Die evangelischen Kirche steht auch in Herrenberg, hier die Stiftskirche – vor großen Veränderungen. Foto: /Stefanie Schlecht

Die Hoffnung, dass Dekan Eberhard Feucht nicht der letzte in diesem Amt in Herrenberg ist, schwang am Freitag bei der Herbstsynode des evangelischen Kirchenbezirks immer unterschwellig mit – hilft ein Mediationstermin?

Die Themen, die auf der Agenda der Herbstsynode des evangelischen Kirchenbezirks Herrenberg standen, waren auf den ersten Blick wiederkehrende Routine. Unter anderem verabschiedeten die Mitglieder des Kirchenparlaments – 57 von 69 Stimmberechtigten waren im Evangelischen Gemeindehaus in der Erhardtstraße am Freitagabend anwesend – die Jahresrechnung 2022. Anders als geplant weist diese keinen negativen Saldo von 40 000 Euro auf, sondern ein Plus von 2900 Euro.

 

Auch das Zahlenwerk für den Haushalt des Kirchenbezirks für das kommende Jahr fand Zustimmung. Die Übernahme des Tarifabschlusses des Öffentlichen Dienstes mit einem Plus von 10,5 Prozent stelle den Kirchenbezirk vor große Herausforderungen, berichtete Kirchenbezirksrechner Oliver Heidorn. „Spielräume gibt’s da echt keine mehr“, betonte er angesichts der geplanten Entnahme von 10 000 Euro aus den vorhandenen Rücklagen.

Der Dekan geht in den Ruhestand

Dennoch war die dreistündige Herbstsynode, die Dekan Eberhard Feucht als Vertreter des erkrankten Vorsitzenden Eberhard Wörner leitete, keine alltägliche. Denn für ihn war es nach zwölf Jahren in Herrenberg die finale Bezirkssynoden-Sitzung. Am 3. Dezember wird er mit einem Gottesdienst in der Stiftskirche (Beginn: 14.30 Uhr) in den Ruhestand verabschiedet.

Aufgrund dieses Umstandes sieht sich der Kirchenbezirk zusätzlich zur Finanzlage und dem angestoßenen Pfarrplanprozess 2030, bei dem die 21,25 Pfarrstellen des kommenden Jahres für den Bezirk mit aktuell 24 Gemeinden innerhalb von sechs Jahren auf 16,5 Stellen eingedampft werden müssen, mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert. Denn am 19. Juli hat der Oberkirchenrat darüber informiert, dass für Dekan Eberhard Feucht kein Nachfolger mehr gesucht werde. Wie unsere Zeitung berichtete, war der Wiederbesetzungsprozess schon weit gediehen. Über dessen Stopp, so hatte der Bezirkssynodale, der Oberjettinger Eberhard Wörner bei einer Sondersynode Ende Juli erläutert, war dieser einen Tag vor der Besetzungssitzung informiert worden. Diese hätte den Abschluss der notwendigen Vorarbeiten für die Ausschreibung der Stelle gebildet.

Große Lösung mit Böblingen und Leonberg?

Begründet wurde das Vorgehen damit, dass die Mitgliederzahl im Bezirk unter 30 000 gesunken sei, was eine Fusion nötig mache. Der Kirchenbezirk, so haben die Synodalen in einer Resolution an den Oberkirchenrat festgehalten, lehnt Veränderungen nicht grundsätzlich ab. Aber ein Fusionsprozess sollte aus ihrer Sicht auf Augenhöhe, also auch mit einem Dekan an der Spitze ihres Bezirkes erfolgen – und nicht wie vorgeschlagen auf Herrenberger Seite mit einem von oben eingesetztem Administrator.

Für den südwestlichen der drei Bezirke im Landkreis stellt sich dabei zudem die Frage, ob ein Zusammengehen mit Böblingen allein zielführend wäre oder gleich an einer „großen Lösung“ mit Leonberg gearbeitet werden müsste.

Mediationstermin wegen Dekanstelle am 15. Dezember

Diese inhaltlichen Differenzen, aber auch allgemeine Kritik der Herrenberger am Vorgehen, werden an einem Treffen zur Mediation am 15. Dezember zur Sprache kommen. Neben dem Mediator, Mitgliedern der Bezirkssynode sowie zwei Vertretern des Oberkirchenrats wird auch Sabine Foth teilnehmen – die Vorsitzende der Landessynode, die sich zu ihrer Herbsttagung vom 30. November bis zum 2. Dezember in Stuttgart trifft.

Dekan Feucht hatte sich bereits bisher inhaltlich zu dem Vorgang Zurückhaltung auferlegt und nur die aus seiner Sicht mit Mängeln behaftete Prozesssteuerung kommentiert. Dabei blieb er auch bei seinem letzten Bericht, in dem er einige Ereignisse aus seiner Zeit in Herrenberg seit September 2011 schlaglichtartig Revue passieren ließ. Dabei streifte er unter anderem auch zwei aus seiner Sicht gelungene Prozesse.

Bürgerkirche und Diakonieverband waren große Baustellen

Gleich zum Auftakt seiner Amtszeit war der Umbau der Spitalkirche zur Bürgerkirche ein Großprojekt – und damit verbunden die Abkehr von der Idee, dort eine Jugendkirche zu installieren, weil dieses Vorhaben nicht finanzierbar gewesen wäre. „Von Anfang an wurde mit offenen Karten gespielt“, erinnerte er sich. Die dabei hergestellte Transparenz, so ist er sicher, habe die Akzeptanz geschaffen und letztendlich das „Wir-Gefühl“ gestärkt.

Auch die Befriedung des von Herrenberger Seite bestehenden Unmuts wegen unterschiedlicher Finanzierungssätze beim Evangelischen Diakonieverband im Landkreis Böblingen sieht er als gelungen an. „Offen den Diskurs zu suchen“, wo nötig auch „zu streiten“, aber letztendlich doch einen gemeinsamen Weg zu finden, lautete für Feucht dabei das Erfolgsrezept, das zu einem „wirklich guten Miteinander geführt hat“.

Immer weniger Mitglieder, immer weniger Pfarrer

Pfarrplan
Weil die Zahl der Gemeindeglieder sinkt, es immer weniger Pfarrer gibt und finanzielle Einbußen drohen, kürzt die evangelische Kirche in Württemberg Pfarrstellen. Nach dem Pfarrplan 2018 und dem Pfarrplan 2024 sieht der Pfarrplan 2030 nun die gravierendsten Einschnitte vor. Zudem stehen Immobilien und die Verwaltung auf dem Prüfstand.

Kirchenbezirk
Die evangelische Kirche teilt sich in Bezirke auf. Im Landkreis Böblingen gibt es drei: die Kirchenbezirke Böblingen, Herrenberg und Leonberg. Sie sollen aus Kostengründen mittelfristig zusammenwachsen.

Synode
Die Synode ist das höchste Entscheidungsgremium im Kirchenbezirk. Die Synode des Kirchenbezirks Böblingen tagt am kommenden Freitag, 24. November, in Waldenbuch. Auch hier stehen massive Einschnitte auf der Tagesordnung.