Seit Januar trainiert Alexander Blessin den FC Genua. In sieben Spielen in der Serie A gab es sieben Unentschieden, viermal davon ein 0:0. Wie schätzt der Ex-VfB- und Kickers-Profi die Lage im Tabellenkeller ein?
Er ist immer noch ungeschlagen, aber eben auch immer noch sieglos. Alexander Blessin streicht nach sieben Spielen als Trainer des italienischen Fußball-Erstligisten FC Genau dennoch das Positive heraus. „Die Medien und die Fans feiern uns, weil wir attraktiven Fußball spielen“, sagt der ehemalige Profi des VfB Stuttgart und der Stuttgarter Kickers.
Blessin, wollen Sie eigentlich in die Geschichtsbücher eingehen?
Wenn Sie auf unsere Unentschieden-Serie anspielen, dann fehlt uns noch eines, dann haben wir einen Uraltrekord aus der Serie A aus dem Jahr 1971 eingestellt, doch das spielt für uns keine Rolle. Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Einen anderen Rekord habe ich dagegen schon geknackt (lacht).
Rudi Völler, der bisher einzige deutsche Trainer vor Ihnen in der italienischen Serie A, war nur vier Spiele im Amt.
So haben mir das die Statistiker auch mitgeteilt. Im Jahr 2004 war das – und Rudi Völler trainierte den AS Rom.
Stabilität in der Mannschaft
Wie erklären Sie sich denn Ihre Remis-Serie, zumal auch noch fünf Spiele davon 0:0 endeten.
Clean sheet, weiße Weste, nennt man das wohl und Helmut Groß, der Erfinder der Raumdeckung und des ausgeklügelten Spielsystems gegen den Ball, wäre stolz auf uns (lacht). Ganz im Ernst: Natürlich gibt es welche, die anmerken, mit Unentschieden kommst du nicht weiter. Aber ich sage: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, und die Ergebnisse sprechen für Stabilität in der Mannschaft. Zumal wir in den sieben Spielen viermal den Sieg verdient gehabt hätten.
Das spricht dann aber nicht für die Chancenverwertung Ihrer Mannschaft.
Ja, uns wird von allen Seiten eine offensive und attraktive Spielweise attestiert, und in der Tat spielen wir uns sehr viele Chancen heraus, die wir leider noch nicht nutzen. Es fehlt das gewisse Quäntchen Glück, aber auch der Killerinstinkt. Das soll sich am Freitag in unserem Heimspiel gegen den FC Turin ändern. Alle lechzen nach einem Sieg.
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Wir reagiert das Umfeld?
Also, die Stimmung ist richtig gut. Fans und die Medien flippen teilweise im positiven Sinne regelrecht aus. Ein 0:0, das attraktiv zustande kommt und nicht durch den Catenaccio ermauert ist, kommt richtig gut an in Italien. Und man darf nicht vergessen, dass wir gegen Topteams wie José Mourinhos AS Rom auswärts oder daheim gegen Inter Mailand nicht verloren haben.
Unterm Strich steht aber ein Sechs-Punkte-Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz.
Wir haben noch neun Spiele. Es wird eine Herkulesaufgabe, aber wir werden alles daran setzen, den Rückstand noch aufzuholen.
Und wenn nicht?
Nach meinem Wechsel im Januar vom KV Oostende nach Genau, war klar, dass das Engagement längerfristig angelegt ist, der Vertrag läuft bis 2024 – ligaunabhängig.