Gute Nachricht in Krisenzeiten bei den Protestanten in Böblingen: Die vakante Stelle in der Christuskirche auf der Diezenhalde ist wieder besetzt – mit bekannten Gesichtern.
17 Jahre lang haben Friederike Strauss und Moritz Twele gemeinsam die Christuskirchengemeinde in Böblingen geleitet – stets im engen Kontakt mit den katholischen Kollegen, denn im Ökumenischen Gemeindezentrum auf der Diezenhalde arbeiten die Konfessionen seit 1990 eng zusammen.
Im Frühjahr 2023 endete aber diese Ära, das Pfarrer-Ehepaar zog es zu neuen Aufgaben nach Ulm. Friederike Strauss ist nun geschäftsführende Krankenhauspfarrerin am Uniklinikum Eselsberg, Moritz Twele wiederum Pfarrer in der Martin-Luther-Gemeinde in der Ulmer Weststadt samt erweitertem Schulauftrag. Seit Mai war die Pfarrstelle in der evangelischen Christuskirchengemeinde in Böblingen also vakant. Doch nun ist sie wieder besetzt – erneut mit einem Ehepaar, das sich die 100-Prozent-Stelle teilt und zudem vor Ort gut auskennt.
Seit 1. März sind Friederike Faller und Fabian Maysenhölder auf der Diezenhalde verantwortlich. Am Sonntag wurde das Ehepaar von Dekan Markus Frasch in einem Gottesdienst offiziell ins Amt eingeführt, musikalisch begleitet vom Vater-Unser-Chor sowie den Kindern der Chorschnäbel und Chorküken. Leonore Biester, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, betonte die Freude darüber, dass mit dem Paar und ihren drei kleinen Kindern eine junge Familie ins Pfarrhaus einziehe. „Das passt ideal zum jungen Stadtteil Diezenhalde“, so Biester. Deshalb sei in der Ausschreibung auch betont worden, dass die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ein Schwerpunkt sein solle.
„Die Familienarbeit liegt uns sehr am Herzen“, bestätigt Fabian Maysenhölder auf Nachfrage unserer Zeitung, „das Gemeindezentrum soll ein Begegnungsort für Jung und Alt und für alle Konfessionen sein.“ Der 38-Jährige kennt sich vor Ort bestens aus, war er doch von 2017 bis 2020 bereits als Vikar an der Christuskirche tätig. „Ich habe die Gemeinde als sehr offen und angenehm erlebt“, berichtet er, „und auch die Ökumene funktioniert wunderbar.“ Friederike Faller, ebenfalls 38, absolvierte zur gleichen Zeit ihr Vikariat in der Christuskirchengemeinde in Sindelfingen. Seitdem lebt die Familie bereits in Böblingen, auch wenn sich die beruflichen Tätigkeiten in den vergangenen drei Jahren nach Stuttgart verschoben hatten – in jeweils eher übergeordneten Rollen.
Fabian Maysenhölder arbeitete beim Pädagogisch-Theologischen-Zentrum in Stuttgart-Birkach mit dem Schwerpunkt Konfirmandenarbeit. Friederike Faller war am gleichen Ort dafür zuständig, vielfältige Angebote für die Gestaltung von Kindergottesdiensten zu entwickeln. „Als wir die Ausschreibung für die Diezenhalde gesehen haben, war für uns klar, dass wir dort gerne hinmöchten“, berichtet Maysenhölder.
Dabei befindet sich die evangelische Kirche in schwierigen Zeiten. Weil die Gemeindeglieder immer weniger werden und folglich finanzielle Sorgen drücken, kürzt die Landeskirche Pfarrstellen. Zudem stehen Gebäude und Strukturen zur Disposition. In Böblingen ist bereits ausgemachte Sache, dass die vier Kirchengemeinden – Stadtkirche, Martin-Luther-, Paul-Gerhardt- und eben Christuskirchengemeinde – zum 1. Januar 2025 zu einer großen fusionieren. Zudem wird sich die Zahl der Pfarrstellen bis 2030 von derzeit 4,5 auf dann wahrscheinlich noch drei Stellen reduzieren. Da warten große Herausforderungen auf die Verantwortlichen in Böblingen, die diese Prozesse moderieren müssen – so auch auf Friederike Faller und Fabian Maysenhölder.
„Es ist eine schwierige Zeit“, bestätigt der neue Diezenhalde-Pfarrer, „dennoch sind wir positiv gestimmt.“ Es werde viele Veränderungen geben, zum Teil auch schmerzhafte. „Wir sehen aber auch die großen Gestaltungsmöglichkeiten und Chancen“, betont der 38-Jährige. Den beiden sei jedenfalls nicht bange. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.“