Welcher Fahrschein darf es sein? Foto: imago/Arnulf /Hettrich

Das Deutschlandticket soll den Menschen Bus und Bahn schmackhaft machen, aber auch den Wildwuchs an Ticketangeboten eindämmen. Zumindest Letzteres wird in der Region Stuttgart nicht so ohne Weiteres gehen.

Nichts Genaues weiß man nicht. Zwar ist das Deutschlandticket mit viel Vorschusslorbeeren aus der Taufe gehoben worden, doch um die dauerhafte Finanzierung des für den deutschen Nahverkehr revolutionären Angebots wird weiter gerungen. Klar ist: Die 49 Euro, die das Ticket monatlich kostet, reichen nicht aus, um die Löcher zu stopfen, die der Discount-Fahrschein bei Verbünden und Verkehrsunternehmen in den Kassen hinterlässt. Die jüngste Verständigung in der Runde der Ministerpräsidenten war bei Licht betrachtet gar keine. Die Hängepartie geht weiter.

 

Tarifvielfalt kann auch abschrecken

Das ist nicht nur für diejenigen misslich, die im Verkehrssektor die Finanzen im Auge behalten müssen, sondern auch für die, die sich von der Einführung des Deutschlandtickets nicht zuletzt erhofft hatten, den Wildwuchs an Tarifen und Tickets zu beschneiden, der nicht selten als Grund ins Feld geführt wird, eben doch nicht auf Bus und Bahn zu setzen.

Man wolle in illustrer und kompetenter Runde darüber sprechen, „wie es weitergehen soll, nachdem der Big Bang des deutschlandweiten 49-Euro-Tickets über uns hereingebrochen ist“, sagte Thomas Bopp, der Präsident des Regionalverbands, der für die S-Bahn, aber auch die Gesellschaft im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) zuständig ist. Der Verbund hatte zum Tarifsymposium gebeten. Zur Einleitung gab Bopp zu bedenken, dass das neue Ticket, das allein beim VVS die Abonnentenzahlen in nie gekannte Höhe katapultiert hat – mittlerweile sind es mehr als 500 000 –, zwar ein großer Erfolg sei. „Ob das neue Angebot den öffentlichen Kassen und damit dem dringend notwendigen Ausbau der Schiene nützt, ist eine ganz andere Frage“, so der Regionalverbandspräsident weiter.

Über allem schwebt die Frage nach dem Geld

Bei der Fachtagung tauschten sich Vertreter der Landkreisverwaltungen, des Verkehrsministeriums, Kreis- und Regionalräte, aber auch Vertreter des VVS-Fahrgastbeirats aus und gingen unter anderem der Frage nach: „Was macht das Deutschlandticket mit dem VVS-Tarifsortiment?“ Zwar entwickelten die Diskutanten reichlich Ideen, wie das zuweilen als kompliziert wahrgenommene Ticket- und Abo-Angebot umgebaut oder entschlackt werden könnte. Über allem aber schwebte die Frage: Wer soll das bezahlen? Solange die dauerhafte Finanzierung des Deutschlandtickets nicht gesichert ist, lässt sich auch nicht klären, wer für weitere Umsatzrückgänge durch das Lichten des Tarifdschungels geradesteht.

Auch wenn bei der Veranstaltung deutlich wurde, dass mit einer baldigen und tiefgreifenden Reform des VVS-Ticketangebots eher nicht zu rechnen ist, wollte sich die VVS-Geschäftsführerin Cornelia Christian den Optimismus nicht nehmen lassen. „Das Tarifsymposium war ein großer Erfolg und hat uns dank des aktiven, sehr guten Austauschs wertvolle Einblicke in die Marktentwicklung nach Einführung des Deutschlandtickets gegeben.“