Alle Modelle der neuen S-Klasse (im Bild die S-Klasse von Mercedes-Benz) erhalten eine neue Kühlerverkleidung. Foto: Daimler

In Shanghai stellt der Autobauer die aufgefrischte Version seines Flaggschiffs vor, das nun beim autonomen Fahren die E-Klasse eingeholt hat. Damit will der Stuttgarter Hersteller seine Rivalen auf Distanz halten.

Shanghai - Tänzer mit Leuchtschwertern, ein Streichorchester, eine Lichtershow, ein Saal gefüllt mit Hunderten Zuschauern aus aller Welt: Daimler hat am Dienstagabend vor dem Beginn der Automesse in Shanghai seine neue S-Klasse mit solch großer Geste präsentiert, als ginge es hier um ein neues Modell – und nicht um die überarbeitete Version seines Flaggschiffes. Von der aufgefrischten S-Klasse erhofft sich der Konzern in den kommenden Jahren neue Wachstumsimpulse. Außerdem braucht Daimler das überarbeitete Modell, um seine Marktführerschaft in dem Segment auszubauen – und beispielsweise dem neuen A8 etwas entgegensetzen zu können, den der Ingolstädter Konkurrent Audi auf der IAA im September zeigen will. Außerdem soll die neue S-Klasse den noch recht jungen 7er des Münchner Rivalen BMW auf Abstand halten.

Es ist eine große Geste für einen riesigen Markt: „China ist der größte Automarkt der Welt und auch für uns der größte Einzelmarkt“, sagte Daimlers China-Vorstand Hubertus Troska bei der Vorstellung der überarbeiteten S-Klasse. „Wir haben im ersten Quartal 25 Prozent unseres weltweiten Absatzes in China gemacht.“ Besonders wichtig sei der Markt für die S-Klasse: „30 Prozent aller S-Klassen werden in China verkauft“, so Troska. Von der Luxusvariante Maybach seien es gar 60 Prozent. „Die S-Klasse ist der klare Marktführer in ihrem Segment“, sagte der China-Vorstand. „Und diese S-Klasse wird dafür sorgen, dass dies auch so bleibt.“

Der Entwicklungsvorstand spricht von einem „Raumschiff“

Mit ihrer Auffrischung (Experten sprechen von einem „Facelift“) hat die S-Klasse die E-Klasse beim autonomen Fahren nun eingeholt. „Die neue S-Klasse ist ein weiterer großer Schritt in Richtung autonomes Fahren“, sagte der Daimler-Entwicklungsvorstand Ola Källenius. „Man fühlt sich in ihr wie in einem Raumschiff.“

Bislang gilt nicht das Flaggschiff, sondern die Business-Limousine E-Klasse im Hinblick auf den Automatisierungsgrad als das fortschrittlichste Serienfahrzeug, das derzeit auf dem Markt zu haben ist. „Wir nähern uns dem Ziel des automatisierten Fahrens konsequent und schneller an, als viele vermuten“, sagt Michael Hafner, Leiter Automatisiertes Fahren und Aktive Sicherheit bei Mercedes-Benz. Die neue S-Klasse könne den Fahrer erheblich besser unterstützen als alle bisherigen Systeme. Auf den Markt kommen soll sie im Juli – zunächst in Europa. Weitere Märkte – darunter auch China – folgen im Herbst. Was das Fahrzeug kosten soll, will Daimler im Mai bekannt geben.

Äußerlich hat sich die S-Klasse kaum verändert. Die Überarbeitung besteht im Wesentlichen in der Weiterentwicklung der Assistenzsysteme, die der Branche schon aus der E-Klasse bekannt sind: So kann die S-Klasse künftig auf der Autobahn eigenständig die Spur wechseln, sie erkennt Verkehrsschilder, sie nimmt dem Fahrer im nervigen Stop-and-go-Verkehr das Bremsen und Gasgeben ab. Im Notfall führt sie selbstständig eine Vollbremsung durch und am Ende einer Reise parkt sie ferngesteuert ein.

Die aufgefrischte S-Klasse fährt auch auf Landstraßen autonom

Ganz neu ist, dass die aufgefrischte S-Klasse nun erstmals auch auf Landstraßen eine längere Strecke autonom fahren kann. Dafür hat Daimler den sogenannten aktiven Abstandsassistenten Distronic überarbeitet. Das System erkennt nun nicht mehr nur Verkehrsschilder – und orientiert daran seine Geschwindigkeit. Es kann nun auch auf die örtlichen Gegebenheiten wie auf Kurven, Kreuzungen, einen Kreisverkehr oder Mautstellen reagieren und entsprechend abbremsen.

Von der aktuellen Generation der S-Klasse hat Daimler seit der Einführung vor fünf Jahren mehr als 300 000 Fahrzeuge verkauft. 2016 war die S-Klasse nach Daimler-Angaben erneut die gefragteste Oberklassenlimousine der Welt. Demnach verkaufte sich insbesondere die Langversion des Modells gut, die Daimler 2013 erstmals als Standardvariante etabliert hat.

Die chinesischen Kunden kaufen traditionell gern Versionen mit einem längeren Radstand. Denn gut betuchte Chinesen fahren nicht selbst. Viele von ihnen beschäftigten Chauffeure und bevorzugen mehr Raum im Fonds als üblich. Weltweit werden inzwischen neun von zehn S-Klassen mit langem Radstand verkauft. Diese ist rund 13 Zentimeter länger als die ursprüngliche Version. Während Daimler etwa die Langversion der E-Klasse gemeinsam mit dem chinesischen Partner BAIC in Peking produziert, wird die S-Klasse komplett in Sindelfingen gebaut.

Daneben kommen in der überarbeiteten S-Klasse erstmals die neue Motorenfamilie des Konzerns zum Einsatz: Der modulare Baukasten ist nun grundsätzlich darauf ausgelegt, Elektromotoren zur Unterstützung des Verbrennungsmotors zum Einsatz zu bringen.

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