Whisky als flüssige Geldanlage: Die erzielbaren Renditen sind zumindest beim Single Malt je nach Marke und Einkaufsglück sehr attraktiv, sagen Experten. Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Wer mit Oldtimern, edlen Tropfen und anderen wertvollen Gegenständen oder Sammlerstücken Geld verdienen will, braucht nicht nur das nötige Wissen, sondern auch viel Geduld und Glück.

Stuttgart - An guten Ratschlägen mangelt es nicht, wenn man heutzutage fragt, wie denn angesichts der Niedrigzinsen das Geld am besten anzulegen sei. „Ausgeben“ ist einer dieser Ratschläge – zum Beispiel für exotische Sachwerte. Hilfreich ist dabei, wenn zu diesem Sachwert eine bestimmte Zuneigung besteht. Wer etwa in Oldtimer investiert, sollte nicht nur etwas davon verstehen, sondern auch Lust daran haben, mit einem 40 Jahre alten Auto ohne Klimaanlage, Navi oder sonstigen technischen Feinheiten, im gemäßigten Tempo durch die Gegend zu fahren. Und wer sein Geld mit Wein vermehren möchte, der sollte dafür die richtige Zunge mitbringen, denn unter den potenziellen Käufern werden sich hauptsächlich Weinkenner befinden. Generell gilt für exotische Anlagen: Man sollte viel Geduld mitbringen, ein Käufer lässt sich nicht auf Anhieb finden und der Preis ist meistens nicht in irgendeiner Liste abzulesen. Oldtimer Es gibt einengroßen Liebhabermarkt für Fahrzeuge, die älter sind als 30 Jahre. Allerdings ist Alter nicht gleichzusetzen mit Wertzuwachs – wer in ein Kfz mit H-Kennzeichen investieren will, sollte Expertise haben. Autos werden als Geldanlage in Deutschland immer beliebter. Bereits seit 1999 führt der Verband der Automobilindustrie den Deutschen Oldtimer Index (DOX). Lange Zeit kletterte er konstant nach oben. Mittlerweile schwächt er sich ab und liegt inzwischen unter der Inflationsrate. Zudem gilt der Aufwärtstrend längst nicht für alle Modelle. Wer sich auf dem internationalen Markt umsehen will, kann sich am HAGI Top Index orientieren, der 50 besonders seltene Modelle von 19 verschiedenen Marken aufführt. Die Highlights vom vergangenen Jahr waren der Verkauf von zwei Ferrari 250 GTO aus dem Jahr 1960 für 48 Millionen US-Dollar (44 Millionen Euro) in einer Auktion sowie für 70 Millionen Dollar (64 Millionen Euro) bei einem Privatverkauf. Scotch Whisky Neben edlen Weinen gibt es eine weitere flüssige Geldanlage: den Whisky-Markt. Interessant ist vor allem der in einer einzigen Destillerie aus gemälzter Gerste gebrannte Single Malt. Limitierte Abfüllungen und der Fakt, dass Whisky nicht nur gesammelt, sondern auch getrunken wird, lassen den Wert steigen. Mit dem edlen Getreidebrand ist das vergleichsweise gut möglich, denn er ist einfacher zu lagern als Wein, birgt keine Rostgefahren wie Oldtimer und kostet keine Unsummen wie Immobilien. Die erzielbaren Renditen sind je nach Marke und Einkaufsglück sehr attraktiv. Um sich ein Bild von den Wertsteigerungsmöglichkeiten zu manchen, verfolgen Sammler den Rare Whisky Apex 100 Index. Er ist eine Art Leitindex für die 1000 gefragtesten Single Malt Scotch Flaschen weltweit. In den vergangenen zwölf Monaten konnte der Index um fast 25 Prozent zulegen, seit 2010 sogar um knapp 500 Prozent. Der Knight Frank Rare Whisky 110 Index (KFRW100) kletterte im vergangenen Jahr um 40 Prozent. Den Vogel schoss dabei eine Flasche ab, die im Oktober zu dem Weltrekordpreis von 700 000 Pfund (786 000 Euro) verkauft wurde – um nur wenige Monate später für eine Million Pfund (1,12 Millionen Euro) den Besitzer zu wechseln. Die hohen Steigerungsraten der letzten Jahre zeigen, dass das Interesse der Anleger an der Anlageklasse Whisky weitergewachsen ist. Andy Simpson, einer der Gründer der Sammelbörse Rare Whisky 101, glaubt, dass der Weg weiter nach oben geht. 2018 wurden in Großbritannien erstmals mehr als 100 000 Flaschen in einem Jahr versteigert. Kunst Obwohl in Einzelfällen immer wieder Rekordergebnisse erzielt werden, zeigen die Auktionsergebnisse von Werken, die in den letzten Jahren mehrfach verkauft wurden, ein differenziertes Bild. Auch hohe Verluste sind möglich. Der Verkaufswert eines Bildes von Max Ernst sank etwa zwischen 2011 und 2016 von 16 Millionen auf 11 Millionen Dollar (von 15 auf 10,1 Millionen Euro). Im Schnitt bewegen sich Gewinne im einstelligen Bereich. Wein Flüssiges Gold: Eine gute Flasche Wein, aus dem berühmten Weingut Château Mouton-Rothschild beispielsweise, kann ihren Wert über wenige Jahre schnell vervielfachen. Wichtig hierbei ist vor allem eine fachgerechte Lagerung bei hoher Luftfeuchtigkeit und konstanten Temperaturen um die 13 Grad.

 

Uhren Sensationsverkäufe in Millionenhöhe sind am Uhrenmarkt keine Seltenheit. Es gibt eben nur noch wenige der wirklich wertvollen Chronographen von Rolex, Omega, Tag Heuer oder Patek Philippe, besonders nicht in tadellosem Zustand. Die Zahl der Fälschungen steigt – ohne Sachkenntnis lassen sich hier keine Gewinne erzielen. Handtaschen Taschen taugen nicht nur als Luxusaccessoire fürs Handgelenk, sondern mitunter auch als Investment. Vor allem Besitzer exklusiver Modelle aus dem Designer-Haus Hermès können mit hohen Wertsteigerungen rechnen. Geradezu Seltenheitswert hat etwa die Birkin-Tasche von Hermès: Lieferzeiten bis zu fünf Jahre und die teuerste Tasche kann auch schon mal mehr als 500 000 Euro kosten.

Orientierungshilfen

Es gibt einige Anhaltspunkte, welche Dinge sich zum Sammeln und als Geldanlage durchaus lohnen könnten. Die Sparkassen geben auf ihrer Internetseite unter dem Stichwort „Vermögensaufbau 4.0: Von Sammel-Trends und Sneaker-Börsen“ eine Übersicht. Von Oldtimern über Kunst, Wein, Uhren, Briefmarken, von Handtaschen, Porzellan, Comics bis hin zum schottischen Whisky ist alles dabei. Das britische Gewerbeimmobilienmaklerunternehmen Knight Frank hat in seinem jährlich erstellten Global Wealth Report nicht nur eine Übersicht über die Verteilung der Vermögen auf der Welt, sondern auch einen Extrateil über das besonders attraktive Luxury spending, also über Dinge, die viele Menschen nicht brauchen, für die sie aber unheimlich viel Geld ausgeben. Wer tiefer in diesen sehr besonderen Kapitalmarkt eintaucht, wird feststellen, dass auch dort vieles ähnlich statistisch erfasst wird wie bei anderen Anlageformen auch.

Das Sammeln solcher Anlagen ist oft mit hohen Kosten verbunden, die Laien anfangs häufig falsch einschätzen. Wer etwa Kunst auf Auktionen erwirbt, zahlt ein hohes Aufgeld an den Auktionator. Wer verkauft, bezahlt eine Kommission. Dazu kommen noch diverse Steuern und Abgaben. Und schließlich sind für höherwertige Güter auch noch Versicherung, Transport oder Aufbewahrung zu bezahlen. Weinsammler etwa kommen ohne wohltemperierte Lagerung nicht aus. Oldtimer müssen fahren, was Steuern, Versicherung und Benzin kostet, und brauchen witterungsfeste Stellplätze sowie kostenintensive Pflege. Oftmals fallen noch Reparaturen an