Ex-VfB-Spieler Pavel Pardo hat selbst 148 Länderspiele absolviert und hält noch immer zu „El Tri“.  Foto:dpa Foto:  

Pavel Pardo, Meisterspieler vom VfB Stuttgart spricht vor dem Confed-Cup-Halbfinale über Mexikos Elf und Joachim Löws Plan.

Stuttgart/Houston - Er hat 148 Länderspiele absolviert und bezeichnet „El Tri“ noch immer als seine Mannschaft: der frühere VfB-Profi Pavel Pardo (40) blickt auf die Begegnung zwischen Mexiko und Deutschland an diesem Donnerstag (20 Uhr/ARD).

Herr Pardo, wo erwischen wir Sie gerade?
Ich sitze in einem Café in Houston und habe mir gerade einen Cappuccino bestellt.
Das klingt gut, aber was führt einen mexikanischen Nationalhelden nach Texas?
Ich begleite eine mexikanische Auswahl, die hier ein Freundschaftsspiel bestreitet und demnächst auch den Goldcup. Das gehört zu meinen Aufgaben, da ich den Verband meines Heimatlandes repräsentiere.
Müssten Sie da nicht eigentlich beim Confed-Cup in Russland sein, wo die wirkliche „El Tri“ spielt?
Nicht unbedingt, da ich ebenfalls als Bundesliga-Botschafter in Mexiko und den USA, wo ich lebe, unterwegs bin. Aber ich weiß schon, dass Sie wegen des Confed-Cups anrufen – und meine Antwort ist: Ja, wir werden am Donnerstag das Halbfinale gegen Deutschland gewinnen.
Das klingt sehr überzeugt.
Natürlich, ich kann Ihnen das auch gerne noch einmal auf Deutsch wiederholen: „Wir wollen unbedingt gewinnen!“
Offenbar haben Sie aus ihrer Zeit in Stuttgart ein paar Brocken Deutsch behalten. Doch zurück auf Spanisch: Was macht Sie so zuversichtlich vor dem Spiel in Sotschi?
Unsere Mannschaft hat zwei Gruppenspiele gewonnen und eines unentschieden gespielt. Das gibt Selbstvertrauen. Außerdem ist die Begegnung mit den Deutschen eine große Chance für viele unserer Spieler. Um sich zu beweisen, aber ebenso um einen Schritt in der persönlichen Entwicklung weiter zu kommen. Wir sind ja auch nicht umsonst mit den besten Spielern zum Confed-Cup gereist.
Der Bundestrainer Joachim Löw hat dagegen eine Perspektivmannschaft dabei.
Ja, die Deutschen. Sie denken immer schon an die Zukunft – und das ist auch gut so. Gleich nach dem WM-Triumph 2014, als großartige Spieler wie Philipp Lahm und Miroslav Klose aus der Nationalmannschaft zurückgetreten sind, hat Joachim Löw begonnen, ein neues Team zu formen. Diesen Weg geht er konsequent weiter, um gut vorbereitet in die WM 2018 zu starten.
Und in Mexiko wird nicht so sehr auf jüngere Spieler geachtet?
Mittlerweile schon. Der Nationaltrainer Juan Carlos Osorio hat die Mannschaft verjüngt. Zudem gibt es immer mehr Profis, die in Europa spielen. Das ist gut, denn dort sind das fußballerische Niveau und der Wettbewerbsdruck höher als in Mexiko.
Davon profitieren Spieler wie der Leverkusener Chicharito .
Mit Sicherheit. Es sind ja auch solche Duelle wie jetzt, auf die sich die Spieler freuen. Denn Sie müssen bedenken, dass wir nicht ständig Partien wie gegen Deutschland oder Portugal bestreiten. Trotzdem sind wir aber nur schwer zu schlagen.
Welchen Stellenwert genießt der Confed-Cup in Mexiko?
Einen hohen, weil er immer als Generalprobe für die nächste WM angesehen wird. Für die Spieler ist es wichtig, das Land und die Turnieratmosphäre kennen zu lernen.
Das sind wichtige Erfahrungen, die Sie selbst schon gemacht haben. Sie haben insgesamt viermal am Konföderationen-Pokal teilgenommen und diesen 1999 mit dem Nationalteam sogar gewonnen.
Ja, aber auch 2005 war eine tolle Erfahrung, als wir in Leipzig gegen Deutschland um den dritten Platz gespielt haben.
Die Partie ging aber verloren.
3:4 nach Verlängerung und dem zuvor verlorenen Halbfinale gegen Argentinien im Elfmeterschießen. Dennoch war ich begeistert von Deutschland und bin ein Jahr später zurückgekommen.
Zum VfB Stuttgart, mit dem Sie 2007 Deutscher Meister geworden sind.
Eine außergewöhnliche Saison war das und ein Stück meines Herzens habe ich bei meinem Abgang im Dezember 2008 auch in Stuttgart gelassen. Seitdem kehre ich auch immer wieder zurück, um Freunde zu besuchen. Das nächste mal wohl im Herbst.
Damals hat ihr Coach Armin Veh immer behauptet, Sie würden auf dem Platz wie ein Trainer denken. Nun sind Sie jedoch kein Trainer geworden. Warum?
Weil ich ein schönes Leben haben und nicht leiden will.
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