Extremschwimmer Badeausflug mit Biopren auf den Rippen

Von Klaus Eichmüller 

64 Kilometer – längs: Extremschwimmer Bruno Dobelmann will den Bodensee durchqueren.

Stuttgart - Am 21. Mai, vier Tage nach Christi Himmelfahrt, will Bruno Dobelmann Geschichte schreiben und als mutmaßlich erster Mensch den Bodensee im Frühjahr ohne Pause und ohne wärmenden Neoprenanzug der Länge nach durchschwimmen. Damit das Unternehmen für ihn kein Himmelfahrtskommando wird, bereitet sich der Extremsportler seit Wochen auf diese Herausforderung vor.

Im Oskar-Frech-Seebad in Schorndorf teilt Dobelmann mit langsamen Armzügen das Wasser. Im Ziegelei-See, der von einer Quelle gespeist wird, trainiert er meist ohne Zeugen. Nur eine Aufsichtsperson sieht zu – und die Fische in dem außergewöhnlichen Freibad, die mit großen Augen verständnislos auf den Mitschwimmer glotzen.

"Mit Sport kann dieser Körper nichts zu tun haben"

Als Fisch wollen wir Dobelmann hier nicht bezeichnen, haben wir doch erfahren, dass Fisch durchaus als Schimpfwort gelten kann. Dobelmann ist alles andere als ein Fisch, er ist ein Orca. Nein, der Orca. Diesen Namen ­haben ihm Arbeitskollegen bei Daimler gegeben, wo der 53-Jährige als Motorenschlosser Lkw-Aggregate mitentwickelt. Nach einem Langstreckenwettkampf hätten ihm mal die Kollegen anerkennend auf die Schulter geklopft. „Na, Orca, hast du wieder alle Konkurrenten gefressen“, erinnert sich ­Dobelmann und lacht. Seitdem ist er Orca, der weiß gefleckte Schwertwal.

Dabei hat der Extremschwimmer eine ­Figur, die nicht an einen eleganten Orca erinnert, sondern eher an einen Pottwal. Dobelmann nimmt die Häme mit Humor. „Ich weiß, dass ich nicht wie Flipper aussehe“, sagt er. Doch Langstreckenschwimmer bräuchten nun mal etwas auf den Rippen. Manchmal ­sogar ein bisschen mehr.

Schmunzelnd erzählt Dobelmann vom Schweizer Arzt und Triathleten Beat Knechtle aus St. Gallen, der ihn während der Wettkämpfe betreut und seine Körperwerte vor und nach den Belastungen misst. „Als der Arzt meine Körperfett-Werte das erste Mal sah, hat er nur den Kopf geschüttelt.“ Und was hat er gesagt? „Mit Sport könne dieser Körper nichts zu tun haben.“

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