Die evangelische Kirche bleibt auf Sparkurs, viele weitere Pfarrstellen sollen bis in sieben Jahren wegfallen – auch im Raum Böblingen/Sindelfingen. Die Böblinger Bezirkssynode muss zähneknirschend ein Modell überlegen, wie das umgesetzt werden könnte.
Das große Sparen geht weiter, denn den Kirchengemeinden laufen zunehmend die Mitglieder weg. Nach dem Pfarrplan 2018 und dem Pfarrplan 2024 (der noch nicht einmal vollständig umgesetzt ist) hat die evangelische Landeskirche zuletzt konkrete Zahlen zum Pfarrplan 2030 vorgelegt. Und diese neue drastische Vorgabe bricht wie Donnergrollen über die evangelischen Gemeinden in Württemberg herein.
Großer Frust in Kirchengemeinden
Sage und schreibe 30 Prozent der Pfarrstellen sollen bis in sieben Jahren wegfallen, zu groß sind wohl die zu befürchtenden finanziellen Einbußen bei der Kirchensteuer. Für den Bezirk Böblingen, der sich von Grafenau und Aidlingen über Böblingen und Sindelfingen bis auf die Schönbuchlichtung erstreckt, heißt das konkret: Die aktuell 30 Pfarrstellen werden bis Ende 2024 noch 28 sein, dann kommt die Keule. Bis 2030 muss diese Zahl auf 17,75 Stellen sinken. „Das sorgt natürlich für großen Frust in den Gemeinden“, weiß der Böblinger Dekan Markus Frasch, „und dennoch geht es darum, mit diesen Vorgaben konstruktiv umzugehen.“
So geschehen auf der Bezirkssynode am Freitag. Den rund 60 teilnehmenden Kirchengemeinderäten attestierte Frasch bei aller Enttäuschung über den Pfarrplan ein hohes Maß an „gutem Willen und Kompromissbereitschaft“. Die Delegierten aus den Kirchengemeinden des Böblinger Bezirks mussten Modelle diskutieren, auf welche Weise Pfarrstellen in Zukunft zu verteilen sind. „Für die Teilnehmer ist der Plan eigentlich eine Katastrophe“, so der Dekan, „und trotzdem werden die Veränderungen mitgetragen, dafür bin ich sehr dankbar.“
Pfarrer im Team für mehrere Ort aktiv
Klar ist: Das Grundgerüst, dass jeder Ort und jede Gemeinde einen eigenen Pfarrer oder eine eigene Pfarrerin hat, wird sich in Zukunft nicht halten lassen. Es soll verstärkt in Kooperationen gedacht werden, bei denen mehrere Pfarrer für mehrere Gemeinden im Team aktiv sind – gerade im ländlichen Raum, wo größere und kleinere Gemeinschaften nebeneinander liegen. „Das schmeckt den größeren Einzelgemeinden nicht“, weiß Frasch, „und dennoch werden wir nicht darum herumkommen.“
Bei Holzgerlingen liegt nahe, stärker mit Altdorf zu kooperieren, womöglich auch noch mit Weil im Schönbuch und Breitenstein. Denn anstelle von fünf Pfarrstellen stünden diesem Bereich nur noch drei zur Verfügung. Schönaich könnte eventuell mehr in Richtung Waldenbuch und Steinenbronn aktiv werden müssen, damit sich die Pfarrstellen vernünftig verteilen lassen. Auch für Ehningen, Dagersheim, Aidlingen mit Deufringen und Dachtel steht eine verstärkte Kooperation ins Haus, dort würden von vier Pfarrstellen noch 2,75 übrig bleiben.
Besonders starke Mitgliederverluste müssen die Sindelfinger Kirchengemeinden verkraften, hier sollen anstatt derzeit noch fünf Stellen ab 2030 nur noch drei Pfarrstellen zur Verfügung stehen. Ähnlich in Böblingen (3 anstatt jetzt 4,5), wo perspektivisch folglich darüber diskutiert wird, eine der vier Stadtgemeinden aufzulösen. Wenn es nach dem Dekan geht, sollten Böblingen und Sindelfingen sowieso mehr zusammenarbeiten. „Wir brauchen ein starkes Zentrum im Kirchenbezirk“, sagt Frasch, der seit Oktober 2021 den Bezirk anführt. „Die Konkurrenz zwischen den Städten und Gemeinden führt uns nicht weiter.“
Abbau der Stellen über sechs Jahre
Bereits seit etwa einem halben Jahr wird in den Kirchengemeinden vor Ort über mögliche Kooperationen diskutiert. „Die Entscheidungen sollten auch vor Ort fallen“, betont Frasch, „bis zum Herbst wollen wir Klarheit haben.“ Ab 1. Januar 2025 soll der Pfarrplan 2030 dann sukzessive umgesetzt werden – bei Umzug oder Ruhestand würde eine Stelle nicht wieder besetzt. Ende 2030 müsste im Zweifelsfall ein Schnitt passieren,