Der alte Weimerkindergarten in Fellbach, seinerzeit betreut vom Verein für christliche Kirchenpflege Foto: Stadtarchiv Fellbach

Zur 50-Jahr-Jubiläumsfeier der Evangelischen Mission in Solidarität erscheint eine Broschüre, die sich mit wichtigen christlichen Persönlichkeiten in Fellbach beschäftigt

Erziehung zum Frieden im Nahen Osten – das setzen seit vielen Jahrzehnten zwei Evangelische Schulen in Jordanien und im Libanon um. Sie gehören zum internationalen Netzwerk der EMS, der Evangelischen Mission in Solidarität, die ihren Sitz in Stuttgart hat und an diesem Wochenende ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Den Auftakt machte am Freitag ein Empfang in Stuttgart mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Landeshauptstadt.

 

Der noch gewichtigere Teil der Feierlichkeiten führt allerdings über die Grenzen in den westlichen Rems-Murr-Kreis, nach Fellbach. An diesem Sonntag, 18. September, beginnt um 10 Uhr der Festgottesdienst in der Lutherkirche. Die Predigt gestaltet der anglikanische Erzbischof aus Jerusalem, Most-Reverend Hosam Naoum. Im Anschluss an den Gottesdienst und nach einer kleinen Kaffeepause gibt gegen 11.40 Uhr in der Lutherkirche der Direktor der Theodor-Schneller-Schule in Amman (Jordanien), Reverend Khaled Freij, Einblicke in die aktuellen Herausforderungen.

Das Jahresfest steigt in Fellbach

Einer von 28 Mitgliedern der bundesweit aktiven EMS ist der Evangelische Verein für die Schneller-Schulen (EVS), ebenfalls mit Sitz in Stuttgart. Der Verein nimmt das Jubiläum zum Anlass, auch sein Jahresfest in Fellbach auszurichten – am frühen Sonntagnachmittag pilgern deshalb die Teilnehmer die paar Hundert Meter durch die Stadt zur Mitgliederversammlung, die im Paul-Gerhardt-Haus stattfindet. Erwartet werden dort rund 300 Mitglieder und auch deren Familienangehörige, berichtet Pfarrer Uwe Gräbe, Geschäftsführer des EVS und zugleich Fachbereichsleiter Nahost des Vereins.

Dass wichtige Teile des Jubiläums in Fellbach gefeiert werden, hat auch einen anderen Hintergrund – und den offenbart eine ausführliche Broschüre, die im Auftrag der evangelischen Kirchengemeinde Fellbach und des Stadtarchivs von den Heimatforschern Theo Lorenz und Siegfried Bihler erstellt wurde. „Verbindungen“ ist der Titel des 24-seitigen, mit etlichen geschichtlichen Erläuterungen, Porträts, Zeittafeln und Fotos versehenen Hefts, das am Sonntag der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Schuldirektoren im Orient

In ihrer Broschüre wollen die Autoren aus Anlass des EMS-Jubiläums einige Beziehungslinien zwischen den Schneller-Schulen und Fellbach aufzeigen – und ebenso, was die Stadt mit der Basler Mission verbindet, deren Tradition bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. „Die tragenden Persönlichkeiten waren Johanna Schneller und Pfarrer Karl Friedrich Werner“, erklären Siegfried Bihler und Theo Lorenz. Von beiden Personen seien Impulse ausgegangen, „die noch heute in Fellbach wirken“.

Zu sehen ist beispielsweise eine Ahnentafel unter der Überschrift: „Drei Schneller-Generationen von 1860 bis 1970 als Schuldirektoren im Vorderen Orient“. Mit Foto dargestellt ist Johanna Schneller: „Sie gehört zu den ,starken Frauen’ in Fellbach“, lautete die Überschrift eines Artikels in der Fellbacher Zeitung vom November 2007. „Johanna Schneller geborene Allmendinger kam kurze Zeit nach ihrer Geburt im Jahr 1864 mit ihren Eltern nach Fellbach“, heißt es in der Broschüre. „Mit 23 Jahren heiratete sie am 8. August 1887 Theodor Schneller, damals Pfarrer und Lehrer des Syrischen Waisenhauses in Jerusalem und später Leiter dieser Einrichtung im osmanischen Reich.“ Johanna Schneller ging mit ihrem Mann an diese Schule in Jerusalem und übernahm die Leitung der Hauswirtschaft, die für die Versorgung der großen Zahl von Schülern und Lehrkräften verantwortlich war. Kurz nach dem Tod ihres Mannes kehrte Johanna Schneller 1939 nach Deutschland zurück und verbrachte ihre letzten Jahre bis zu ihrem Tod 1946 bei ihrem Sohn Paul, einem Arzt in Pfullingen.

Broschüre als kleines Gastgeschenk

Der zweite Schwerpunkt dieses „kleinen Gastgeschenks“ zum Jubiläum der EMS, wie es im Vorwort der Broschüre heißt, bezieht sich auf Karl Friedrich Werner. Er war Pfarrer in Fellbach von 1849 bis 1872 und „ein Förderer der Basler Mission in Fellbach“. Fellbach war in jener Zeit „in sittlich-religiöser Hinsicht“ offenkundig vorbildlich, „das Wort Gottes wird hier sehr geschätzt, an Sonn- und Festtagen werden die Gottesdienste fleißig besucht“, steht in einem damaligen Pfarrbericht. Unter Werners Regie wurde etwa der Bau eines Kindergartens in der Weimerstraße umgesetzt, Träger wurde der 1865 gegründete Verein für christliche Kinderpflege. Seine letzte Ruhestätte erhielt Werner auf dem Alten Friedhof in Fellbach, wo sein Grabstein noch heute an ihn erinnert.

Die Broschüre wird am Sonntag verteilt und ist anschließend zum Preis von drei Euro im Stadtmuseum erhältlich. Der Gottesdienst in der Lutherkirche wird gestreamt und kann, so die Auskunft, über die Homepage der evangelischen Kirchengemeinde mitgefeiert werden: www.fellbach-evangelisch.de.