Das Nationalteam hat schwierige Zeiten hinter sich. Kann die EM 2024 unter Bundestrainer Julian Nagelsmann dennoch ein Erfolg werden? So sieht Philipp Lahm, der Weltmeister 2014 und heutige OK-Chef der EM, die Lage.
Man kennt das ja noch aus den Monaten vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 – als Franz Beckenbauer, der damalige Chef des Organisationskomitees (OK), gefühlt nonstop unterwegs war. Im kommenden Jahr findet die Europameisterschaft in Deutschland statt – und es ist Philipp Lahm, der nun in der Rolle des Rastlosen ist.
Der Weltmeister von 2014 steht diesmal dem OK vor, „es macht Spaß“, sagt er. Aber sein Programm hat es mitunter in sich. Am Montagabend etwa war er in der Stuttgarter Liederhalle Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum Thema Vielfalt. Danach ging es zurück nach München, am Dienstag dann nach Dortmund. Wie Stuttgart und München eine von zehn „Host Cities“.
Stuttgart ist für Philipp Lahm derweil nicht nur eine der Metropolen, in denen im kommenden Jahr EM-Spiele stattfinden – sondern auch ein kleines bisschen alte Heimat. Von 2003 bis 2005 spielte der heute 40-Jährige beim VfB Stuttgart, war damals für zwei Jahre vom FC Bayern ausgeliehen. Und erlebte tolle Zeiten – an die sich Philipp Lahm nun erinnert fühlt.
Der VfB jedenfalls vollführt nach zwei Jahren im Kampf gegen den Abstieg einen erstaunlichen Höhenflug. Nach einem Drittel der Saison hat das Team des Trainers Sebastian Hoeneß schon 24 Punkte, steht auf Rang drei, hat im Pokal das Achtelfinale erreicht und am vergangenen Samstag Borussia Dortmund in beeindruckender Manier 2:1 besiegt. Für Lahm spielt der VfB „jetzt wieder da, wo er hingehört“.
Erinnerungen an die Königsklasse mit dem VfB
Der langjährige Kapitän der Nationalmannschaft und des FC Bayern denkt dabei sogar an magische Nächte, die er in Stuttgart erlebt hat. „Mich erinnert das so ein bisschen an die Zeit, als ich hier gespielt habe“, sagte Lahm, „als man in der Champions League gespielt und tolle Erlebnisse gehabt hat.“ Für ihn ist der aktuelle Höhenflug der Stuttgarter der Beleg, „dass hier in den vergangenen eineinhalb Jahren gute Arbeit geleistet worden ist“. Es seien in dieser Zeit „Strukturen verändert worden“, ergänzte Lahm, der seit September 2022 und nach wie vor mit seinem Team als Berater des AG-Vorstandes beim VfB fungiert, sich zu dieser Tätigkeit aber nicht äußern wollte. Nun mache es „Spaß, dem VfB zuzuschauen“.
Mit dem Vergnügen beim Zusehen war es ja auch beim deutschen Nationalteam so eine Sache in den vergangenen Monaten. Nun aber blickt Lahm wieder mit Zuversicht in Richtung EM. „Wenn ich die letzten Länderspiele anschaue, dann sehe ich, dass wir wieder auf dem richtigen Weg sind“, sagte der 113-malige Nationalspieler – der weiß, was die Zuschauer sehen möchten: „Eine leidenschaftliche, begeisterungsfähige Mannschaft.“ Lahm ist sicher, dass in den verbleibenden Monaten bis zum Turnierstart wieder eine Euphorie entstehen rund um die Nationalmannschaft entstehen kann.
Zum einen versprühe Julian Nagelsmann, der neue Bundestrainer, „viel Energie“. Zum anderen habe man schon beim einen Länderspiel unter der Leitung von Rudi Völler (2:1 gegen Frankreich) gesehen, „wie schnell so eine Begeisterung wieder geweckt werden kann“. Nun liege es am Team, das weiter zu befeuern: „Die Mannschaft muss die Fans begeistern, dann begeistern die Fans die Mannschaft – und das Turnier kann auch sportlich ein großer Erfolg werden.“