In Großbottwar im Kreis Ludwigsburg steht nun Geld bereit, um ein Fahrzeug anzuschaffen. In Marbach ist das Angebot schon längst etabliert, das sich vor allem an ältere Herrschaften richtet.
In Marbach und Steinheim sind die Bürgerbusse fast schon stadtbildprägend. In Benningen hat sich das Angebot auch etabliert. Im März will die Neckargemeinde sogar ein größeres Fahrzeug anschaffen und das bislang geleaste durch ein gekauftes ersetzen. Am Montag hat der Technische Ausschuss in Großbottwar den Weg dafür freigemacht, dass bald auch durch die Storchenstadt ein Bus rollen kann, der vor allem ältere Herrschaften zu Zielen in der Stadt chauffiert, die vom sonstigen ÖPNV etwas abgeschnitten sind.
Ein Erbe hilft bei der Anschaffung
Das Gremium ermächtigte die Verwaltung, bis zu 45 000 Euro in die Hand zu nehmen, um ein Fahrzeug anzuschaffen. Die Rathausspitze selbst hatte vorgeschlagen, mit maximal 35 000 Euro nach einem geeigneten, gebrauchten Modell Ausschaus zu halten, die Räte das Budget aber sogar angehoben, berichtet der Bürgermeister Ralf Zimmermann. Im Idealfall und wenn der Preis den Etat nicht sprenge, wolle man ein E-Fahrzeug erwerben, auf jeden Fall aber müsse die Qualität stimmen. Es könne zum Beispiel auf einen VW-Bus oder einen Mercedes-Sprinter hinauslaufen. Bei der Finanzierung könne die Stadt auf ein Erbe zurückgreifen, das ihr für diesen Zweck vermacht worden sei.
Doch selbst wenn die Rathausmannschaft bereits in den nächsten Tagen ein passendes Modell finden würde, bedeutet das nicht, dass der Bürgerbus unmittelbar im Anschluss seine Runden drehen kann. „Der Wunsch ist, dass der Startschuss in etwa einem halben Jahr fällt“, sagt Zimmermann. Das eine oder andere müsse noch geregelt werden. So bräuchten die ehrenamtlichen Chauffeure einen Personenbeförderungsschein. Die exakte Tour müsse im Detail festgezurrt werden. Gleiches gelte für die Fahrpläne. Die Route soll aber auf alle Fälle so geplant sein, dass Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte angesteuert werden und ein Großteil der Wohngebiete in Großbottwar abgedeckt wird. Klar ist außerdem, dass der Bürgerbus fürs Erste weder nach Winzerhausen noch nach Hof und Lembach pendeln wird. Das scheitere an den rechtlichen Vorgaben, wonach kein paralleles Netz zum vorhandenen ÖPNV aufgebaut werden dürfe, erklärt der Bürgermeister. Was nicht ist, könne aber womöglich in Zukunft noch werden.
Rund ein Dutzend Fahrer stehen bereit
Eine gute Nachricht ist, dass genügend Ehrenamtliche bereitstehen, um sich hinters Lenkrad zu setzen. Das Team um die Organisatorin und Stadträtin Angelika Maier zähle etwa ein Dutzend Köpfe. „Wir sind aber um jede weitere Bewerbung froh“, sagt Ralf Zimmermann. Angestrebt wird, dass der Bus dienstags und freitags von 9 Uhr bis circa 16 Uhr in der Stadt unterwegs ist.
Im ungefähr doppelt so großen Marbach verkehrt der Bürgerbus sogar an vier Tagen die Woche: montagmittags sowie mittwoch-, freitag- und samstagvormittags. Das Fahrerteam bestehe aus 13 „hoch motivierten Herren. Aus Sicht der Verwaltung hat sich das Bürgerbus-Projekt in Marbach etabliert und wird auch von der Bevölkerung dankbar angenommen“, resümiert der Hauptamtsleiter Jürgen Sack. Bereits seit dem 5. Oktober 2015 pendele der Bürgerbus als Teil des ÖPNV durch die Schillerstadt, dürfe aber auch hier keine Konkurrenz zum klassischen Busangebot aufmachen, also weder nach Rielingshausen noch nach Marbach-Süd fahren.
„Die Auslastung pro Monat ist recht stabil und bewegt sich meist im Bereich zwischen 160 und 210 Fahrgästen“, erklärt Sack. Aktuell hat die Stadt ein Fahrzeug mit Verbrennermotor geleast, der Vertrag läuft bis Juni 2025, sodass man Mitte 2024 beginnen werde, den Markt für die Zeit danach zu sondieren. „Sollte der Markt dann ein entsprechend geeignetes Fahrzeug zu vertretbaren Konditionen bieten, würde ein Umstieg auf ein E-Fahrzeug auf jeden Fall angestrebt“, kündigt der Hauptamtsleiter an.