckle. „Wenn Leute ihren Führerschein nicht machen können, geht das alle an. Wenn er durch die Verzögerung der Prüfung teurer wird, ist es irgendwann nicht mehr finanzierbar.“ Die Fahrlehrer fordern in ihrem offenen Brief, ein partnerschaftliches Zusammenarbeiten und eine „bedarfsgerechte Einteilung der Prüfungen für alle Fahrschulen“. Die Hauptaufgabe, um Menschen den Führerschein zu ermöglichen, liege bei den Fahrschulen. „Deshalb „ist ein gemeinsamer Weg unabdingbar.“

Tüv hat Monopol

Hoheitliche Aufgabe
 In den westlichen Bundesländern hat der Tüv das Monopol auf die Führerscheinprüfungen. „Das ist ein Problem“, sagt Chris Böckle. „Wenn Ihnen ihre Fahrschule oder Autowerkstatt nicht passt, dann gehen Sie zu einer anderen. Beim Tüv geht das nicht. Da müssen die Fahrschüler hin, ob sie wollen oder nicht.“ Allerdings, so schreibt er im offenen Brief, hat der Tüv sich zu dieser hoheitlichen Aufgabe bereit erklärt und muss diese entsprechend übernehmen. Wenn der Tüv diese Pflicht nicht erfüllen könne, müsse die Politik entsprechende Schlüsse ziehen.

Koalitionsvertrag
 Die Ampel-Koalition wollte das Monopol des Tüv auf die Prüfungen aufheben. So zumindest steht es im Koalitionsvertrag. Bislang ist das jedoch noch nicht erfolgt.