Arianit Ferati im Trikot der Fortuna – bislang ein seltener Anblick Foto: imago

Beim VfB galt Arianit Ferati einst als künftiger Bundesligastar, ehe er im Sommer verkauft wurde. Mit Fortuna Düsseldorf kehrt er am Montag nach Stuttgart zurück – und hofft auf die Initialzündung seiner Karriere.

Düsseldorf/Stuttgart - Arianit Ferati ist gut vorbereitet auf die Reise in die alte Heimat. Seinen Eltern hat er frühzeitig Eintrittskarten besorgt – aufgeregt werden sie auf der Tribüne sitzen, wenn ihr Sohn am Montagabend (20.15 Uhr) mit Fortuna Düsseldorf beim VfB Stuttgart gastiert. Und einen schönen Satz hat sich der Mittelfeldspieler auch zurechtgelegt für dieses Wiedersehen mit seinem Ex-Club: „Das ist das Spiel gegen meine alte Liebe.“

Arianit Ferati (19), im vergangenen Sommer vom VfB an den Hamburger SV verkauft und von dort nach Düsseldorf ausgeliehen, ist ein Stuttgarter Junge. Er ist in Bad Cannstatt geboren und kam mit 14 zum VfB; mit 16 war er nicht nur deutscher Meister bei den B-Junioren, sondern neben Timo Werner und Timo Baumgartl auch die große Nachwuchshoffnung des Vereins. Brillant seine Technik, herausragend seine Dribblings – es gab keinen Zweifel: Da wächst ein künftiger Bundesligaspieler heran, mindestens.

Ferati sieht keinen Grund nervös zu werden

Während Werner (20) nun als Leipziger Starstürmer kurz vor der Berufung in die Nationalmannschaft steht und es Baumgartl (20) immerhin bereits zum Abwehrchef des VfB gebracht, wartet Ferati, ein Jahr jünger, noch auf den Durchbruch im Profifußball. In Düsseldorf zählte er bislang, auch verletzungsbedingt, zur Kategorie Ergänzungsspieler. Zweimal stand er in dieser Saison in der Startelf, neunmal wurde er eingewechselt. Kein Grund, nervös zu werden – Ferati ist noch immer Teenager und sagt: „Es gibt genügend Beispiele dafür, dass man es auch mit Zwischenschritten nach ganz oben schaffen kann.“

Vielleicht, sagen Leute, die seinen Weg seit Jahren verfolgen, habe es Ferati nicht gutgetan, dass er so früh als neuer Wunderspieler galt. Schon mit 16 durfte er unter Trainer Thomas Schneider mit den VfB-Profis ins Trainingslager nach Südafrika; nur die Statuten verhinderten damals, dass er in diesem Alter auch in Spielen auf dem Platz stand. Das Bundesliga-Debüt folgte 2015 kurz nach seinem 18. Geburtstag unter Alexander Zorniger, wenig später unterschrieb er einen Fünfjahresvertrag. Doch pendelte der Junioren-Nationalspieler immer wieder zwischen erster und zweiter Mannschaft und zeigte seinen Unmut. „Es ist nicht einfach für einen jungen Spieler, wenn er nicht genau weiß, wo er hingehört“, sagt Rainer Adrion, bis vergangenen Sommer Nachwuchschef des VfB.

Bruno Labbadia erinnerte sich an alte VfB-Zeiten

Nach dem Abstieg seines Vereins sah auch Ferati den Zeitpunkt gekommen, einen Neuanfang zu machen. „Auf der einen Seite fiel es mir sehr schwer, weil der VfB immer meine Heimat war“, sagt er „andererseits wollte ich auf eigenen Beinen stehen und meinen eigenen Weg gehen.“ Für knapp eine Million Euro verkaufte ihn der Zweitligist zum Entsetzen vieler VfB-Fans nach Hamburg, wo sich der damalige HSV- und frühere VfB-Trainer Bruno Labbadia an den Überflieger aus dem Nachwuchs erinnerte. Ferati unterschrieb bis 2020 – und ließ sich unmittelbar danach auf eigenen Wunsch für eine Saison nach Düsseldorf ausleihen. „Ich wollte erst einmal möglichst viel Spielpraxis sammeln.“

Seine Hoffnungen haben sich bislang allerdings nur teilweise erfüllt. Als „wichtigen Schritt“ für seine persönliche Entwicklung wertet es Ferati, dass er sein Elternhaus in Weinstadt verlassen und in der Düsseldorfer Innenstadt seine erste eigene Wohnung bezogen hat. Mit seiner Rolle bei der Fortuna hingegen ist der 1,68 Meter kleine Spielmacher noch nicht ganz zufrieden. Ein Tor hat er zwar bereits geschossen, „doch wünscht man sich natürlich immer mehr Einsatzzeiten. Es liegt an mir, dem Trainer zu zeigen, dass ich in die Mannschaft gehöre“.

Friedhelm Funkel hält große Stücke auf den Edeltechniker

Der heißt Friedhelm Funkel und ist einer der erfahrensten Fußballlehrer Deutschlands. „Seine Entwicklung ist absolut positiv“, sagt der 63-Jährige über seinen Zögling, „er ist sehr fleißig, wissbegierig und hat sich immer näher an die Mannschaft herangearbeitet.“ Völlig normal sei es, dass Ferati vorerst noch ein Lehrling ist, der sich hinten anstellen muss – „es gibt nur ganz wenige Profis, die in seinem Alter schon Stammspieler sind“. An der Physis gelte es noch zu arbeiten, am Torabschluss, an der Effektivität. „Ich habe keinen Zweifel, dass er eines Tages ein guter Bundesligaspieler sein wird“, sagt Funkel.

Das hört Arianit Ferati schon seit Jahren – jetzt soll die Karriere endlich richtig losgehen. Für die Initialzündung würde sich die Rückkehr nach Stuttgart bestens eignen. Im Hinspiel fehlte er verletzt – und ist nun „richtig heiß“ auf dieses Spiel gegen seine alte Liebe.

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