Karl-Theodor zu Guttenberg sprach vergangenes Wochenende auf einer Konferenz in Kanada. Foto: dapd

Neun Monate nach seinem Rücktritt geht Karl-Theodor zu Guttenberg mit einem Buch in die Offensive.

Berlin - Die letzten öffentlichen Äußerungen Karl-Theodor zu Guttenbergs zur Plagiatsaffäre und zu seinem Rücktritt als Verteidigungsminister liegen mehr als acht Monate zurück. Kurz vor der Verabschiedung mit einem Großen Zapfenstreich hielt er im Offizierskasino des Bendlerblocks in Berlin eine kurze, sehr persönliche Ansprache, in der er Reue und Buße ankündigte.

Und er deutete an, dass er seine Sicht der Dinge bald in einem Buch veröffentlichen werde. „Es sind eigene Gedanken, die ich aufschreiben werde“, sagte er damals mit einem Augenzwinkern mit Blick auf die Plagiate in seiner Doktorarbeit.

Gespräch mit "Zeit"-Chef Giovanni die Lorenzo

Das Guttenberg-Buch ist jetzt fertig. Ab nächstem Dienstag ist das Werk mit dem vielsagenden Titel „Vorerst gescheitert“ für 19,99 Euro im Handel. Es sind allerdings keine Memoiren über den Aufstieg und Fall des oberfränkischen Adeligen geworden. Stattdessen entschied sich Guttenberg für ein Interview mit „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, das 208 Seiten füllt.

Von dem Buch hängt für Guttenberg viel ab. Die entscheidende Passage ist die über die Entstehung seiner Doktorarbeit. In den zwei Wochen zwischen dem Aufdecken der abgeschriebenen Stellen und seinem Rücktritt räumte der CSU-Politiker nur zögerlich Fehler ein. Die vielen kopierten Passagen erklärte er mit schlichter Überforderung: „Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt“, sagte er im Bundestag mit Hinweis auf seine damaligen politischen, wissenschaftlichen und familiären Verpflichtungen.

Ermittlungen gegen Guttenberg laufen noch

Vielen reichte das nicht aus. Die Universität Bayreuth kam im Mai zu dem Ergebnis, dass Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis grob verletzt und die Prüfungskommission vorsätzlich getäuscht hat. Die Staatsanwaltschaft Hof prüft immer noch, ob Guttenberg das Urheberrecht verletzt hat. Die Entscheidung soll auf jeden Fall noch vor Weihnachten fallen. Ob sie schon in dieser Woche - vor der Buchveröffentlichung - zu erwarten ist, wollte Oberstaatsanwalt Reiner Laib am Dienstag nicht sagen. Guttenbergs Buch habe mit dem Ermittlungsverfahren nichts zu tun, meinte er lediglich: „Da wird es keine Co-Vorstellung von uns geben.“

Das Buch wird auch die Diskussion über ein mögliches politisches Comeback Guttenbergs wieder anheizen. Schon der Titel „Vorerst gescheitert“ lädt dazu ein. Und in der Verlagsmitteilung heißt es, in dem Interview gehe es auch um „die Voraussetzungen für die Rückkehr eines immer noch enorm populären Politikers“.

Ob Guttenberg sein Buch persönlich vorstellen wird, konnte der Herder-Verlag noch nicht sagen. Der 39-Jährige lebt seit dem Sommer mit seiner Familie in den USA und hat bei einer Denkfabrik in Washington als Sicherheitsexperte angeheuert. Wie lange die Auszeit dauern soll, haben die Guttenbergs bewusst offen gelassen. Stephanie zu Guttenberg hatte vor dem Umzug aber betont: „Wir kommen zurück, das ist schon mal klar.“

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