Hans-Jürgen Priemer ist sich sicher, dass der Führerschein bei vielen jungen Menschen immer noch begehrt ist. Foto: Philipp Braitinger

Die Corona-Krise beutelt auch Fahrschulen. Doch auch jenseits dieser schwierigen Zeit stellen Fahrlehrer Veränderungen fest. Denn bundesweit betrachtet ist die Zahl der jungen Leute mit eigener Fahrerlaubnis rückläufig.

Filderstadt - Weder Theorie- noch Praxisunterricht wird derzeit angeboten. Die beiden Fahrschulstandorte von Hans-Jürgen Priemer in Bonlanden und Wolfschlugen sind verwaist. Um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, müssen neben Cafés, Restaurants und Kinos auch Fahrschulen geschlossen bleiben. Zu groß ist die Ansteckungsgefahr beim gemeinsamen Fahren im Auto oder im Unterrichtsraum. Für die Fahrschulen bedeutet das, dass die Einnahmen wegfallen. Die Kosten laufen dagegen meistens weiter. Hans-Jürgen Priemers Hoffnung ist, dass es nach der Krise so gut weitergeht wie zuvor. Und bis dahin könnte das staatliche Hilfspaket zur Überbrückung helfen.

Unabhängig von der Krise: Dass das Interesse junger Menschen an einem eigenen Führerschein nachlässt, wie es die Statistik des Kraftfahrtbundesamtes beschreibt, das kann Priemer für seine Fahrschulen nicht bestätigen. „Hier oben braucht man ein Auto“, sagt er. Seit 40 Jahren bildet er Fahranfänger hinterm Lenkrad aus. Mehr als einhundert Prüflinge begleitet er mit seinen Kollegen jährlich. Dass der Führerschein bei jungen Menschen auch heute noch hoch im Kurs steht, davon ist der 59-Jährige überzeugt.

Immer weniger junge Leute setzen auf den Führerschein

Bundesweit ist der Trend allerdings ein anderer: Zwischen Jahresbeginn 2010 und Anfang 2019 sank die Zahl der bis 24-Jährigen mit einem Führerschein fürs Auto, das Motorrad oder den Roller von 5,1 Millionen auf 4,4 Millionen. Das zeigen Zahlen des Kraftfahrtbundesamts. Ein Grund ist der demografische Wandel. Doch auch prozentual gibt es weniger junge Führerscheininhaber. Vor allem in größeren Städten gebe es vielleicht weniger Bedarf für einen eigenen Führerschein, vermutet der Fahrlehrer Priemer. Auf den Fildern könne er aber wie gesagt keine rückläufigen Zahlen verzeichnen. Was sich jedoch geändert habe, sei die Zeit, die junge Leute bereit seien, für den Führerschein zu investieren. Seit der Verbreitung der Ganztagsschule seien viele junge Leute sehr beschäftigt. Das sehe er, wenn sie erschöpft und müde am Abend den Theorieunterricht besuchten. „Sie sind ausgepowert.“ Wohl deshalb sei die Nachfrage nach Ferienkursen zuletzt enorm gestiegen.

Dass immer noch viele junge Menschen einen Führerschein hätten, lasse sich übrigens auch an der stetig steigenden Zahl der Autos auf den Straßen ablesen. Die Verkehrsdichte habe in den vergangenen Jahren zugenommen, „weil jeder ein Auto hat“, meint Priemer. Das bestätigt auch das Kraftfahrtbundesamt: 65,8 Millionen Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeuganhänger waren am 1. Januar 2020 im Bestand registriert. Das sind eine Million mehr als im Vorjahr. Den Fahranfängern bereite der hohe Verkehrsdruck Schwierigkeiten, weiß der Fahrlehrer. Es falle ihnen schwer, mehrere Dinge gleichzeitig im Blick zu behalten, wie es beim Autofahren in vielen Situationen notwendig sei. „Viele sind überfordert. Früher war weniger Verkehr, man musste sich auf weniger konzentrieren“, sagt Priemer.

Nachfrage nach Fahrschule in einer Fremdsprache steigt

Und noch etwas hat sich verändert: Angeboten wird die Führerscheinprüfung derzeit auch in zwölf Fremdsprachen. Neu hinzugekommen ist die Prüfung in Hocharabisch. Vor allem nachdem im Jahr 2015 viele Menschen aus dem arabischen Sprachraum nach Deutschland gekommen waren, hat die Nachfrage nach Prüfungen in der Fremdsprache zugenommen.

Das hat auch Hans-Jürgen Priemer in seinen Fahrschulen auf den Fildern bemerkt. Meistens seien diese Fahrschüler etwas älter als die anderen Teilnehmer. Doch gerade für jene Menschen, die oft als Einwanderer oder Geflüchtete nach Deutschland gekommen seien, bedeute der eigene Führerschein mehr als nur Mobilität. Er sei die Voraussetzung für viele Jobs, erklärt Priemer.

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